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Fachkräftemangel

Zuwanderung als Chance für den Maschinenbau

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Daneben, so Hensgen, müsse die Politik auch auf die berechtigte Forderung von Wirtschaftsverbänden nach einer sogenannten „3-zu-2-Lösung“ reagieren. „Das heißt, ausbildungswillige Unternehmen müssen sicher sein, dass eine Ausbildung nicht durch eine Abschiebung oder Ähnliches unterbrochen wird und der Ausgebildete dem Unternehmen weitere zwei Jahre nach Abschluss der Ausbildung zur Verfügung steht. An der Anerkennung von Dokumenten wird seit Längerem gearbeitet. Die Frage, ob eine Verkürzung der Sperrzeit bei der Vorrangprüfung Sinn macht, sollte ebenfalls einer Prüfung unterzogen werden“, ergänzt Hensgen.

Die zwei von Rittal übernommenen Flüchtlinge schlagen sich im übrigen wacker, weiß Matthias Hecker, Ausbildungsleiter bei Rittal, zu berichten: „Ich habe den Eindruck, dass die Flüchtlinge sehr froh sind, dass sie diese Chance hier bekommen haben. Sie sind sehr diszipliniert, fleißig und ehrgeizig bei der Arbeit. Nur bei der technischen Kommunikation tun sie sich mit ihren Deutschkenntnissen noch etwas schwer.“

Projekte, die zum Nachahmen animieren

Trotz des Erfolges: Sind zwei Flüchtlinge von Hunderttausenden nicht eine verschwindend geringe Zahl? Darauf hat Hensgen eine Antwort: „Wenn das Pilotprojekt mit der Erreichung der Ausbildungsreife seinen Abschluss gefunden hätte, wäre das tatsächlich der berühmte Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Alle Beteiligten sind deshalb von vornherein mit anderen Zielsetzungen gestartet: Wir wollten unter Beweis stellen, dass Flüchtlinge in einer überschaubaren Zeit und mit vernünftigem Aufwand fit für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz gemacht werden können, wenn alle Beteiligten das Projekt zielorientiert angehen.“

Ein weiteres Ziel: andere Unternehmen zum Nachahmen animieren. „Es haben sich bereits einige Unternehmen gemeldet und nach unseren Erfahrungen und Tipps gefragt. Wir können die Integration von Flüchtlingen nur gemeinsam bewältigen. Mit solchen Projekten können wir positive und Mut machende Zeichen setzen“, bekräftigt Friedhelm Loh.

FLG ist nicht das einzige Unternehmen, das die Initiative ergreift. Der Spezialchemiekonzern Lanxess stellte jüngst 400.000 Euro für Flüchtlingshilfe zur Verfügung, für Sprachkurse, Unterrichtsmaterialien oder Betreuungsmöglichkeiten. Außerdem prüfe man, speziell zugeschnittene Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze anzubieten. Der Konzern Bayer bringt derzeit Flüchtlinge in viermonatigen Aufbaukursen unter. Danach können sich die Teilnehmer beim regulären Starthilfeprogramm von Bayer bewerben, das fast seit 30 Jahren benachteiligte Jugendliche auf eine naturwissenschaftlich-technische Ausbildung vorbereitet.

Modellprojekt „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“

Und auch an Hoch- und Berufsschulen tut sich einiges: An 21 bayerischen Berufsschulen startete zum Schuljahr 2015/16 das Modellprojekt „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“, die Uni Saarland bringt gemeinsam mit Unternehmen der Region Flüchtlinge ins Ingenieurstudium (siehe Kasten auf Seite 26) und die TU Berlin erlaubt Flüchtlingen mit ungeklärtem Bleiberecht, reguläre Lehrveranstaltungen zu besuchen. Größte Hürde, so der Tenor, ist vor allem die fehlende Sprachkenntnis, gepaart mit bürokratischen Hürden. Umstritten bleibt vorerst auch die Frage, wie viele der Neuankömmlinge ausreichende Qualifikationen mitbringen. MM

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