Suchen

Bayerische Patentallianz

Wirtschaft unterstützt Patentverwertung der Hochschulen

| Autor/ Redakteur: Martin Sonneck /

Bei der Identifizierung, Bewertung, Patentierung und Verwertung von Erfindungen aus Hochschulen werden künftig alle 26 bayerischen Hochschulen mit der Wirtschaft in einem einheitlichen und bundesweit einmaligen System zusammenarbeiten. Dabei soll die Bayerische Patentallianz GmbH (BayPAT) als zentrale Serviceeinrichtung fungieren. Das gaben Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel und Arbeitgeberpräsident Randolf Rodenstock bei einer Pressekonferenz in München bekannt.

Firmen zum Thema

In München wurde eine bisher bundesweit einmalige von der Wirtschaft unterstützte Allianz zur Patentverwertung der Hochschulen vorgestellt. Bilder: ibw
In München wurde eine bisher bundesweit einmalige von der Wirtschaft unterstützte Allianz zur Patentverwertung der Hochschulen vorgestellt. Bilder: ibw
( Archiv: Vogel Business Media )

„Wissenschaft und Wirtschaft gehen hier eine bundesweit einmalige Allianz bei der Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in wirtschaftliche Anwendungen ein“, lobte Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel die geplante Kooperation. Im Zusammenwirken beider Partner sieht er dadurch Vorteile für den Wirtschaftsstandort Bayern insgesamt. Der Technologietransfer werde effektiv beschleunigt und die Grundlage für neue Produkte bayerischer Unternehmen geschaffen.

„Das Erfinderpotenzial an bayerischen Hochschulen und dessen Vermarktung wird bisher nicht ausgeschöpft. Das wollen wir ändern. Deshalb haben wir uns als VBW – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. über Jahre für eine bessere Patentverwertung aus Hochschulen eingesetzt“, erläuterte Randolf Rodenstock, Präsident der bayerischen Arbeitgeberverbände VBW, BayME und VBM. Zwar mangele es hierzulande nicht an Erfindergeist, doch nach wie vor klafften Lücken zwischen Forschung und Anwendung. Gründe dafür macht er in den unklaren Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und in der Unübersichtlichkeit der Technologie-Transferlandschaft aus. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten noch ihre Schwierigkeiten mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten.

Entscheidend ist ein schneller Technologietransfer

„Die Verwertung von Patenten ist eine der zentralen Schnittstellen zwischen Forschung und Wirtschaft“, so Rodenstock. Von einer engeren Zusammenarbeit bei der Patentverwertung profitieren sowohl die Hochschulen als auch die Unternehmen. Zwar suchen viele Unternehmen nach innovativen Technologien und die bayerischen Hochschulen würden auch über ein großes Potenzial für die Verwertung von Erfindungen verfügen, doch die Zusammenführung lief bisher wenig koordiniert. Dies gelte es zu ändern, schließlich ist die Wettbewerbsfähigkeit in der Wissensgesellschaft maßgeblich von der Innovationsstärke der Unternehmen und der raschen Umsetzung von Innovationen in marktreife Produkte abhängig. Ein wirksamer und vor allem schneller Technologietransfer ist hier von entscheidender Bedeutung.

Auf der Grundlage von gemeinsamen Gesprächen zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium sowie VBW – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, im Jahr 2005, wurde nach einem intensiven Prozess im vergangenen Jahr die Bayerische Patenallianz GmbH (BayPAT) gegründet. Getragen wird die Patentbewertungs- und -verwertungsagentur der Hochschulen von der Universität Bayern e.V. und der Hochschule Bayern e.V. Das Wirtschaftsministerium und die beiden Verbände VBM – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. und VCI Landesverband Bayern des Verbandes der Chemischen Industrie werden im Aufsichtsrat eingebunden.

Mit dem System der Hochschulpatentverwertung soll nun die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand gehen. Zielsetzung der neuen Struktur ist es, die Zahl der Patentanmeldungen in den bayerischen Hochschulen deutlich zu erhöhen. Diese sollen dann wesentlich schneller in die Unternehmen gelangen, insbesondere in die kleineren und mittleren.

Zudem erhofft man sich einen Anstieg einer nachfrage- und anwendungsorientierten Forschung. Die BayPAT prüft als Patentverwertungsagentur in ihrer praktischen Arbeit Erfindungen auf ihre Patentwürdigkeit und spricht Empfehlungen zur Inanspruchnahme oder Freigabe aus. Sie meldet die von den Hochschulen in Anspruch genommenen Erfindungen zum Patent an. Die Patentverwertung erfolgt dann im weiteren durch Lizenzvergabe oder den Verkauf eines Patents.

Experten als kompetente Ansprechpartner

Prof. Dr. Axel Haase, Gründungsgeschäftsführer der BayPAT und Präsident der Universität Würzburg, sieht durch die qualifizierte personelle Ausstattung der Bayerischen Patentallianz entscheidende Vorteile für eine beschleunigte Bewertung von Erfindungen. Dabei machte er deutlich, dass das Expertenteam den bayerischen Hochschulerfindern den bestmöglichen Service bieten und für die Unternehmen als kompetente Ansprechpartner fungieren müsse. Die derzeit neun Mitarbeitern sollen auf bis zu 25 Personen erweitert werden. Mit Peer Biskup, der bis vor kurzem die Bremer Patentverwertung erfolgreich führte, hat am 1. Juli 2008 ein ausgewiesener Fachmann die Alleingeschäftsführung von Prof. Haase übernommen.

Um den Erfolg des Projektes sicherzustellen erfolgt eine Anschubfinanzierung seitens der bayerischen Wirtschaft. So erhält die BayPAT 5 Mio. Euro in den kommenden fünf Jahren vom VBM – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. Der Landesverband Bayern des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) steuert in diesem Zeitraum weitere 750000 Euro bei. Bei den Beteiligten herrscht Übereinstimmung, dass es ein langfristiges Ziel der Hochschulen sein muss, ihre Aktivitäten und ihre Infrastruktur zur Sicherung und Verwertung von Erfindungen vollständig aus Verwertungserlösen zu finanzieren.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 262076)