Ein Ingenieur mit der Phantasie eines Entdeckers

Die Zukunft in der Tradition verwurzeln: Der Unternehmer Manfred Wittenstein wird 70. Neuland betreten. Der Erste sein, der Spuren hinterlässt. Wege finden. Manfred Wittenstein ist ein Ingenieur mit der Phantasie eines Entdeckers. Es ist die Begeisterung für neue Erfahrungen, die ihn anspornt. Er sucht Antworten auf die Fragen der Zukunft, immer wieder gelingt es ihm, die Signale des Kommenden aufzufangen und umzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel schätzt ihn als Berater in ihrem „Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft“, Bundesforschungsministerin Annette Schavan als Mitglied der „Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft“. Aber Manfred Wittenstein ist kein Pionier, der einsam auf dem Bergg

Die Zukunft in der Tradition verwurzeln: Der Unternehmer Manfred Wittenstein wird 70.


Neuland betreten. Der Erste sein, der Spuren hinterlässt. Wege finden. Manfred Wittenstein ist ein Ingenieur mit der Phantasie eines Entdeckers. Es ist die Begeisterung für neue Erfahrungen, die ihn anspornt. Er sucht Antworten auf die Fragen der Zukunft, immer wieder gelingt es ihm, die Signale des Kommenden aufzufangen und umzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel schätzt ihn als Berater in ihrem „Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft“, Bundesforschungsministerin Annette Schavan als Mitglied der „Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft“. Aber Manfred Wittenstein ist kein Pionier, der einsam auf dem Berggipfel steht. Er ist eingebunden in ein tragfähiges Miteinander.

Pioniere brauchen Netzwerke
Die beiden Jahrhunderte, in denen Deutschland seine Erfahrungen als Industrienation sammeln konnte, sind für Manfred Wittenstein die Basis der Zukunftsfähigkeit als Industriestandort. Es gilt, die Erfahrungen zu nutzen, die die Schwellenländer noch machen müssen. Denn nicht die rasche Gewinnmitnahme, sondern ein Zusammenspiel vieler Komponenten macht ein nachhaltiges Wachstum möglich. Die Netzwerke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind über Generationen hinweg immer tragfähiger geworden und sie werden es bleiben, wenn sie von allen Beteiligten Wertschätzung erfahren. „Wenn Ressourcen, Talente und Kompetenzen flexibel kombiniert werden, folgen daraus Leistungen, zu denen einzelne Akteure allein oft nicht in der Lage wären“, schreibt Bundesforschungsministerin Annette Schavan in ihrem Beitrag zum Buch „Hochleistungsnetzwerk Deutschland“.

Hochleistungsnetzwerke für Pioniere
Zum 70. Geburtstag von Manfred Wittenstein erscheint im Murmann Verlag eine Festschrift der besonderen Art. Klaus Spitzley, viele Jahre Finanzvorstand der WITTENSTEIN AG, darüber hinaus enger, langjähriger Weggefährte und Vertrauter von Manfred Wittenstein, hat ihm zu Ehren namhafte Autoren um ihren Beitrag zu den besonderen Herausforderungen zukunftsfähiger Netzwerke gebeten. „Folglich war auch der einzig akzeptable Anspruch daran, eine substanzielle Schrift präsentieren zu können, die mit hochkarätigen Beiträgen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft das sensible Gebilde ‚Hochleistungsnetzwerk Deutschland‘ aus verschiedenen Perspektiven betrachtet“, so ist im Vorwort zu erfahren.

Pioniere auf der Walz
Noch vor einigen Generationen zogen frischgebackene Gesellen hinaus in die Fremde. Dort kamen ihnen zunächst einmal Gewissheiten abhanden, denn anderswo werden die Dinge anders gehandhabt. Sie erkannten aber auch, wie sehr sie auf ihre erlernten Fähigkeiten bauen konnten. Der Tradition der Handwerksburschen folgend hat Manfred Wittenstein in seinem Unternehmen das Programm „Pioniere auf der Walz“ aufgelegt: Nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium gehen die jungen Leute für einige Monate in ein Land ihrer Wahl und machen, ganz auf sich gestellt, die ersten Erfahrungen in ihrem neuen Beruf. Danach sind sie wie die Handwerksburschen der vorindustriellen Zeit stark und zugleich demütig genug, um unbekannten Herausforderungen mit Respekt und Kreativität begegnen zu können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Manfred Wittenstein sein Programm vorstellte, war von der Idee begeistert. Doch für Manfred Wittenstein ist es längst nicht damit getan, junge Menschen in die Welt hinaus zu schicken. Wichtig ist es ihm auch, ambitionierte junge Menschen an die Region zu binden.

Pioniere in der Heimat
Zusammen mit seiner Frau Edith und der jüngsten Tochter Viktoria lebt Manfred Wittenstein in Bad Mergentheim, die drei „Großen“, Leonhard, Anna-Katharina und Daniel, sind schon aus dem Haus; Tochter Anna-Katharina hat längst im väterlichen Unternehmen Verantwortung übernommen. Im Taubertal fühlt sich Manfred Wittenstein zuhause, er kennt die Menschen und weiß, dass er sich auf sie verlassen kann. Seit vielen Jahren engagiert er sich für die Region, seit 1999 ist er Vizepräsident der IHK Heilbronn-Franken. Der internationale Opernwettbewerb DEBUT, ausgetragen in Weikersheim und Bad Mergentheim, geht auf seine Initiative zurück.

Mit einem firmeneigenen Ausbildungszentrum, der WITTENSTEIN talent arena, sorgt Manfred Wittenstein dafür, dass ambitionierte Schulabsolventen aus der Region vor Ort eine exzellente Ausbildung erhalten und auch neue Berufe mit Zukunftsperspektive ergreifen können – wie etwa Mechatroniker, Produktionstechnologe oder Vertriebsingenieur. Sein Engagement für den Nachwuchs geht jedoch weit über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus: Die WITTENSTEIN-Stiftung unterstützt seit 1996 jährlich einen oder zwei Abiturienten des Deutschenorden-Gymnasiums bei ihrem Ingenieurstudium.

Eingesetzt hat sich Manfred Wittenstein auch für den Ausbau der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Der Campus Bad Mergentheim, eine Außenstelle der Dualen Hochschule Mosbach, geht auf seine Initiative zurück. Dafür wurde er 2007 zum Ehrensenator der Dualen Hochschule Mosbach ernannt. Und auch das war seine Idee: Seit zehn Jahren werden Schüler der Region alljährlich aufgefordert, ihre Fähigkeiten als Erfinder in Zusammenarbeit mit Unternehmen zu entwickeln, die Besten werden im Rahmen des Wettbewerbs „Kreative Köpfe“ ausgezeichnet. Die konsequente Förderung des Nachwuchses trägt Früchte, der Main-Tauber-Kreis hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten erheblich an Wirtschaftskraft gewonnen. Mit ein Verdienst Manfred Wittensteins. Dabei war, wie überall, der Anfang nicht leicht.

Aufgewachsen in einer Unternehmerfamilie
Geboren wurde Manfred Wittenstein während des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Das Unternehmen seines Vaters Walter produzierte nach Kriegsende Handschuhnähmaschinen in Bad Mergentheim, später im benachbarten Igersheim, und auch Mutter Aenne war in die Verwaltung der Firma involviert. Manfred Wittenstein und seine beiden Geschwister wuchsen in einer typischen Unternehmerfamilie auf, in der die Verantwortung für das Wohlergehen der Mitarbeiter stets präsent war. Das elterliche Unternehmen übernahm Manfred Wittenstein 1979 in schwierigen Zeiten – Damenhandschuhe waren aus der Mode gekommen. Auf seine Mitarbeiter wirkte das Engagement Manfred Wittensteins von Anfang an geradezu elektrisierend, sie ließen sich anstecken und inspirieren von seinem festen Glauben an die Zukunft – und dabei ist es bis heute geblieben.

Der Wandel zu einem zukunftsfähigen Unternehmen begann mit der Entwicklung der spielarmen Planetengetriebe: als Weltneuheit wurden sie 1983 auf der Hannover Messe vorgestellt. Zentrale Weichen auf dem internationalen Parkett wurden Anfang der 90er Jahre gestellt, als die damalige alpha getriebebau GmbH auf einer Messe in Chicago ihre Produkte präsentierte und sich von diesem Moment an erfolgreich auf dem internationalen Markt platzieren konnte. Entstanden ist aus diesen Anfängen die global tätige WITTENSTEIN AG, die sich mit der exzellenten Qualität ihrer Produkte einen nachhaltig tragfähigen Ruf aufgebaut hat. Heute entwickeln, produzieren und vertreiben über 1.500 Mitarbeitern an weltweit 60 Standorten mechanische und mechatronische Antriebslösungen. Im Geschäftsjahr 2011/12 wurde ein Rekordumsatz von 233 Millionen Euro erreicht. Unglaublich vielfältig und hochspannend sind die Einsatzgebiete der Produkte aus den acht Unternehmensbereichen der WITTENSTEIN AG: zum Beispiel Roboter, Werkzeugmaschinen, die Verpackungs-, Förder- und Verfahrenstechnik, die Formel 1, Papier- und Druckmaschinen oder die (Theater-)Bühnen- und Hubtechnikbranche. Hinzu kommen ausbaufähige Nischenmärkte wie die Luft- und Raumfahrt, die medizinische Antriebstechnik im und am Menschen, die Offshore-Erdgas- und Erdölförderung unter der Eisdecke des Nordmeeres oder die Nanotechnologie.

Produkte von WITTENSTEIN sind längst weltweit begehrt – Globalisierung bot und bietet dem Unternehmer Wittenstein seit jeher eine Fülle von Wachstumschancen. Seine guten Erfahrungen mit den globalisierten Märkten hat Manfred Wittenstein in dem Buch „Geschäftsmodell Deutschland. Warum die Globalisierung gut für uns ist“, 2010 im Murmann Verlag erschienen, zu Papier gebracht.

Ein ausgezeichneter Pionier
2010 erhielt Manfred Wittenstein das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für „unternehmerischen Erfolg und Verantwortung für das Gemeinwesen“. 2008 verlieh ihm die Technische Universität München „in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen und Ideen zu Forschung und Entwicklung innovativer Antriebssysteme und bei der zukunftsweisenden Unternehmensführung“ die Ehrendoktorwürde – eine Auszeichnung, die von der TU München nur sehr selten vergeben wird. Im vergangenen Jahr wurde Manfred Wittenstein in der Kategorie Industrie als „Entrepreneur des Jahres 2011“ ausgezeichnet und vertrat Deutschland im Juni dieses Jahres bei der Wahl zum Weltunternehmer des Jahres in Monte Carlo. Von 2007 bis 2010 stand Manfred Wittenstein dem VDMA als Präsident vor. In die Zeit seiner Präsidentschaft fiel die bislang größte Krise, die die bundesdeutsche Wirtschaft zu verkraften hatte. Aber auch in dieser Zeit ging der unternehmerische Blick von Manfred Wittenstein weit über die Krise hinaus.

Die Innovationsfabrik
Denn bereits während der Wirtschaftskrise begann Manfred Wittenstein mit der Planung der zukünftigen WITTENSTEIN-Innovationsfabrik. In unmittelbarer Nähe zum Hauptsitz in Igersheim-Harthausen entsteht jetzt auf rund 18.000 Quadratmetern Grundrissfläche und mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro eine Fabrik der Zukunft. Im Innern des Gebäudes aus Naturstein und Glas werden Entwicklungs-, Vertriebs- und Produktionsbereiche der verschiedenen mechatronischen Unternehmenseinheiten räumlich eng miteinander verzahnt. Die Innovationsfabrik wird nicht nur eine Produktion der kurzen Wege realisieren, sondern Einheiten da entstehen lassen, wo bisher einzelne Gruppen ihre jeweiligen Aufgaben wahrnahmen. Die Entwicklungszeiten, da ist sich Manfred Wittenstein sicher, sollten sich durch diese produktive räumliche Verschmelzung von Entwicklung und Produktion in naher Zukunft halbieren lassen.

Ein Pionier der 4. industriellen Revolution
Die optimierte Nutzung neuer Produktionsstätten – dazu gehört auch eine hochspannende Vision, die Manfred Wittenstein seit geraumer Zeit fasziniert und antreibt: die mitdenkende Produktion der Zukunft oder plakativer formuliert: „das Internet der Dinge“. Manfred Wittenstein  weiß: Produktionsprozesse werden sich auf eine nicht gekannte Weise verändern, die virtuelle und die reale Welt werden miteinander in Verbindung treten. Produktionstechnologie und Internettechnologie werden miteinander verschmelzen, was bedeutet: Maschinen, Produktionsmittel und halbfertige Produkte stehen via Internet in ständiger Verbindung, so dass man beispielsweise die Spezifikation eines Produktes noch in letzter Minute ändern kann. Abläufe können dadurch koordiniert und optimiert werden.

In Fellbach bei Stuttgart will Manfred Wittenstein schon bald erste Konzepte von Industrie 4.0 exemplarisch – in der gerade erst eröffneten neuen Produktionsstätte – umsetzen. Als regelrechte „Schaufensterfabrik“ hat er das neue Werk postuliert; geplant ist zudem, dort in Zusammenarbeit mit einer Hochschule einen Campus einzurichten, damit Wissenschaft und Produktion der Zukunft eng verzahnt und in der Praxis vernetzt arbeiten. Eine weitere Besonderheit: Die harmonische Einbindung in das direkt benachbarte Wohnumfeld ermöglicht eine hohe Lebens- und Arbeitsqualität bei gleichzeitiger Produktion im städtischen Umfeld. Das neue Werk wird also seinem Namen gerecht – „Urbane Produktion der Zukunft“.

Ein Leben lang auf der Walz
Einen Blick zurück wird sich Manfred Wittenstein zu seinem 70. Geburtstag sicher gönnen, aber je kürzer der ausfällt, desto lieber wird es ihm sein. Gleich anschließend wird er sich wieder all dem widmen, was ihn als Unternehmer auszeichnet: Er wird mit Menschen sprechen, wird ihnen zuhören, ihnen Fragen stellen, er wird sie fordern und herausfordern. Denn immer wieder ist er auf der Suche nach Mitstreitern, nach Menschen, die seine Neugier auf neue Erfahrungen teilen. Denn die Zukunft, die passiert nicht einfach so. Sie kann gestaltet werden. Von denen, die Visionen haben. „Deutschland hat dem unternehmerischen und gesellschaftlichen Wirken Manfred Wittensteins viel zu verdanken“, schreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Vorwort des Buches „Hochleistungsnetzwerk Deutschland“.