Mehr als 50000 Besucher erwartet 91 t schwerer Schiffspropeller zeigt den Weg zur Messe SMM 2010

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Vor dem Messegelände in Hamburg steht ein 91 t schwerer Schiffspropeller als Wegweiser zur internationalen Fachmesse SMM 2010, der diesjährigen Shipbuilding, Machinery & Marine Technology Trade Fair, die vier Tage ihre Pforten öffnete.

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Hergestellt wurde der Propeller bei der Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG), einem der weltweit führenden Hersteller von Schiffspropellern. Den Exportanteil gibt MMG-Geschäftsführer Manfred Urban mit 90% an, wobei die südkoreanischen Werften die Kundenliste anführen, gefolgt von chinesischen Schiffbauunternehmen.

Schiffspropeller mit bis zu 140 t Gewicht

Der SMM-Wegweiser bringt exakt 91160 kg auf die Waage und hat mit 9 m Durchmesser und 52 m2 Flügelfläche eine beeindruckende Größe. Er bringt damit die Mecklenburger aber noch keineswegs an ihre Grenzen. Am Standort Waren können Propeller mit einem Fertiggewicht bis 140 t und einem Durchmesser bis 11,3 m hergestellt werden. Das reicht für die heute größten Tanker sowie Container- und Massengutschiffe.

Der sechsflügelige SMM-Propeller soll im Anschluss an die SMM ein Containerschiff mit einer Ladekapazität von 7450 Standardcontainern (TEU) antreiben. Das Schiff wird im Auftrag der dänischen Reederei A. P. Moeller Maersk Group, der Nummer eins unter den Containerschiffsreedereien, auf der südkoreanischen Werft Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering Co., Ltd. (DSME) gebaut.

62200 PS Antriebsleistung stellt die Hauptmaschine zur Verfügung. Damit soll der Propeller bei 78 Umdrehungen pro Minute das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 23 Knoten bringen.

Produktion der Schiffspropeller dauert mehrere Monate

Wie Schiffe sind auch Antriebspropeller keine Massenware. Die Produktion dauert vom ersten Entwurf bis zum letzten Schliff einige Monate. Zum Gießen des SMM-Eyecatchers wurden 120 t flüssige Legierung benötigt. MMG besitzt eine Schmelzkapazität von 200 t.

Besondere Sorgfalt legen die Warener auf die Herstellung der Gussform, die erfahrene Mitarbeiter aus einem Gemisch aus Zement, Quarzsand und Wasser bauen. Allein die Formherstellung und der anschließende Trocknungsprozess nehmen circa vier Wochen in Anspruch.

Gießen des Schiffspropellers ist der kritischste Moment

„Das Gießen des Propellers dauert nur 15 min, ist aber der kritischste Moment. Alles, was hier falsch läuft, ist später nicht mehr zu korrigieren“, erklärt Urban. Da könne vieles schiefgehen.

Bei zu niedriger Temperatur zum Beispiel entstehe ein sogenannter Kaltlauf, bei dem sich kein homogenes Gefüge ausbildet, sondern getrennte Materialschichten. Eine zu lange Gießzeit sei ebenso gefährlich. Desgleichen ein zu hoher Gasgehalt, der den Gussrohling nach der Erstarrung porös macht.

Schiffspropeller wird nach dem Abkühlen automatisch vermessen

Nach einer etwa zwei Wochen langen Abkühlphase wird der Propeller automatisch vermessen. Anschließend entsteht in fünf bis sechs Wochen auf diversen computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen aus dem Rohling der glänzende Propeller.

Den buchstäblich letzten Schliff geben erfahrene Schleifer per Hand. Nach Beendigung der SMM 2010 wird der Propeller am 13. September in den Hamburger Hafen gebracht. Die Verschiffung nach Korea erfolgt zwei Wochen später.

Zur SMM 2010 werden mehr als 2000 ausstellende Unternehmen aus 60 Nationen jüngste Entwicklungen aus allen Bereichen der maritimen Industrie präsentieren. Zur weltweit führenden Messe der Schiffbauindustrie werden mehr als 50000 Fachbesucher aus über 100 Ländern erwartet.

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