Vereinbarung 1.000 Ford-Arbeitsplätze in Saarlouis bis Ende 2032 gesichert

Quelle: dpa Lesedauer: 3 min

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Ford will eine größere Zahl an Arbeitsplätzen im Werk Saarlouis als bislang über das Jahr 2025 hinaus zusichern. Dann endet die Produktion des Focus. Die Investorensuche geht unterdessen weiter.

Derzeit wird in Saarlouis noch der Ford Focus gebaut. Damit ist 2025 Schluss.
Derzeit wird in Saarlouis noch der Ford Focus gebaut. Damit ist 2025 Schluss.
(Bild: Ford)

Eine neue Betriebsvereinbarung für den Ford-Standort Saarlouis sichert rund 1.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz bis zum Endes des Jahres 2032. Das sind mehr, als das Unternehmen bislang angekündigt hatte, Ford-Deutschland-Chef Martin Sander hatte Ende 2022 in einem Schreiben an die Belegschaft die „Zusage für 500 bis 700 Beschäftigte“ gegeben. Am Mittwoch stellte der Ford-Betriebsvorsitzende in Saarlouis, Markus Thal, die Vereinbarung in einer Betriebsversammlung vor.

Ford hatte vor neun Monaten entschieden, dass das Werk Valencia den Zuschlag für die neue Elektroauto-Plattform erhält. Damit wurde zugleich das Ende für die Produktion des Modells Focus 2025 in Saarlouis besiegelt. Seitdem blicken die aktuell rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dem saarländischen Standort einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Suche nach einem Investor läuft.

Ford-Sprecher Marko Belser bestätigte am Nachmittag, dass man intern die Beschäftigungsmöglichkeiten weiter geprüft habe und nun eine größere Anzahl an Ford-Arbeitsplätzen in Saarlouis über das Jahr 2025 hinaus möglich sei. „Wir werden nun 1.000 Arbeitsplätze anbieten können“, teilte er mit.

Betriebsratschef: „Ford hat unsere Zukunft verschlafen!“

Betriebsratschef Thal sagte, die neue Beschäftigungssicherung ändere nichts an dem geplanten Produktionsende 2025 für das Modell Focus, sondern betreffe alle Tätigkeiten außerhalb davon. Am Mittwoch hielt er zum Abschluss seiner Rede auf der Betriebsversammlung einen Wecker in die Höhe. „Ford hat unsere Zukunft verschlafen!“, warf er dem Unternehmen vor. Sein Motto: „Wir wecken den Widerstand, die Uhr tickt!“

Für den Betriebsrat geht der Kampf um die Arbeitsplätze weiter. Aktuell sei er zufrieden mit dem, was man erreicht habe, sagte Thal. „Aber natürlich müssen wir dafür kämpfen, für alle Beschäftigten eine gute Lösung zu finden. Viele Arbeitsplätze gehen nur mit einem Investor.“ Doch konkrete Verträge dazu lägen noch nicht vor. „Das Trennungsjahr ist bald vorbei“, sagte der Betriebsratschef der „Deutschen Presse-Agentur“. „Wenn bis zum 22. Juni nichts passiert, gehen wir am 23. Juni in die Urabstimmung.“ Schon jetzt sei man dabei, einen Arbeitskampf vorzubereiten.

Wirtschaftsminister zuversichtlich bei Investor

Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) zeigte sich am Mittwoch überzeugt, „dass wir eine gute Nachfolgelösung finden werden“. Nach vielen Gesprächen mit potenziellen Investoren habe sich mittlerweile die Spreu vom Weizen getrennt und man führe „konkrete, intensive Verhandlungen mit ernsthaften Interessenten“. Das Ziel bleibe

unverändert: „Wir wollen die bestehende Infrastruktur nachhaltig nutzen, die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Belegschaft durch die Schaffung einer hohen Anzahl qualifizierter Industriearbeitsplätze maximieren und Arbeitsplätze der Zukunft schaffen.“

Betriebsratschef Thal sagte, vor allem für die älteren Beschäftigten stelle die Betriebsvereinbarung einen Hoffnungsschimmer dar: Um eine Personalreduzierung von 650 Mitarbeitern in diesem Jahr zu realisieren, habe sich der Betriebsrat mit der Geschäftsführung auf ein verbessertes Freiwilligenprogramm mit einem zusätzlichen „Saarlouis-Sockel“ verständigt.

„Diese Einigung ermöglicht unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das Unternehmen mit attraktiven und freiwilligen Programmen vorzeitig zu verlassen“, sagte Belser der „Deutschen Presse-Agentur“. Zunächst richteten sich diese Programme ausschließlich an Beschäftigte ab 55 Jahren.

Laut Betriebsrat könnten in der ersten Phase bis zu 400 Mitarbeiter bis Ende Juni ausscheiden, weitere 150 dann bis Ende September und noch einmal 100 bis zum Jahresende. So werde sichergestellt, dass am Ende nicht mehr als die vereinbarten maximal 650 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen beziehungsweise nicht mehr in diesem Jahr zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus soll es zeitnah Regelungen über Prämien und Zahlungen geben, die jene Kollegen erhalten, die zum Ford-Standort nach Köln wechseln. Dort soll Ende 2023 das erste vollelektrische Volumenmodell vom Band laufen. Der Betriebsrat bewertet die aktuelle Betriebsvereinbarung als „wesentlichen Zwischenschritt“ in der Gestaltung des Gesamtzukunftskonzepts.

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