Fachkräfte

Fachkräftemangel – der spanische Glücksfall

06.09.12 | Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz ist in Deutschland angekommen – auch Dank ihres Arbeitgebers.
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Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz ist in Deutschland angekommen – auch Dank ihres Arbeitgebers. (Bild: Ziehl-Abegg)

Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz kommt aus Madrid und arbeitet seit einigen Monaten bei Ziehl-Abegg in Künzelsau. Die südeuropäische Elektroingenieurin wagte den Schritt ins Unbekannte. Sie ist damit ein Vorbild für viele spanische Fachkräfte, die ihre Heimat verlassen wollen.

Den Stuttgarter Flughafen kennt Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz gut. Immer dann, wenn die Sehnsucht nach Spanien zu groß ist, steigt die Frau in ein Flugzeug und hebt ab gen Süden – Heimaturlaub. Die Elektroingenieurin pendelt zwischen zwei Welten: Von der Metropole Madrid in Kastilien bis Künzelsau in der schwäbischen Provinz sind es nur drei Stunden.

Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz ist für Rainer Grill, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Ventilatorenbauer Ziehl-Abegg, ein Glücksfall. „Zwei Redakteure von der New York Times waren schon hier und morgen kommt das finnische Fernsehen“, schwäbelt der Pressemann und seine Sätze überschlagen sich vor Begeisterung. „Das Telefon lasse ich an, ich will keinen Anruf verpassen“, entschuldigt sich Grill vor Beginn des Gesprächs. Die Scheinwerfer der Medienwelt sind in diesem Moment kurz auf Künzelsau gerichtet.

Grill will die Chance für seinen Arbeitgeber nutzen. Und die Hauptperson in der medialen Dramaturgie? Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz sitzt mit Jeans und schwarzem T-Shirt schüchtern lächelnd in einem für die Firmenpräsentation abgedunkelten Besprechungsraum und erzählt in einem spanisch eingefärbten Englisch ihre Geschichte.

Statt Barkassentour Büffeln am Hamburger Goethe-Institut

Sie beginnt vor der großen Spanien-Krise im Februar 2011. Die Ingenieurin ist seit November arbeitslos und der Markt für Fachkräfte trübt sich ein. In der Südeuropäerin reift der Entschluss, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und in Deutschland neu anzufangen. Adios, España. Bis dahin hatte alles nahtlos geklappt. Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz legte eine Bilderbuchkarriere hin. Studium der Elektrotechnik an der renommierten Universität von Toledo, dann mit 26 sofort ein Job bei Thyssen-Krupp und eine schicke Eigentumswohnung im Herzen der spanischen Hauptstadt. Doch die Spanierin will arbeiten – auch international.

Schon während ihres Studiums denkt sie ans Auswandern, diskutiert mit Kommilitonen über einen Abschied. „Deutschland ist in Forschung und Entwicklung auf meinem Fachgebiet führend“, erklärt sie immer wieder ihren Freunden an der Hochschule. Die geben ihr Recht, doch die sprachliche Hürde ist für viele zu hoch. Die Madrilenin nimmt sie. Am Goethe-Institut belegt sie Deutschkurse und fliegt im Frühjahr 2011 nach Hamburg. Büffeln statt Barkassentouren heißt es für die junge Frau. Ein Arbeitgeber ist allerdings noch nicht gefunden.

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