Werkzeugbau Kostenvorteile in China werden zunehmend genutzt

Redakteur: Bernhard Kuttkat

Trotz aller Schwächen, die Chinas Werkzeugbauunternehmen noch haben, ordern dort zunehmend deutsche Unternehmen einen Teil ihrer Werkzeuge oder produzieren sie gemeinsam mit chinesischen Partnern. Was dabei zu beachten ist, darüber informierte die Synergiebörse „China – Werkzeug- und Formenbau“.

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Die niedrigen Kosten sind es vor allem, die Chinas Werkzeug- und Formenbauer als Lieferanten für deutsche Unternehmen so anziehend machen – so der Tenor der Vorträge auf der kürzlich in Frankfurt vom Forum China, Köln, veranstalteten Synergiebörse „China – Werkzeug- und Formenbau“. Referenten aus Unternehmen, die Werkzeuge aus China beschaffen oder dort selbst mit chinesischen Partnerunternehmen fertigen, „plauderten aus dem Nähkästchen“, was dabei beachtet werden sollte, um erfolgreich zu sein.

Den geldwerten Vorteil, den der Werkzeugeinkauf im Reich der Mitte mit sich bringt, konkretisiert Bernd Spetzke, Einkaufsleiter der Leifheit AG in Nassau: „Werkzeuge aus China sind bis zu 40% günstiger in der Beschaffung als vergleichbare Werkzeuge aus Europa.“ Je nach Aufwand und Aufbau des Werkzeugs dauert die Herstellung vom ersten Konstruktionsentwurf bis zu den ersten frei fallenden Teilen meist zwischen 45 und 70 Tage, so seine Erfahrung.

Nachbesserungen werden teuer

Allerdings gelte es, einiges zu beachten, wenn es nicht zu zeit- und kostenintensiven Nachbesserungen kommen soll. „Chinesische Lieferanten sind zwar sehr engagiert und lernwillig“, so Spetzke, „aber zur erfolgreichen Projektumsetzung ist stets eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller notwendig sowie eine permanente Statuskontrolle.“ Auch eine Werkzeugabnahme vor Ort durch interne oder externe Fachkräfte sei unverzichtbar, weil es sonst zu unnötig aufwendigen Nachbesserungen kommen könne.

„Chinesische Werkzeuge haben im Vergleich zu deutschen Werkzeugen eine um 10 bis 20% geringere Schussleistung“, relativiert Holger Knobloch, Geschäftsführer der Moneva Druckguss GmbH & Co. KG in Winterbach, den Kostenvorteil chinesischer Werkzeuge. Chinesische Werkzeughersteller neigten auch dazu, alles selbst machen zu wollen, auch Konstruktionselemente, die als Normalien eingekauft werden können, beispielsweise Auswerfer. „Wenn man nicht darauf achtet, dass Normteile verwendet werden, ergeben sich im Reparaturfall Schwierigkeiten beim Austausch solcher Normteile.“

Prozesskette nicht durchgängig digitalisiert

Auch sollte seiner Auffassung nach bedacht werden, dass innerhalb der Prozesskette nicht alles so läuft, wie man es in Deutschland gewohnt ist. „Die digitale Durchgängigkeit von der Produktentwicklung über die 3D-Werkzeugkonstruktion bis hin zum 3D-Fräsen ist nicht immer gewährleistet.“

Problematisch sei auch, dass Hochleistungs-Warmarbeitsstahl nicht überall in der geforderten Qualität verfügbar sei. „In China werden deshalb nur Standardwerkzeuge für kleine und mittlere Serien gefertigt, die auch dort bemustert und vermessen werden“, so Knobloch. Nach wie vor in Deutschland gefertigt werden komplexe Mehrfachwerkzeuge mit mehreren Konturschiebern mit höchsten Werkzeugstandzeit-Forderungen und mit hoher Prozesssicherheit für die Großserienproduktion. Befragt, ab welchen Volumen die Werkzeugbeschaffung in China wirtschaftlich ist, nennt Knobloch als Mindest-Einkaufsvolumen einen Betrag von 500 000 Euro im Jahr.

Zeitpuffer einkalkulieren

Dirk Hoven, im Geschäftsbereich Elektronik Hella KgaA für den Einkauf zuständig, empfiehlt Unternehmen, die Werkzeuge aus China beschaffen wollen, sich als Auftraggeber einen Zeitpuffer zu schaffen, auf die Anwendung internationaler Normen zu achten und den Übergang vom Lasten- zum Pflichtenheft ebenso genau zu definieren wie den eindeutigen Freigabeprozess. Seiner Erfahrung nach haben sich die ausgewählten Werkzeugbauer für die lokalen Projekte zu zuverlässigen Partnern entwickelt. „Problematisch ist zur Zeit noch die Beschaffung von Werkzeugen für den europäischen Markt wegen der höheren Zykluszeiten und der geringeren Standzeiten.“ Für die technischen Produkte von Hella werden Werkzeugstandzeiten von mindestens eine Million Zyklen benötigt.

„Wir folgen unseren Kunden, die local content mit deutscher Qualität fordern“, begründet Dr.-Ing. Christian Hinsel, Leiter Werkzeugbau der Hirschvogel GmbH, Denklingen, den Bau eines Werkes in Pinghu, Zheijiang/China, zur Fertigung und Lieferung von Schmiedeteilen sowie fertig bearbeiteten Komponenten an Kunden vor Ort.

Kostenvorteile relativieren sich

Auch er relativiert den Kostenvorteil einer Werkzeugbeschaffung in China: „Preise für hochwertige Werkzeuge sind nicht unbedingt geringer als Werkzeugkosten bei eigener Fertigung in Deutschland.“ Der Werkzeugbedarf des Werkes in China umfasst zunächst rotationssymmetrische Stempel und Matrizen aus Schnellarbeits- und Warmarbeitsstählen für die Massivumformung. „Mittelfristig sollen auch nicht-rotationssymmetrische Gesenke für die Warm- und Halbwarmumformung gefertigt werden“, so Hinsel.

Ein großes Problem ist seiner Meinung nach die Beschaffung von Werkzeugstahl, der in der geforderten Qualität in China häufig nicht verfügbar sei. Ebenso problematisch sei der mögliche Know-how-Verlust.

„Wir versuchen, möglichst viele Werkzeuge für unsere Produktion in China auch in China zu beschaffen“, erläutert Berthold Mathias, Direktor Process und Equipment Engineering der Braun GmbH, Kronberg, und fügt hinzu: „Wenn es ein sehr großes Einsparpotenzial gibt, beschaffen wir Werkzeuge in China auch für europäische Werke.“

Braun hat den Werkzeugbeschaffungsprozess standardisiert, angefangen von der Festlegung des Werkzeugkonzeptes und der Werkzeugkomplexität über die Lieferantenauswahl bis hin zu Werkzeugtest und Korrektur. Entsprechend der Werkzeugkomplexität sind die chinesischen Werkzeugbauunternehmen leistungsmäßig in A-, B- und C-Lieferanten unterteilt. Er rät dazu, Lieferanten auszuwählen, die ein ähnliches Teilespektrum haben. „Auch sollten die Werkzeuge so genau wie möglich spezifiziert sein und die Bemusterung sollte unter Produktionsbedingungen mit Original-Material erfolgen.“MM

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