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Interview mit Falk Senger zur Automatica 2018

Wo der Mensch in Zukunft mehr Verantwortung trägt

| Redakteur: Andrea Gillhuber

Welche Rolle spielt der Mensch in der Smart Factory? Die Automatica 2018 gibt nicht nur auf diese Frage eine Antwort. Hier zur Einstimmung noch einmal Impressionen von der Automatica 2016.
Welche Rolle spielt der Mensch in der Smart Factory? Die Automatica 2018 gibt nicht nur auf diese Frage eine Antwort. Hier zur Einstimmung noch einmal Impressionen von der Automatica 2016. (Bild: Messe München)

Die Industrie ist im Wandel und mit ihr die Aufgabenverteilung von Mensch und Maschine. Wie das gehen kann, zeigt die Automatica 2018. Über die Bedeutung der Messe sowie deren Highlights sprach der MM Maschinenmarkt mit Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München.

Industrie 4.0 und digitale Vernetzung verändern die Industrie grundlegend. In der Montage finden sich immer mehr Cobots, digitale Assistenzsysteme sowie Transportdrohnen und in der Produktion sind Software und Edge-Computing schon längst keine Fremdworte mehr. Die Automatica als internationale Leitmesse für die automatisierte Produktion zeigt Industrie- und Servicerobotik, Montageanlagen, industrielle Bildverarbeitungssysteme und Komponenten in einer Vielfalt, die selten an einem Ort zu sehen ist.

Was den Fachbesucher in München erwartet, erklärt Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München, im Interview mit MM Maschinenmarkt.

2018 ist wieder ein Automatica-Jahr. Wie schätzen Sie die Stimmung der Branche ein?

Falk Senger ist Geschäftsführer der Messe München GmbH und verantwortet dort die interntionalen Leitmessen im Technologiebereich. Dazu zählen neben der Automatica auch die Electronica, die Productronica sowie deren jeweilige Auslandsmessen.
Falk Senger ist Geschäftsführer der Messe München GmbH und verantwortet dort die interntionalen Leitmessen im Technologiebereich. Dazu zählen neben der Automatica auch die Electronica, die Productronica sowie deren jeweilige Auslandsmessen. (Bild: Messe München)

Falk Senger: Der Robotik und Automatisierung kommt im Zuge des globalen Wettbewerbs eine immer wichtigere Rolle zu. Für uns als Messeveranstalter ist die wachsende Ausstellerbeteiligung ein klarer Beweis dafür. Rasant wachsende Rechnerleistungen und das Internet der Dinge beschleunigen die Digitalisierung in der Produktion. Diese Veränderungen werden den Anbietern von Robotik, Automatisierung und industrieller Bildverarbeitung weiterhin Rückenwind bescheren.

Mit IT2Industry bietet die Automatica einen integrierten Themenbereich. Welche Intention steckt dahinter und auf was können sich die Besucher einstellen?

Falk Senger: Die Digitalisierung ist ein Hauptfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und zukünftigen Erfolg. Mit einem eigenen Themenbereich IT2Industry spannt die Automatica den Bogen von Robotik und Automatisierung über Informationstechnologie bis hin zu Cloud Computing und Big Data. Die Idee ist, produzierenden Unternehmen einen Überblick über aktuelle Digitalisierungstrends, erfolgversprechende Strategien und wichtige IoT-Technologien zu verschaffen.

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Wie weit ist die Produktion auf dem Weg zur smarten Fabrik?

Falk Senger: Das Bundeswirtschaftsministerium stuft das verarbeitende Gewerbe als nur „mittelmäßig digitalisiert“ ein. Nichtsdestotrotz gibt es bereits erfolgreiche Praxisbeispiele für smarte Produktionskonzepte. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sind dabei auf Unterstützung und Aufklärung angewiesen. Der Nachholbedarf bleibt weiterhin sehr groß.

Wie weit ist speziell Deutschland auf dem Weg zur vollumfänglichen Vernetzung, sprich: zum Internet der Dinge?

Falk Senger: Die Digitalisierung ist als Topthema in Deutschland erkannt und steht bei Akteuren aus Industrie, Wissenschaft, Politik und bei den Sozialpartnern ganz weit oben auf der Agenda. Klar ist aber auch, dass das Internet der Dinge nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt ist. Vielmehr ist mit der Digitalisierung eine schrittweise Entwicklung verbunden, die in den unterschiedlichen Anwendungsbereichen unterschiedliche Dynamiken hat. Insgesamt ist Deutschland gut aufgestellt und Unternehmen aus Automatisierung, Robotik und dem Maschinen- und Anlagenbau sind als Anbieter und Anwender von Industrie-4.0-Technologien im internationalen Spitzenfeld positioniert.

Früher strikt getrennt, heute immer mehr miteinander verwoben: Welche Rolle spielt mittlerweile die IT in der Produktion?

Falk Senger: Die durchgängige Digitalisierung der gesamten Fertigungskette von Konstruktion über die Produktion bis zum fertigen Produkt macht die Serienfertigung immer flexibler und spart Kosten. Deswegen ist die IT als Bindeglied der Schlüsselfaktor für die intelligente Produktion von morgen.

Auf der Automatica 2018 werden drei große Trend­themen aufgegriffen: digitale Transformation in der Fertigung, Mensch-Roboter-Kollaboration und Arbeit 4.0. Wieso haben Sie sich gerade für diese drei Themen entschieden?

Falk Senger: Die Automatica ist der führende Marktplatz für die automatisierte Produktion. Mit der Industrie- und Servicerobotik, Montage- und Handhabungstechnik, den Bildverarbeitungssystemen und Komponenten haben wir ein einzigartiges Angebot. Doch für zukunftsfähige Produktionskonzepte sind die technologieübergreifenden Trendthemen „Digitalisierung“ und „Kollaboration“ bahnbrechend. Die Anforderungen in der Arbeitswelt verändern sich. Technologischer Fortschritt und gesellschaftliche Veränderungen gehen also Hand in Hand. Damit leistet die Automatica einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Arbeit 4.0 – da, wo der Mensch in Zukunft mehr Verantwortung denn je tragen wird.

Arbeit 4.0 ist unmittelbar mit der digitalen Transformation verbunden. Welche Aspekte der Arbeit der Zukunft werden auf der Messe diskutiert?

Falk Senger: Die Automatica wird die Arbeitswelt 4.0 erlebbar machen. Unter dem Motto „Der Mensch in der Smart Factory“ präsentiert sich der Fachverband VDMA Robotik + Automation mit einer neuen Sonderschau. Dort erfährt der Besucher, wie sich die Produktivität durch das optimale Zusammenspiel von Mensch und Maschine steigern lässt und Arbeitsplätze und -bedingungen verbessert werden können. Die Arbeit 4.0 ist außerdem das Thema von Vorträgen und Diskussionen mit Branchenexperten.

Stichpunkt Mensch-Roboter-Kollaboration: Welche Schwerpunkte setzt die Automatica hier?

Falk Senger: Von der Sensorik über die Greiftechnik und Mechanik bis hin zur Programmierung und Arbeitsteilung – die Mensch-Roboter-Kollaboration ist ein wichtiges Thema für alle Automatica-Aussteller und wird unter verschiedenen technologischen Aspekten beleuchtet. Der Schwerpunkt wird hier auf konkreten Anwendungen liegen. Insbesondere bei Kleinserien bringt die stark vereinfachte Programmierung der Roboter viele neue Anwendungsmöglichkeiten.

Professionelle Servicerobotik ist auf dem Vormarsch. Im Rahmen eines Demoparks können Besucher mit Servicerobotern interagieren. Was erwartet die Besucher?

Falk Senger: Das ist richtig: In der Halle B4 können Automatica-Besucher Serviceroboter sehen und berühren. Taktile Oberflächen, smarte Kameras, empfindliche Antriebe, verbesserte Spracherkennung, Big Data und künstliche Intelligenz machen den Roboter mehr und mehr zum Assistenten. Im Servicerobotik Demopark geben wir den Besuchern die Möglichkeit, diese Entwicklungen hautnah zu erleben.

Haben Sie ein bestimmtes Highlight, auf das Sie sich ganz besonders auf der Automatica freuen?

Falk Senger: Für mich ist die gesamte Veranstaltung ein Highlight, denn die Automatica macht die Zukunft erlebbar! So werden zum Beispiel unsere Industrie-4.0-Demonstratoren die enormen technologischen Fortschritte in der Branche zeigen. In den Messehallen entstehen Ideen und Inspirationen, die unsere Besucher mitnehmen und die Welt der Automatisierung in eine erfolgreiche Zukunft führen. Und nicht zuletzt schätze ich die Bedeutung der Messe als Kommunikationsplattform sehr. Das gesamte Automatica Team und ich freuen uns ganz besonders auf die zahlreichen Gespräche und Diskussionen.

Der Servicerobotik gehört die Zukunft

Automatica 2018

Der Servicerobotik gehört die Zukunft

23.03.18 - Langsam, aber sicher finden Serviceroboter im Alltag ihren Platz – nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Medizin, der Logistik und im Supermarkt. Marktzahlen bestätigen den Vormarsch der smarten Helfer. lesen

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