Energie Energieeffizienz bringt das Ende der Verschwendung
Über hohe Energiepreise stöhnen viele. Dabei ist es gar nicht schwierig, die Ausgaben für Wärme und Strom drastisch zu senken. Die Preisträger des Energy Efficiency Award 2007 machen es vor: Energieeffizienz spart nicht nur Geld und schont das Klima, sondern erhöht Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.
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Gibt es das: Kosten sparen, Wettbewerbsfähigkeit steigern und gleichzeitig noch was für den Klimaschutz tun? Und das alles quasi auf einen Schlag? Klar gibt es das. Durch energieeffiziente Produktion. Drei Unternehmen erhielten in diesem Jahr den Energieeffizienzpreis der Deutschen Energieagentur (Dena) und der Deutschen Messe AG.
Energieeffizienz im Unternehmen für viele machbar
Die Weidmüller Interface GmbH, die Paderborner Brauerei Haus Cramer und die Metro Asset Management GmbH seien „Top-Referenzen mit einem Optimum an erreichter Energieeinsparung und wirtschaftlicher Rendite“, heißt es in der Laudatio der Dena anlässlich der Preisverleihung auf der Hannover-Messe. Für die drei Preisträger spricht nach Ansicht der Experten vor allem auch, dass sie Maßnahmen umgesetzt haben, die für die gesamte Branche durchführbar sind.
Das gilt für den ersten Sieger auf jeden Fall. Weidmüller Interface mit Sitz in Detmold entwickelt, produziert und vertreibt Schaltschrankelektronik, elektronische Komponenten für Netzwerke und Produkte für elektromechanische Verbindungstechnik. Die Unternehmensgruppe hat Produktionen und Vertriebsgesellschaften in 70 Ländern.
In der Galvanik werden die Metallkomponenten in verschiedenen Bädern verzinkt, chromatiert, versilbert oder vergoldet. Das Problem: Galvanische Prozesse brauchen viel Energie; außerdem schreibt der Gesetzgeber einen hohen Luftaustausch vor, so dass die zugeführte Luft meist vorgewärmt werden muss.
Galvanische Bäder energiesparend beheizt
Früher wurden bei Weidmüller die Bäder mit elektrischen Tauchsiedern auf Temperatur gebracht. Seit vergangenem Jahr sind die Tauchsieder verschrottet und die Bäder werden mit Warmwasser beheizt. Herzstück des neuen Energiekonzepts ist ein Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Weidmüller-Gelände, das von der Stadt Detmold betrieben wird. Es liefert nicht nur die Wärme für die Galvanikbäder, sondern auch für das Brauchwarmwasser und im Winter die Wärme zum Heizen – das reduziert Leistungsspitzen in der firmeneigenen Heizzentrale.
Eine Wärmerückgewinnungsanlage nutzt zudem die Abwärme aus der Härterei und der Druckluft-Kompressorstation fürs Heizen des neuen Galvanikanbaus. Das Zusammenspiel von Heizzentrale, Wärmerückgewinnung, Galvanik, Zu- und Abluft wird über eine zentrale Gebäudeleittechnik gesteuert.
„Wir bezahlen also nur für die Energie, die wir auch wirklich benötigen“, sagt Geschäftsführer Ralf Hoppe. Folgekosten wie Hardware, Wartung und Personal sind bereits im Preis enthalten. Ohne das neue Energiekonzept hätte Weidmüller für die Erwärmung der Zuluft und der Galvanikbäder eine weitere Heizzentrale bauen müssen.
Druckluft bietet oft viel Potenzial zum Energiesparen
Die Sorge um weiter steigende Energiepreise hat auch die Paderborner Brauerei Haus Cramer KG dazu gebracht, auf die Suche nach Sparpotenzialen zu gehen. Eine Brauerei benötigt Wärme und Kälte, Dampf und Druckluft. In der Paderborner Brauerei war vor allem die Druckluftversorgung äußerst ineffektiv. Es gab zwei getrennte Druckluftnetze mit insgesamt sechs Kompressoren, von denen zwei im Leerlauf betrieben wurden, um die unterschiedlichen Drücke zu halten.
Damit ist seit 2006 Schluss. Zunächst wurde in beiden Netzen der Energieverbrauch und die tatsächlich benötigte Druckluftmenge der einzelnen Verbraucher ermittelt. Die vorher getrennten Drucksysteme wurden dann zu einem gemeinsamen Netz zusammengeschaltet. Das neue Netz kommt mit vier der alten Kompressoren aus, ein fünfter mit elektronischer Drehzahlregelung arbeitet ohne Leerlauf und verbessert den Wirkungsgrad.
Energieeffiziente Lösungen oft einfach mit großer Wirkung
Eine zentrale Steuerung sorgt dafür, dass nur so viel Druckluft erzeugt wird, wie auch tatsächlich verbraucht wird. „Das Ganze war im Rückblick relativ einfach und hat doch große Wirkung“, resümiert Jürgen Ripping, Leiter der Instandhaltung bei Haus Cramer.
Eine bedarfsgerechte Energieversorgung steht auch im Mittelpunkt des dritten ausgezeichneten Projekts. Die Metro Asset Management (MAM) betreibt über 650 gewerbliche Liegenschaften, darunter auch große Einkaufszentren. Diese sind oft überdimensioniert und verfügen über keine moderne Steuer- und Regeltechnik. Das Einkaufszentrum Walzmühle in Ludwigshafen ist eines von insgesamt sieben, die die MAM bisher energieeffizient umgerüstet hat.
Dazu gehörte der Umbau der bisher reinen Außenluftanlagen auf Mischluftbetrieb, die Regelung der Zu- und Abluftmengen entsprechend dem tatsächlichen Bedarf und die Entkopplung der Fernwärmeversorgung für Warmwasserbereitung und Heizung.
Steigerung der Energieeffizienz muss immer fortgeführt werden
Was haben die Preisträger aus den Projekten gelernt? „Die Steigerung der Energieeffizienz ist ein kontinuierlicher Prozess, der nachhaltig fortgeführt werden muss“, weiß Weidmüller-Chef Hoppe. Im Zuge des Galvanikausbaus wollen die Detmolder daher eine weitere Wärmerückgewinnungsanlage installieren, die über Wärmepumpen die Abwärme aus dem Regenwassertank und aus dem Brauchwasser nutzt. Auch die MAM will noch weitere Einkaufszentren auf Effizienz umstellen.
Fakt ist aber auch, dass es Energieeffizienz ohne gezielte Investitionen nicht gibt. Allerdings rechnen sich diese Ausgaben in der Regel schnell. Bei Weidmüller betrugen die Investitionen 50 000 Euro – unter anderem für Lüftungskanäle, Absperrjalousien, Steuerung für die Wärmerückgewinnung und neue Zuluftanlage. Die Energiekosten liegen künftig aber um 160 000 Euro pro Jahr niedriger. Die Amortisationszeit lag damit bei nur vier Monaten.
Ein gutes Jahr Amortisationszeit haben die Projekte von Haus Cramer und MAM. Die Brauerei investierte 62 500 Euro und spart künftig jährlich 55 000 Euro an Energiekosten. MAM investierte 227 500 Euro und spart 198 000 Euro. Insgesamt vermeiden die drei Preisträger mit ihren Projekten jährlich rund 1850 t CO2. Und die Rendite liegt zwischen 87 und 320%.
Erfreulich ist für Hoppe noch eine andere Erfahrung: „Das Thema Energieeffizienz beschäftigt die Menschen. Die hohe Motivation, mit der sich unsere Mitarbeiter in die einzelnen Projekte einbringen, ist beeindruckend.“ MM
Christa Friedl ist Wissenschaftsjournalistin in Krefeld
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