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Exportmärkte Wirtschaft am Golf muss sich neu orientieren

| Autor: Stéphane Itasse

Der Nahe Osten wird nicht nur politisch durchgerüttelt. Auch wirtschaftlich kommt vieles in Bewegung: Die beiden größten Staaten am Persischen Golf, der Iran und Saudi-Arabien, stehen vor einem deutlichen Umbruch.

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Nach vielen Jahren Sanktionen gegen den Iran sehen Fachleute einen großen Nachholbedarf in allen Branchen.
Nach vielen Jahren Sanktionen gegen den Iran sehen Fachleute einen großen Nachholbedarf in allen Branchen.
(Bild: Tehran Taxi / Paul Keller / BY 2.0)

Über 100 deutsche Unternehmen waren nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) im Mai beim Deutsch-Iranischen Wirtschaftsforum in Teheran vertreten. Sie haben Grund zum Optimismus: Im Januar haben die EU und die USA viele, wenn auch nicht alle, Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufgehoben. Diese hatten den Warenaustausch in der Zwischenzeit schwer beeinträchtigt: Lag das Handelsvolumen 2010 noch bei 4,7 Mrd. Euro, waren es 2015 nur noch 2,4 Mrd. Euro, wie das BMWi mitteilt.

Außenhandelsexperten erwarten schwunghaften Handel mit Iran

Es dürfte allerdings noch einige Zeit dauern, bis der alte Stand wieder erreicht wird. „Mir ist bewusst, dass die Wiederbelebung der deutsch-iranischen Wirtschafts- und speziell auch der Finanzbeziehungen ein langfristiger Prozess ist“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Optimistischer ist hingegen der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Wir sind eher hoffnungsvoll, dass es mit Schwung losgeht und wir locker zweistellige Zuwachsraten bei den deutschen Exporten schon 2016 erreichen“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier laut einem Bericht der Deutsch-Iranischen Auslandshandelskammer (AHK Iran). Das deutsch-iranische Handelsvolumen könne sich in den kommenden drei Jahren auf 5 Mrd. Euro verdoppeln. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sei ein Anstieg auf 10 Mrd. Euro möglich.

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„Im Iran herrscht eine Goldgräberstimmung", sagt auch René Harun, Geschäftsführer der AHK Iran. Das Land, das die zweitgrößten Gas- und die viertgrößten Ölreserven der Welt hat, brauche deutsches Know-how und Investitionsgüterhersteller, darunter vor allem Maschinen- und Anlagenbauer sowie die Kunststoff verarbeitende Industrie.

Asiatische Wettbewerber für deutsche Maschinenbauer haben sich im Iran etabliert

„Der Bedarf ist sehr groß, denn in allen Bereichen wird jetzt wieder investiert: in Stahl- und Kraftwerke, im Bereich Öl und Gas, in der Aluminiumindustrie und natürlich auch in Verkehrsinfrastruktur“, berichtet Klaus Müller, Geschäftsführer der Kranbau Köthen GmbH und Vorsitzender der Fachabteilung Krane und Hebezeuge im VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik, von seiner Iranreise.

„Alle Teile und Ersatzteile, die in den vergangenen Jahren die chinesischen Unternehmen geliefert haben, können nun durch Qualitätsteile aus Deutschland ersetzt werden“, ergänzte auch Harun in einem Interview mit dem VDMA. Allerdings müssten sich die deutschen Anbieter auf einen scharfen Wettbewerb einstellen: Während der Sanktionszeit hätten chinesische und koreanische Anbieter die Lücken gefüllt und sich mittlerweile gut im Land etabliert. Jedoch sei die Qualität entscheidend, und hier würden die deutschen Maschinenbauer die Standards setzen.

Deutschland und Iran wollen in der Wirtschaft stärker zusammenarbeiten

Bei der Veranstaltung in Teheran unterzeichnete zudem der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister, Uwe Beckmeyer, mit seinem Amtskollegen, Wirtschafts- und Finanzstaatssekretär Mohamed Khazaei, eine Absichtserklärung. Darin wurde vereinbart, gemeinsame Projekte und Herausforderungen über eine Kontaktstelle beschleunigt zu bearbeiten und so die wirtschaftliche Zusammenarbeit voranzutreiben. Darüber hinaus konnten laut Mitteilung des Ministeriums erste Aufträge und Verträge in Millionenhöhe unterzeichnet und abgeschlossen werden, insbesondere in den Bereichen Gas, Maschinenbau, Stahl und Gesundheit.

Für die iranische Wirtschaft insgesamt bedeutet die Aufhebung der meisten Sanktionen eine Belebung, die aber durch den seit dem Jahr 2014 schwächeren Ölpreis wieder konterkariert wird. Das reale Wirtschaftswachstum lag laut einer Analyse der KfW im Jahr 2015 bei 1 bis 2 %, die hohe Inflation von 14 % belaste alle Wirtschaftsaktivitäten.

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, MM MaschinenMarkt