Energiemarkt im November Zum Jahresende ziehen die Preise an

Redakteur: Robert Horn

Das Preisniveau für Strom und Gas lag im November auf einem insgesamt höheren Niveau als im Oktober. Die Unternehmen mussten damit nochmals höhere Lieferpreise in Kauf nehmen. Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender des Energieberatungsunternehmens Ispex, wirft einen Blick auf die Hintergründe und geht der Frage nach, welche Rolle die Entscheidung der OPEC zur Drosselung des Rohöl-Fördervolumens spielen kann.

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Die Preise für Strom und Gas sind im Vergleich zum Oktober weiter einmal gestiegen.
Die Preise für Strom und Gas sind im Vergleich zum Oktober weiter einmal gestiegen.
(Bild: E.on/Jon Norddahl)

Wenngleich die Börsenpreise für Strom im November wieder etwas nachgaben, führte das höhere Preisniveau gegenüber dem Oktober zu nochmals gestiegenen Einkaufskonditionen für Unternehmen. Diesen wurden im Oktober von den Stromlieferanten durchschnittlich ein Preis von 3,45 ct/kWh geboten, im November stieg dieser Wert auf 3,70 ct/kWh.

Das Jahreshoch im Oktober wurde damit noch einmal überboten und liegt nun im Bereich der Preise des Frühjahrs 2015. Wie in der letzten Ausgabe unseres Marktkommentars kann auch dieses Mal nur betont werden, dass der Abschluss von Stromlieferverträgen zu festen Zeitpunkten unter dem Jahr oder gar das Zuwarten bis Ende eines Jahres zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen gegenüber den Wettbewerbern führen kann. Bei erhöhtem Strombedarf kann man angesichts der neuen Volatilität des Strommarkts dieses Vorgehen mittlerweile gar als grob fahrlässige Einkaufstrategie ansehen. Dies gilt umso mehr, als mittlerweile auf dem freien Markt Online-Tools zur gezielten Marktbeobachtung samt Strombeschaffung über flexible Verträge mit Teilmengen in Zeiten günstiger Preise einfach und unabhängig von der Bindung an einen bestimmten Stromlieferanten ohne weiteres verfügbar sind.

Börsenpreise gaben im November wieder nach

Die Strompreise an den Börsen lagen im November insgesamt (noch) auf einem höheren Niveau als im Oktober. Nach der im September begonnenen Kursrallye, fielen diese im Laufe des Monats jedoch wieder deutlich. Nach wie vor liegt der Preis für das Frontjahr 2017 aber deutlich über den Jahren 2018 und 2019.

Seit Mitte des Monats sind nunmehr stabile Börsennotierungen zu beobachten. In den ersten Tagen des Dezembers fielen diese sogar nochmals etwas. Einfluss auf den Kursverlauf hatte einmal mehr die Wartungssituation der französischen Kernkraftwerke. Nachdem sich die Situation wieder etwas entspannt hatte, gaben die Stromnotierungen prompt wieder nach.

Allerdings bleiben entsprechend der Meldungen der EDF (Électricité de France), weiterhin Kernkraftwerke länger als ursprünglich geplant im Wartungsmodus und werden keinen Strom in das Netz einspeisen können. Dies kann als ein Faktor dafür angesehen werden, dass das Absacken des Strompreises auf höherem Niveau als im September gestoppt wurde.

Unklar bleibt nach wie vor die Wechselwirkung der Strom- und Kohlepreise. Während einige Experten die Entwicklung der Kohlepreise als Ursache für die Strompreise sehen, wollen andere darin eine Auswirkung der Strompreisentwicklung erkennen. Unbestritten bleibt die parallele Entwicklung der beiden Preiskurven. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass der bereits seit Mai bestehende Aufwärtstrend bei der Kohle durch die Wartungssituation der französischen Kernkraftwerke ab September nochmals beschleunigt, nun aber die Wechselwirkung wieder umgekehrt wurde. Der Kohlepreis dürfte nun wieder der beste Indikator für die Entwicklung der Strompreise und deren jüngste Stabilisierung sein. Die Bekanntmachung der Kürzung der Fördertage für inländische Kohle durch die chinesische Regierung gab dem internationalen Kohlepreis Auftrieb. Allerdings sind die Lager gut gefüllt und ein dauerhafter Anstieg dürfte deshalb kaum zu erwarten sein.

Keine Auswirkungen auf die Kohle- und Strompreise hatte die Ende November beschlossene Förderkürzung der OPEC-Staaten und Russlands für Rohöl. Zwar stieg der Preis für dieses an, Kohle und Strom quittierten dies allerdings eher durch einen Preisabschlag in den ersten Dezembertagen. Solange die Kohlepreise keine Reaktion auf deutlich gestiegene Ölpreise zeigen, dürfte auch der Strompreis davon unbeeindruckt bleiben.

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