Finanzen Hilfe bei Liquiditätsproblemen
Für mittelständische Unternehmen können kurzfristige Marktveränderungen – etwa Preiserhöhungen bei Roh-stoffen – drastische Konsequenzen haben. Wenn sie keinen Weg finden, ihre Liquidität schnell zu erhöhen, sinkt ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit größeren Unternehmen. Eine Lösung für dieses Problem ist die so genannte Forderungsfinanzierung.
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Wie kann ich mein Umlaufvermögen, wie kann ich meine Verbindlichkeiten finanzieren, die ich plötzlich habe, weil die Rohstoffpreise um 100 bis 200 % gestiegen sind?“ – Mit dieser Frage hat Gerhard Konzelmann, geschäftsführender Gesellschafter der MSU Metallschmelzwerk Ulm GmbH, in Frankfurt auf einer Presseveranstaltung ein Problem aufgezeigt, mit dem viele mittelständische Firmen konfrontiert sind.
Umlaufvermögen innerhalb eines Monats verdoppeln
Um von einem Monat auf den anderen 100% mehr Umlaufvermögen aufzubringen, wählte Konzelmann, dessen Unternehmen 25% der deutschen Kupfergusslegierungen herstellt, die Forderungsfinanzierung als Lösungsweg. Für das Factoring anstelle des Kontokorrentkredits einer Bank entschied er sich, weil es bei gleichen Kosten wesentlich unbürokratischer und schneller abgewickelt werden kann. Auf diese Weise ist er so liquide, dass er beim Einkauf der Rohstoffe Kupfer, Zink und Nickel auch mit größeren Wettbewerbern mithalten kann.
Mittelstand ändert Finanzierungsbasis
Für Marc Paasch von der Marsh GmbH, einem im Risiko- und Versicherungsmanagement tätigen Unternehmen, ist es nicht verwunderlich, dass der Mittelstand seine Finanzierungsbasis ändert. „Denn Forderungsfinanzierung bietet unter anderem den Vorteil, die Eigenkapitalquote durch Bilanzverkürzung zu erhöhen“, betonte Paasch. „Außerdem wird im Vergleich zu anderen kapitalmarktorientierten Finanzierungen kein Unternehmensrating benötigt.“
Sein Marsh-Kollege Rolf Brüchig wies eindringlich auf das hohe Entwicklungstempo in dem schnell wachsenden Markt der Forderungsfinanzierung hin. Seine Anregung: „Wer sich vor einem Jahr schon mal für Factoring interessiert hatte, sollte sich heute noch mal aktuell informieren.“ So sind etwa die Mindestanforderungen an das Volumen gesunken, und der enorme Wettbewerbsdruck hat für sinkende Preise gesorgt.
Eine Forderungsfinanzierung für den Mittelstand, die eine Alternative zum Factoring darstellt, sieht KPMG-Finanzierungsberater Roland Gottwald in den Asset-Backed Securities (ABS). Dabei werden die Forderungen verkauft, besichert und als Wertpapiere emittiert.
Spezielle Finanzierungs-Programme für den Mittelstand
Wie vorteilhaft dies für das Finanzmanagement ist, schilderte Gottwald überzeugend: „Sie schaffen es in der Regel, innerhalb von drei Tagen nach dem Verkauf der Forderung dann auch das Geld auf ihrem Konto zu haben.“ Man kommt also sehr schnell an Liquidität. In diesem Sinne funktioniert auch das „ABS-Light“-Programm, das von Siemens Financial Services speziell für den Mittelstand entwickelt wurde.
Martin Hartge, Vertriebsleiter bei Siemens Financal Services, hat die maßgeschneiderten Konditionen erläutert: „Wir fangen an bei einer Portfoliogröße von 3 Mio. Euro Forderungsbestand aufwärts auf revolvierender Basis, wir übernehmen das Zahlungsausfallrisiko und bevorschussen bis zu 100%, und der Forderungsverkäufer ist weiterhin für das Debitorenmanagement verantwortlich.“MM
Ulrich W. Schamari ist freier Journalist in 60320 Frankfurt
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