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Fachkräftemangel

Zuwanderung als Chance für den Maschinenbau

| Autor: Robert Horn

Fachkräfte fehlen, Flüchtlinge kommen. Ein Segen für die Industrie? Oder verhindern bürokratische Hürden und falsche Erwartungen eine gelungene Integration von arbeitswilligen Asylbewerbern? Erfolgreiche Praxisbeispiele gibt es.

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Acht Flüchtlinge absolvierten bisher das FLG-Pilotprojekt. Ziel war es auch, die Machbarkeit zu belegen und andere Unternehmen zu motivieren.
Acht Flüchtlinge absolvierten bisher das FLG-Pilotprojekt. Ziel war es auch, die Machbarkeit zu belegen und andere Unternehmen zu motivieren.
(Bild: Rittal)

Die Meinungen sind gespalten: „Flüchtlinge sind eine große Chance für die digitale Wirtschaft“, sagt Prof. Dr. Tobias Kollmann, Vorsitzender des Beirats Junge Digitale Wirtschaft des BMWi. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dagegen sieht im Flüchtlingszustrom keine Lösung für den Fachkräftemangel, die meisten Flüchtlinge seien schlicht nicht qualifiziert genug. Dr. Reinhold Festge, Präsident des VDMA, schimpfte jüngst über den irrsinnigen bürokratischen Aufwand, um junge Ausländer in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

FLG schickt Flüchtlinge in die Ausbildung

Und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln rechnete vor, dass Zuwanderer bei Fachkräfteengpässen allerhöchstens für leichte Entspannung sorgen würden: Gerade mal etwas mehr als 3500 Personen aus den vier derzeitigen Hauptflüchtlingsländern Afghanistan, Syrien, Eritrea und Irak arbeiteten 2014 in Mint-Berufen. Und das bei rund 6,5 Mio. Beschäftigten in diesem Bereich. Dennoch stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Mint-Berufen deutlich stärker als die Zahl der deutschen Mint-Arbeitnehmer. Ohne Zuwanderung wäre der Fachkräftemangel also deutlich höher – 200.000 Stellen, so kalkuliert das IW Köln, würden der deutschen Wirtschaft ohne Zuwanderung fehlen.

Immer mehr Unternehmen und Verbände sehen die Zuwandererwelle, mit der Deutschland gerade umzugehen lernt, als Chance, um dringend benötigte Löcher zu stopfen – und den meist jungen Ankömmlingen eine Perspektive zu geben. Die Friedhelm-Loh-Gruppe (FLG) etwa hat gemeinsam mit dem Lahn-Dill-Kreis bereits im Sommer ein Pilotprojekt dazu initiiert (wir berichteten in Ausgabe 35/15). Dazu Friedhelm Loh, Inhaber der FLG: „Als Familienunternehmen und größter Arbeitgeber der Region Mittelhessen tragen wir eine Verantwortung für unser Umfeld. Derzeit suchen hier viele Menschen eine neue, friedliche Heimat. Wir sind dankbar, dass wir ein gutes Leben in einem Land ohne Krieg und Hunger haben. Das möchten wir auch den Flüchtlingen ermöglichen.Wir müssen sie deshalb schnell und bestmöglich aufnehmen und in die Gesellschaft integrieren.“

Bei der Sprache fehlt es an ausreichender Förderung

Das Projekt selbst wurde in vier Schritte unterteilt, in denen ausgesuchte Flüchtlinge ein Einstufungs- und Vorbereitungspraktikum durchliefen, um damit die Voraussetzungen für eine Ausbildung zu erfüllen. Von ursprünglich 20 Teilnehmern schafften das am Ende acht, zwei davon traten ihre Ausbildung bei Rittal an. Die größte Hürde sieht Friedemann Hensgen, Vorstandsvorsitzender der Rittal Foundation, bei den Sprachkenntnissen und fehlenden Qualitätsprofilen. Gerade bei der Sprache fehle es an ausreichender Förderung. Hier erhofft sich die FLG Unterstützung von Bund und Ländern.

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