Energietechnik EnBW realisiert Druckluftspeicherkraftwerk mit 70% Wirkungsgrad
Strom aus Windkraft ist sauber, jedoch nicht immer dann verfügbar, wenn er benötigt wird. Um die Elektrizität dann zur Verfügung zu stellen, wenn die Nachfrage da ist, wird die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Karlsruhe, zusammen mit dem Land Niedersachsen das weltweit erste adiabatische Druckluftspeicherkraftwerk bauen.
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Das Kraftwerk verfügt über einen Wirkungsgrad von 70% und soll erstmals die Nutzung von Windenergie auf wirtschaftlicher Basis ermöglichen. Laut Angaben von EnBW kommt es vollständig ohne fossile Brennstoffe aus, es entstehen keinerlei CO?-Emissionen.
Erstmals alle Systeme zusammengeführt
Das adiabatische Druckluftspeicherkraftwerk der EnBW führt erstmals alle Systeme zur Luftkompression, Wärmespeicherung, Druckluftspeicherung und Stromerzeugung mit Druckluft zusammen. Der zu speichernde Strom treibt Luftkompressoren an, die Umgebungsluft ansaugen, sie auf einen Druck von ca. 100 bar verdichten und gleichzeitig auf mehr als 600°C erhitzen. Bei diesen Kompressoren handelt es sich um eine Weiterentwicklung der bestehenden Technik.
Die heiße Druckluft wird über einen neuartigen Wärmespeicher geführt, gibt dort ihre Wärme ab und wird mit niedrigen Temperaturen in einer unterirdischen Druckluftkaverne zwischengespeichert. Zur Stromerzeugung wird die gespeicherte Luft der Kaverne entnommen, über den Wärmespeicher geführt und dort auf die erforderliche Turbinentemperatur von 600°C gebracht. Dann wird sie über eine neuartige Druckluftturbine entspannt und zur erneuten Stromerzeugung genutzt.
Strom wird in großen Mengen überall speicherbar
Adiabatische Druckluftspeicherkraftwerke sind den Angaben zufolge die einzige Technik, mit der Strom in großen Mengen emissionsfrei und mit einem sehr hohen Wirkungsgrad auch außerhalb bergiger Regionen gespeichert werden kann. Sie ermöglichen erstmals eine wirtschaftliche Integration regenerativer Stromerzeugung in bestehende Versorgungssysteme. Damit kann der Anteil der erneuerbaren Energien auf wirtschaftlicher Basis deutlich gesteigert werden.
Nach dem derzeitigen Stand der Technik ist es nur mittels Pumpspeicherkraftwerken möglich, große Strommengen wirtschaftlich zwischenzuspeichern. Energiespeichertechnologien wie Batterien oder Akkus sind für die Speicherung solch großer Strommengen noch nicht wirtschaftlich. Die Pumpspeicherkraftwerke wiederum können nur in Regionen mit ausreichend Höhendifferenzen errichtet werden. Diese Speicherform kann somit nicht flächendeckend, sondern nur in bergigen Regionen eingesetzt werden.
Zudem hat das adiabatische Druckluftspeicherkraftwerk als Einzelanlage eine sehr hohe Umweltverträglichkeit. Neben der Vermeidung von Treibhausgasen schlägt der geringe Flächenverbrauch positiv zu Buche: Im Vergleich zu hydraulischen Pumpspeicherkraftwerken ist der Flächenbedarf sehr gering. Die Standortsuche ist nach Angaben des Unternehmens auf gutem Weg, aber noch nicht abgeschlossen.
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