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Wir fördern Frauen intensiver als früher

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Seit November 2005 leitet Dr. Nicola Leibinger-Kammüller die Trumpf-Gruppe mit weltweit 7600 Mitarbeitern. Wir fragten sie, selbst Mutter von vier Kindern, was Unternehmen heute tun können, um familienfreundlicher zu werden.

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Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen. Bild: Trumpf
Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen. Bild: Trumpf
( Archiv: Vogel Business Media )

MM:

MM: Es gibt in Deutschland nicht viele Maschinenbau-Unternehmen, die von einer Frau geleitet werden. Meist sind es Familienunternehmen und die Frauen beweisen, dass sie die Geschäftsführung beherrschen. Warum schaffen es in managergeführten Unternehmen so wenige Frauen nach oben?

Leibinger-Kammüller: Frauen finden immer noch zu wenig Unterstützung, Familie und Karriere besser zu vereinbaren. Das zeigt sich am Beispiel der Kinderbetreuung. Diese Situation bessert sich erst langsam. Entscheidend scheint mir auch, dass Frauen ihre Ansprüche zu wenig geltend machen und zu zurückhaltend sind. Sie sagen nicht laut, dass sie sich reif fühlen für eine Beförderung, sondern halten sich still im Hintergrund und warten, entdeckt zu werden. Sie müssen lernen, laut auszusprechen, dass sie sich für eine höhere Position geeignet fühlen.

MM: Allgemein wird beklagt, dass junge Frauen sich zu wenig für technische Berufe interessieren. Was halten Sie von Aktivitäten, junge Frauen an technische Berufe heranzuführen?

Leibinger-Kammüller: Frauen und Technik sind bei Trumpf kein Widerspruch. Deshalb beteiligen wir uns an Aktionen wie etwa dem Girls’ Day.

Wir haben darüber hinaus noch weitere Kooperationen mit Schulen und Universitäten in der Umgebung, um junge Menschen – nicht nur Mädchen – für technische Berufe zu gewinnen. Wir möchten Kinder früh für Technik und Wirtschaft begeistern. Deshalb beteiligen wir uns etwa an der Initiative Wissensfabrik mit den Projekten Kiewis (Kinder entdecken Wirtschaft) oder Kitec (Kinder entdecken Technik).

Ein weiteres Projekt ist der Ideenpark. Er ist der Höhepunkt der Initiative „Zukunft Technik entdecken“. Vom 17. bis zum 25. Mai kommt die Mitmach-Ausstellung für Kinder und Jugendliche nach Stuttgart.

Durch Exponate, Aktionen und Gespräche mit Profis ist Technik für die jungen Besucher – und ihre Eltern – hautnah erlebbar. Thyssen-Krupp hat die Initiative „Zukunft Technik entdecken“ 2004 ins Leben gerufen – inzwischen tragen über 100 Partner zum Erfolg des Ideenparks bei, darunter auch die Trumpf-Gruppe.

MM: Die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie ist vielfach noch der Grund dafür, dass Frauen sich beruflich nicht weiterentwickeln können. Fähige Frauen werden aber in den Unternehmen ebenso benötigt wie fähige Männer. Was muss sich ändern – in den Unternehmen, in der Gesellschaft, in den „Köpfen“?

Leibinger-Kammüller: Es muss sich etwas ändern, denn es gibt nach wie vor mentale Barrieren. Auch ich muss mir immer noch sowohl von Männern als auch von Frauen die Frage stellen lassen, ob ich als Mutter, die Vollzeit arbeitet, ein schlechtes Gewissen habe. Einem Mann wird diese Frage nicht gestellt.

Wir bei Trumpf fördern Frauen intensiver als früher, beispielsweise mit flexibleren Arbeitszeiten, damit sie Karriere und Familie besser unter einen Hut bringen können. Es ganz nach oben mit Teilzeit-Beschäftigung zu schaffen, bleibt allerdings sehr schwer. Da mache ich mir wenige Illusionen. Aber es geht darum, die Frauen und ihr Wissen nicht zu verlieren und zumindest den Wiedereinstieg zu erleichtern.

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