Historische Business-Autos

Wölfe im Schafspelz – das fuhren Chefs in den 60ern/70ern/80ern

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BMW M5: Porsche- und Ferrari-Jäger

Die Antriebs-Welt der reißenden Wölfe in automobiler Unschuldstracht war so unterschiedlich wie ihre Abstammung. Da war zunächst einmal ein Bayern-Bomber, der zum Entsetzen von Porsche-911- und Ferrari-400i-Piloten noch in jenen Sphären an Speed nachlegte, wo sich die Supercar-Piloten bis dahin unter sich wähnten. 250 km/h waren für den BMW M5 mit 210 kW/286 PS starkem Vierventil-Sechszylinder-Motor (aus dem legendären M1) laut zeitgenössischer Testberichte kein Problem. Immerhin brachte der 4,62 Meter lange Businessjet nur 1.430 Kilogramm auf die Waage – so viel wiegt heute ein BMW 3er. Von vorn wirkte der M5 (Baureihe E28S) fast so unauffällig wie der Diesel 524 td mit bescheidenen 85 kW/115 PS, zumal beide BMW einen Ölkühler benötigten. Mit Preisen jenseits von 86.000 Mark kostete dieser in Handarbeit bei der BMW M GmbH aufgerüstete 5er mehr als drei BMW 518i. Dennoch waren die bis Ende 1987 ausgelieferten 2.145 Einheiten von finanzstarken Fans so heiß begehrt, dass BMW schon im Jahr 1988 die zweite M5-Generation (Baureihe E34S) auflegte.

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Schnellster Allradler mit vier Türen

Wer M-Power in gezähmter Form wollte, für den gab es noch den 35.000 Mark billigeren BMW M535i, dessen 160 kW/218 PS gut für Tempo 230 waren. Mit Katalysator schaffte der saubere, aber um 33 PS geschwächte Sechszylinder nur noch 205 km/h. 230 km/h schnell war auch ein anderer Bayer, der Audi 200 Turbo. Dafür reichten dem bei Marktstart amtierenden cw-Weltmeister 134 kW/182 PS aus einem Fünfzylinder-Kraftwerk. Das äußerlich kaum von einem 55 kW/75 PS leistenden Audi 100 zu differenzierende Ingolstädter Flaggschiff setzte aber noch einen Rekord: Als 200 Quattro Turbo war er schnellster Allradler mit vier Türen. Der dritte Deutsche im Bunde kam aus Stuttgart und war ebenfalls 230 km/h schnell. Auch der Mercedes-Benz 300 E mit 140 kW/190 PS verdankte sein Tempo der aerodynamisch geglätteten Formensprache der Baureihe W124, war sein ähnlich starker Vorgänger doch noch 30 km/h langsamer. Zu einem der fulminantesten Business-Boliden wurde der W124 erst später durch Upsizing und V8-Kraft unter der Haube, aber das ist eine andere Geschichte.

Farrari-V8 im Lancia Thema

Bollernde Ferrari-V8 trugen dagegen die optisch schlichten Lancia Thema 8.32 ab 1986 unter der Haube. Die Kunde von den transplantierten 308-GTB-Achtzylindern kursierte bereits auf der IAA. Dennoch überraschten die nur 3.973 gebauten Italiener ein Jahr später mit einem Interieur, das zu den edelsten seiner Art zählte. Handvernähtes Leder von Poltrona Frau, afrikanisches Rosenholz und darin eingebettet acht stilvolle Rundinstrumente, das machte Preise auf BMW M5-Niveau verständlich. Dessen Fahrleistungen verfehlte der 158 kW/215 PS Ferrari-Lancia auch nur knapp.

Fast schon profan im Vergleich zu diesem Hochkaräter wirkten drei Vierzylinder-Turbo-Tiere aus Frankreich und Schweden. Turbo-Pionier Saab hatte seinen neuen 9000 als bis dahin schnellsten Schweden aller Zeiten vorgestellt und eine 80.000-Kilometer-Langstrecken-Weltrekordfahrt in den USA für 1986 angekündigt. Dafür genügte dem 129 kW/175 PS starken Saab eine Vmax von knapp über 220 km/h. Nur 205 km/h schnell war das Topmodell Volvo 760 Turbo – und damit dennoch rasantester Ziegelstein des Göteborger Automobilherstellers.

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