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Elektrotechnik

ZVEI erwartet für die Elektroindustrie 2018 ein Produktionsplus von 3 % – trotz Fachkräftemangels

Der Verband der Elektroindustrie, der ZVEI, wird in diesem Jahr am 5. März 100 Jahre alt und er hat einen weiteren Grund zu feiern, denn die Branche zeigt sich laut Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung, so stark wie nie:

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Dr. Klaus Mittelbach vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sagte anlässlich einer Pressekonferenz, dass das Wachstum im vergangenen Jahr das höchste war seit der Erholung von der Finanzkrise in den Jahren 2010 und 2011.
Dr. Klaus Mittelbach vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sagte anlässlich einer Pressekonferenz, dass das Wachstum im vergangenen Jahr das höchste war seit der Erholung von der Finanzkrise in den Jahren 2010 und 2011.
(Bild: Reinhold Schäfer)

„Der Umsatz ist auf dem Höchststand, die Exporte sind ebenfalls so hoch wie nie zuvor, 2017 hatten wir das größte Wachstum seit der Erholung von der Finanzkrise und besonders erfreulich ist ein erneuter deutlicher Beschäftigungsaufbau von 21.500 Mitarbeitern.“

Für 2018 ist der Verband optimistisch. Erwartet wird, dass die preisbereinigte Produktion der Branche um 3 % wachsen wird. „Gleichzeitig gehen wir von einem Anstieg der Erlöse auf 196 Mrd. Euro aus“, so Dr. Mittelbach.

Die preisbereinigte Produktion der Elektroindustrie wuchs von Januar bis November 2017 um 4,6 % gegenüber Vorjahr. Der Umsatz – der auch Dienstleistungen und Software umfasst – nahm im gleichen Zeitraum um noch kräftigere 7,3 % auf 174 Mrd. Euro zu. Im gesamten vergangenen Jahr sollte er sich auf gut 190 Mrd. Euro belaufen haben. Dies sind rund acht Mrd. Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007.

Exporte: Viertes Rekordjahr in Folge

Besonders stark zeigte sich erneut der Export: Von Januar bis November 2017 nahmen die gesamten Branchenausfuhren, einschließlich Re-Exporten, um 10,1 % gegenüber Vorjahr auf 183,3 Mrd. Euro zu. Im gesamten vergangenen Jahr kamen sie schätzungsweise nahe an die 200-Mrd.-Euro-Marke heran und verzeichneten damit den nunmehr vierten Rekord in Folge. Die meisten Exporte gingen 2017 nach China, gefolgt von den USA und Frankreich. Die Branchenausfuhren nach China stiegen zwischen Januar und November des vergangenen Jahres um 18,1 % gegenüber Vorjahr auf 17,4 Mrd. Euro. Die Exporte in die USA erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 6,9 % auf 15,8 Mrd. Euro – obgleich der Euro gegenüber dem Dollar im letzten Jahr um 15 % aufgewertet hat. Frankreich fragte mit 11,5 Mrd. Euro insgesamt 8,1 % mehr elektrotechnische und elektronische Produkte und Systeme aus Deutschland nach.

Ob Industrie 4.0, Energie, Mobilität, Gesundheit oder Gebäude, die Elektroindustrie habe überall eine Schlüsselrolle. „Wir gestalten Zukunft, in Deutschland, Europa, in der Welt“, ist Mittelbach vom ZVEI überzeugt.

Fachkräftemangel ist ein Produktionshemmnis

Dabei beschäftigt die gesamte Elektroindustrie über 868.000 überwiegend hoch qualifizierte Menschen: 190.000 Ingenieure plus weitere 570.000 Fachkräfte, davon 50.000 Softwareentwickler. Allerdings seien solche Qualifikationen stark nachgefragt und auf dem Arbeitsmarkt kaum noch zu finden. „Vier von fünf Mitgliedsfirmen sagen, dass sie beispielsweise Schwierigkeiten haben, Softwareentwickler auf dem Arbeitsmarkt anzuwerben,“ erläutert Mittelbach. Der Fachkräftemangel sei derzeit das größte Produktionshemmnis, vergleichbar mit den Boomjahren vor der Finanzkrise.

Es müssten aber auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die notwendig sind, damit die Unternehmen weiter forschen können. Hier gelte es, seitens der Politik durch steuerliche Vergünstigungen die Forschung zu fördern.

Zum anderen gehe es um den Aufbau eines industriefähigen Internets in ganz Deutschland, denn beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur gehe es allenfalls im Schneckentempo voran. Mittelbach mahnt: „Die Digitalisierung erlaubt kein Zuspätkommen.“ Der Staat müsse mehr in die Zukunft und damit in Bildung, Forschung und Infrastruktur investieren.

Chancen des Klimaschutzes für Deutschland ergreifen

„Ziel in Deutschland muss sein, die Innovationsführerschaft im Bereich der Klimaschutztechnologien auszubauen“, so Dr. Mittelbach. Für die 19. Legislaturperiode bedeute das, jetzt die Digitalisierung und den Umbau des Energiesystems zusammenzuführen. Dass das politisch formulierte Klimaschutzziel, die CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, technologisch und volkswirtschaftlich erreichbar sei, bestätige auch die kürzlich veröffentlichte BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“. Die Studie zeige große Chancen für die deutsche Industrie und Deutschland insgesamt, die wir konsequenter als bisher nutzen müssen. „Wenn wir im eigenen Land zeigen, wie durch die erneuerbaren Energien, Digitalisierung und Energieeffizienz ein leistungsstarkes Energiesystem entsteht, können wir mit unseren Technologien auch Exporterfolge erzielen und den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken“, so Dr. Mittelbach weiter. Die Bundesregierung müsse jetzt für Schlüsseltechnologien ein starkes innovationsfreundliches Umfeld schaffen.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt