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Zwischen Handarbeit und verketteten Maschinen

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Speerspitze der Digitalisierung im polnischen Betrieb

Die Fertigung, die zwar in weiten Teilen manuell erfolgt, nutzt jedoch auch komplexe, verkettete Maschinen, unter anderem einen Kuka-Roboter, der ein Heller-Bearbeitungszentrum bestückt. Speerspitze der Digitalisierung im polnischen Betrieb war jedoch die Etablierung eines Lean-Management-Systems. Fiel früher eine Maschine aus, fehlte die Datenbasis, um schnell und zielgenau darauf reagieren zu können.

„Mit Lean haben wir die Voraussetzungen geschaffen, digitale Informationen zu nutzen. Denn wesentlich für den Erfolg sind die Einbeziehung der Mitarbeiter und die Einführung des Shop Floor Managements“, sagt Stephan Rottach, Leiter Operational Excellence bei Lenze. Der verbesserte Informationsfluss sorgt für einen reibungsloseren Produktionsablauf und eine bessere Verfügbarkeit − und damit für eine höhere Produktivität der Maschinen.

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Zudem betont Rottach, hätten die Mitarbeiter durch diese ersten Schritte die Vorteile der Digitalisierung erkannt. Sie ergriffen selbst die Initiative, um die Prozesse rund um die Instandhaltung transparenter und schneller zu machen: „Zunächst legten die Kollegen Kennzahlen fest, die verdeutlichten, an welchen Stellen Zeit im Produktionsablauf verloren geht. Zum Beispiel bei Rüstvorgängen oder technischen Defekten“, sagt Rottach – ein System, dass man anschließend an andere Standorte „exportiert“ habe.

Yumi-Industrieroboter als Smartphone-Nutzer

An seinem Standort in Krakau nutzt auch Roboter-Hersteller ABB seine künstlichen Arbeiter, allerdings im Rahmen des dort ansässigen Forschungszentrums für Test- und Entwicklungszwecke. Hier tippt schon einmal ein zweihändiger Yumi-Industrieroboter auf ein Smartphone, um das Raumlicht anzupassen oder die Jalousien zu justieren und so sein Leistungsspektrum zu dokumentieren.

Für Przemysław Zakrzewski, Chef des ABB-Software-Entwicklungszentrums, sind das Zwischenschritte, um den aus seiner Sicht großen Herausforderungen in Produktionsanlagen zu begegnen:

  • alternde Infrastruktur und Mitarbeiterschaft
  • plattformunabhängige Geräteinformationen
  • hohes Energieerzeugungsaufkommen
  • notwendige Investitionen in Industrie 4.0
  • Betriebssicherheit und Cyber Security

Als bedeutendste Entwicklung stellt Zakrzewski die von ABB in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelte Analyseplattform vor. Hier haben seine Software-Experten alle digitalen Produkte und Dienstleistungen des Konzerns konzentriert. Das Ziel lautet, Anwendern Zugang zum industriellen Internet der Dinge zu ermöglichen und aus Datenanalysen konkrete Handlungen abzuleiten.

Die Plattform besteht aus 50 Cloud basierten Dienstprogrammen und bedient mehr als 6000 Installationen weltweit – sehr zukunftsträchtig für ABB, wie Zakrzewski betont: Etwas mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes werde bereits generiert durch Software oder digital aktivierte Geräte. Von den 700 IT-Spezialisten, die für ABB in Krakau arbeiten, beschäftigen sich allein 210 damit, zu programmieren, den Betrieb sicher zu stellen und neue Funktionen zu entwickeln.

„Reindustrialisierung“ und „Repolonisierung“

Global agierende Firmen sind vermutlich nicht das, was sich Prof. Olzsewski erhofft, wenn er den Finger in die polnische Fortschrittswunde legt. Doch er ist hoffnungsvoll: Nachdem im vergangenen Sommer vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Mateusz Marawiecki ein Expertenteam zur industriellen Transformation gegründet wurde – die polnische Version der deutschen Plattform Industrie 4.0 – ist einiges passiert.

Der Politik ist durchaus bewusst, dass die „Reindustrialisierung“ und „Repolonisierung“ durch Förderung von Start-ups und den Ausbau digitaler Infrastruktur vorangetrieben werden muss. Ohne Hilfe geht es jedoch nicht: Die „Strategie der verantwortungsvollen Entwicklung“, der Regierung vom Februar dieses Jahres, sieht auch eine Förderung ausländischer Investitionen von über 20 Milliarden Euro vor. MM

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