Automatica 2012 Zwischen Wow und Wirtschaftlichkeit – MM-Awards verliehen

Redakteur: Jürgen Schreier

Auf der Messe Automatica wurden die MM-Awards für herausragende Produkte und Leistungen auf der Messe in insgesamt sechs Kategorien verliehen. Ken Fouhy, Publisher des Industriemagazins MM Maschinenmarkt, überreichte die Preise im Automatica-Forum.

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Vertreter der Gewinnerfirmen nehmen die MM Award zur Aotomatica 2012 entgegen.
Vertreter der Gewinnerfirmen nehmen die MM Award zur Aotomatica 2012 entgegen.
(Bild: Reinhardt)

Im Rahmen einer Feierstunde im Automatica-Forum (Halle B1) überreichte Ken Fouhy, Publisher des bei Vogel Business Media in Würzburg erscheinenden Industriemagazins MM Maschinenmarkt, Vertretern der Gewinnerfirmen die begehrten Trophäen. Der MM-Award zur Automatica, der in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen wurde, würdigt Messeexponate, die in technischer Hinsicht Maßstäbe setzen, dem Anwender ein Maximum an wirtschaftlichem Nutzen versprechen und bei der aus MM-Fachredakteuren bestehenden Jury einen "Wow"-Effekt auslösen.

Leichter Goliath: Powerball-Leightweightarm von Schunk

Anlässlich der Automatica 2012 wurden MM-Awards in sechs Kategorien vergeben. In der Kategorie Knickarmroboter konnte die Schunk GmbH & Co. KG aus Lauffen einen MM-Award für ihren Powerball-Leightweightarm LWA 4 mit nach Hause nahmen. Der kompakte und wendige Helfer für stationäre und mobile Anwendungen in der Servicerobotik verfügt über ein Eigenmasse/Traglast-Verhältnis von 2:1 und ist damit einer der leistungsdichtesten Leichtbauarme der Welt. Bei einem Eigengewicht von 12 kg kann er Lasten bis 6 kg dynamisch handhaben. Dabei deckt er einen Greifradius von über 700 mm ab. Weil das vordere Ende, also quasi das Handgelenk, kompakt baut, lässt sich der Arm in engen Räumen geschickt bewegen. Seine Wiederholgenauigkeit von 0,06 mm sorgt bei anspruchsvollen Mess- und Prüfaufgaben für eine hohe Prozessstabilität. Zudem verhindert eine ausgeklügelte Konstruktion, dass es zu riskanten Quetsch- und Scherbewegungen kommt.

Damit bietet das Leichtgewicht die erforderlichen Voraussetzungen für den Einsatz im unmittelbaren Umfeld des Menschen. Dank integrierter Intelligenz, universeller Kommunikationsschnittstellen sowie Kabeltechnik für Datenübertragung und Spannungsversorgung kann der Powerballarm problemlos in bestehende Steuerungskonzepte eingebunden werden.

Kleinraumwunder: direktgetriebenes Zwei-Achs-Pick & Place-Modul von Weiss

Den Sieg in der Kategorie Montage trug die die Weiss GmbH aus Buchen davon. Mit ihrem neuartigen, direktgetriebene Zwei-Achs-Pick & Place-Modul begeisterte sie die Jury. Die spezielle Konstruktion erlaubt nicht nur eine kompakte und schmale Bauweise, sonder sorgt auch für ordentlich Speed. Das "Kleinraumwunder " HP70 arbeitet mit zwei Linearmotorachsen und besitzt somit alle Vorteile des Direktantriebs: hohe Dynamik, freie Programmierbarkeit, sehr geringer Verschleiß, maximale Genauigkeit, große Kompaktheit.

Mit nur 60 mm Breite bringt der "Direktriebler" die für ihre schmale Bauweise bekannten pneumatischen Module in arge Bedrängnis. Die herkömmlichen direkt angetriebenen Module bleiben in dieser Hinsicht sowieso auf der Strecke, denn sie bauen deutlich breiter.

Die Vorteile des neuen Pick & Place -Moduls HP 70 liegen auf der Hand. Auf kleinerem Bauraum werden die gleichen Bearbeitungsprozesse erledigt. Die Einsparung beim Flächenverbrauch ist enorm: Auf dem identischen Rundschalttisch oder Linearmontagesystem kann die doppelte Anzahl an Arbeitsstationen realisiert werden. Gleichzeitig geht der Output dramatisch nach oben, weil sich die Transportzeiten von einer Bearbeitungsstation zur nächsten verringern. Das Optimierungspotenzial liegt laut Hersteller teilweise bei fast 50%.

Vision-System zur präzisen Positionsbestimmung ungeordneter Bauteile

Was die Konstruktion anbetrifft, haben die Ingenieure des Buchener Unternehmens einen komplett neuen Weg beschritten: Zwei horizontale Achsen mit 125, 225 oder 325 mm Hublänge wurden parallel übereinander gesetzt und durch eine kinematische Einheit verbunden. Diese sorgt für den Vertikalhub von 55 mm. Neben der seiner Kompaktheit überzeugt das Konstruktionsprinzip auch bei der Geschwindigkeit.

Mühelos toppt es alle Geschwindigkeitsrekorde von Pick & Place-Systemen und erreicht über 100 Takte pro Minute bei einer Wiederholgenauigkeit von 0,01 mm.

Für ihr Vision-System PLB-500 erhielt die Sick AG, Waldkirch, den MM-Award zur Automatica 2012 in der Kategorie Bildverarbeitung. Das prämierte Vision-System dient zur präzisen Positionsbestimmung von ungeordneten Bauteilen in Behältern und Boxen und ermöglicht das einfache Einrichten neuer Bauteile und schnelle Typwechsel anhand von CAD-Daten, die als Basis für 3D-Mustervergleiche und Lokalisierungsaufgaben dienen.

Praxiserprobte Werkzeuge erleichtern Entwicklung kompletter Applikationen

Das System ist für kurze Taktzeiten und hohe Durchsatzraten ausgelegt. Bestandteile des neuen Sick-Produkts sind eine 3D-Kamera, Software für die Teilelokalisierung sowie weitere Werkzeugen für die einfache Integration und Kommunikation. Die hochentwickelte 3D-Kamera liefert laut Hersteller Bilder von ausgezeichneter Qualität und agiert unempfindlich gegenüber dem Umgebungslicht.

Praxiserprobte Werkzeuge und Funktionen für Kalibrierung, die Kommunikation zu Roboter und SPS sowie für die Greiferpositionierung sorgen für eine einfache Integration des Systems in bestehende Anlagen. Hardware und Software sind aufeinander abgestimmt und bereits für die Applikation vorbereitet. nach Aussagen von Sick ermöglicht das Vision-System PLB-200 die kostengünstige Entwicklung von Robotersystemen für das Bauteilhandling, wobei praxiserprobte Werkzeuge Roboterintegratoren die Entwicklung kompletter Applikationen erleichtern.

Sensibelchen: Lichtschranke braucht keinen Reflektor mehr

Merkwürdig, warum ist da bisher keiner draufgekommen? Das fragten sich die Juroren des MM-Award als sie die Bewerbung der Baumer GmbH, Friedberg, diskutierten. Allerdings sorgte die ersten Lichtschranke ohne Reflektortechnik nicht nur für einen ordentlichen Wow-Efflekt , sondern konnte die Jury auch durch ihre wirtschaftlichen Vorteile überzeugen und erklomm das Siegertreppchen in der Kategorie Sensorik.

Die Baumer-Lichtschranke ohne Reflektor verfügt über eine einzigartige Transparenterkennung. Diese besonders sensible Variante des Smartreflect-Sebsors nimmt geringste Intensitätsänderungen wahr und detektiert damit auch hochtransparente Folien, Schalen und Flaschen. Das Modell ist im Hygiene- und Washdown-Design, mit Schutzart IP 69K und proTect+-Dichtigkeitskonzept verfügbar.

Mit dem Smartreflect hat Baumer nach eigenen Aussagen die sicherste Art der Objektdetektion im Bereich der optoelektronischen Sensoren weiterentwickelt: die physikalische Unterbrechung einer geschlossenen Lichtschranke durch ein Objekt. Beim Smartreflect wird der geschlossene Lichtstrahl zwischen dem Sensor und einem Maschinenteil aufgebaut. Bislang übliche separate Reflektoren oder Empfänger sind überflüssig. Farbe und Material von Hintergrund und zu erkennendem Objekt spielen dabei keine Rolle.

Schnell montiert, weniger Betriebskosten

Gerade in der Lebensmittelindustrie kann das "Sensorsensensibelchen" seine Vorteile ausspielen: Er überwacht etwa den Verpackungsprozess durch das Erkennen der korrekten Positionierung der zu verpackenden Lebensmittel. Der Smartreflect kommt zum Einsatz, wenn die Installation eines separaten Reflektors oder Empfängers ein echtes Problem für den Anlagenbauer darstellt , zum Beispiel aufgrund hygienischer Anforderungen.

Weil die Sensorlösung ohne Reflektor auskommt, entfällt auch der sonst notwendige Aufwand für Montage, Inbetriebnahme, Ausrichtung und Reinigung des Reflektors. Das bedeutet laut Hersteller eine Zeitersparnis von rund 50 % bei einer spürbaren Reduzierung der Betriebskosten.

Der Greifer als Maßanzug

Individuell, kostengünstig, leicht – so beschreibt die Röhm GmbH, Sontheim/Brenz, die Vorteile ihres neuen Kunststoffgreifers RRMP, die auch die Juroren des MM-Award zur Automatica 2012 überzeugten. Der Spann- und Greiftechnik-Spezialist erhielt den MM-Award in der Kategorie Greifer. Ob Rundmaterial, prismatische Werkstücke oder Freiformflächen: Der Röhm-Kunststoffgreifer wird kundenindividuell innerhalb kurzer Zeit produziert , Neuartige Fertigungsverfahren machen dies möglich. Zur passgenauen Herstellung des Greifers wird lediglich ein 3D-Modell des Werkstücks benötigt.

Neben dem geringen Gewicht des Kunststoffgreifers RRMP dürfte sich die Anwender auch über die geprüfte Dauerfestigkeit freuen. So ist der Kunststoffgreifer bei Röhm auf der Bohrfuttermontagelinie Extra-RV im täglichen Einsatz erprobt, wo es auf absolute Zuverlässigkeit und Haltbarkeit ankommt. Der Grund: Ein Ausfall einer einzelnen Komponente würde zum Stillstand des gesamten Montageprozesses führen.

Er läuft und läuft und läuft

Bislang hat der Testgreifer über 7 Mio. Greifzyklen auf dem Buckel – und das ohne jegliche Wartung und bar jeder Verschleißerscheinungen. Für unbegrenztes, mehrfaches Drehen ist der RRMP auch in Kombination mit einem Dreifach-Luftverteiler einsetzbar. Das Signal der Endlagenschalter wird hier über eine Drehdurchführung übertragen.

Automatisierung geht nicht ohne Software. Doch folgt diese nicht immer ergonomischer Denke. Ganz anders die Automatisierungssoftware Visio 7 der Steinbichler Optotrechnik GmbH, Neubeuern, für die es den MM-Award in der Kategorie Software gab. Der Grund: Visio 7 sieht so aus, wie moderne Automatisierungssoftware eigentlich aussehen sollte. Über eine einzige Oberfläche wird ein komplettes Automatisierungskonzept abgebildet. In einem durchgängigen Workflow lassen sich alle relevanten Prozessschritte abarbeiten - beginnend mit dem Projektstart über die Simulation und Auswertung bis hin zur Protokollierung.

Automatisierungssoftware aus einem Guss

Das „Herumdoktern“ mit unterschiedlichen Softwareoberflächen und Bedienkonzepten gehört somit der Vergangenheit an. Die durchgängige Oberfläche sorgt für ein Optimum an Bedienungssicherheit, erfordert weniger Einarbeitungszeit, Schulungsaufwand und Support – und das sind klarere wirtschaftliche Vorteile.

Dabei gibt sich Visio 7 zudem recht „offenherzig“. Mit der Software kann man nicht nur Sensoren von Steinbichler ansteuern, sondern auch solche fremder Hersteller. Vorhanden sind zudem offene Roboter- oder Maschinenschnittstellen – unter anderem für Systeme von Kuka, ABB, Fanuc und Comau (weitere auf Anfrage).

Auch bei der Auswertesoftware darf der Visio-7-Nutzer zwischen dem hauseigenen Inspectplus und Produkten von Drittanbietern wählen. Somit werden bereits getätigte Investitionen in Automatisierungs- oder Qualitätssicherungssysteme durch den Umstieg auf Visio 7 nicht obsolet - ein weiterer Pluspunkt in Sachen Wirtschaftlichkeit.

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