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Antriebstechnik

Wir müssen in einen Plug-and-play-Modus kommen

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Wirkt es sich auch auf die Entwicklung von Umrichtern aus, wenn neue ABB-Halbleiter auf den Markt kommen?

Frei: Ja, natürlich. Das Entscheidende ist eine immer höhere Performance bei immer weniger Verlusten. Und dann gibt es ja noch den Spannungsbereich: Die Tendenz geht zu höheren Spannungen, die wir erreichen, indem Halbleiter in Serie geschaltet sind oder eben für höhere Spannungen zur Verfügung stehen. Aber ich würde sagen: Das war wahrscheinlich vor zehn Jahren noch viel wichtiger als heute. Heute ist schon vieles entwickelt, deshalb sehe ich die Halbleiter nicht mehr als den Treiber Nummer eins.

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Zur Person

Barbara Frei hat an der ETH Zürich Maschinenbau studiert und dort promoviert. Sie arbeitet seit 1998 im ABB-Konzern und war schnell in verschiedenen leitenden Positionen tätig – zunächst in der Schweiz, ab 2008 als Country Manager in Prag. Zwei Jahre später wechselte sie als Country Manager nach Italien und übernahm die Verantwortung für die Mittelmeer-Region. Seit Herbst 2013 ist Barbara Frei für die Business Unit „Drives and Controls“ zuständig

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Was ist dann heute der Treiber Nummer eins?

Frei: Heute sind meiner Meinung nach vor allem die Control-Technologie und die Software der Treiber. Die Applikationssoftware ist viel entscheidender. Wie empfindet der Kunde das Produkt? Wie erfährt er es beim Bestellen, bei der Inbetriebnahme, bei der Wartung? All diese Dinge sind heute viel wichtiger. Genauso wie die Frage, wie schnell der Kunde das Produkt in seinen laufenden Prozess integrieren kann. Das wird aus meiner Sicht einer der Treiber in der Zukunft sein.

Hatten die Kunden bisher denn Schwierigkeiten mit den Produkten?

Frei: Es ist schon so, dass ich als Mechaniker einen elektrischen Motor verstehe. Aber ein Drive ist etwas anderes. Früher war es nicht so leicht, einen Drive zu programmieren, das hat sich in den letzten Jahren sehr vereinfacht. Ich denke allerdings, da muss die Entwicklung noch weiter gehen.

Antriebe müssen also leichter zu bedienen und in Betrieb zu setzen sein. Wie setzt ABB das um?

Frei: Wir wollen auch eher konservative Anwender von unseren Drives überzeugen. Darauf stützt sich unser neues Plattformkonzept: Wir möchten für den Kunden alles einfacher machen. Einfacher beim Auswählen, einfacher beim Bestellen, einfacher beim Inbetriebsetzen. So muss man jetzt zum Beispiel große Anlagen mit über 1000 Antrieben im Prinzip nur einmal programmieren und kann dann über eine Memory-Card das Programm an alle Antriebe übertragen. Wir haben uns darauf konzentriert, dass bei Neuentwicklungen das Kundeninterface immer kongruenter und einfacher wird.

... und dann werden mehr Frequenzumrichter eingesetzt?

Frei: Bisher werden weltweit nur etwa 10 bis 12 % der Motoren mit Frequenzumrichtern geregelt. Wenn wir auf einen Durchschnitt von 20 % kämen – das würde ja rein vom Energieverbrauch her Sinn machen –, würde sich hier ein sehr großer Markt öffnen.

Welche Schwerpunkte bestimmen die derzeitige Forschung bei den Antrieben?

Frei: In der Forschung betrachten wir einen Zeitraum von zehn Jahren. Als Trend sehen wir zum einen, dass der Markt zu höheren Spannungen tendiert, und zum anderen testen wir neue Materialien für Halbleiter.

Wie stark ist die Antriebstechnik aktuell von den Entwicklungen in der Elektronik und in der Elektrotechnik getrieben?

Frei: Es gibt immer mehr Rechenprozessoren, die sehr leistungsfähig sind. Das bedeutet: Man kann immer mehr Funktionen in die eigentliche Control-Hardware integrieren. Heute lassen sich auch die Feldbusse mit integrieren, was früher eigentlich nicht möglich war, weil einfach die Rechenleistung fehlte. Aber dieser Trend wird sich sicher fortsetzen.

Haben gesetzliche Vorschriften Auswirkungen im Hinblick auf die Antriebe? Sind Sie getrieben durch diese Vorschriften?

Frei: Ich glaube, wir sind weniger getrieben als die Motorenhersteller, weil ein Frequenzumrichter an sich schon energieeffizient ist. Wir sind eher getrieben durch ganz branchenspezifische Anforderungen. Wenn der Antrieb zum Beispiel in rauen Umgebungen genutzt werden soll, dann muss die Schutzklasse des Drives IP65 sein.

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt