Wolf im Papierpelz? Abkehr von Kunststoff gefährdet Wälder

Redakteur: Peter Königsreuther

Mit „umweltfreundlichen“ Alternativprodukten aus Papier könnten wir auf dem sprichwörtlichen Holzweg sein. Die Academic Society for Health Advice hat näher hingeschaut.

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Der Bund sagt, dass rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen durch Regenwaldabholzung entstehen. Kann es sein, dass wir mit Kunststoffverboten und dem daraus folgenden Papierprodukte-Trend was übersehen? Das fragt zumindest die Academic Society aus Hamburg.
Der Bund sagt, dass rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen durch Regenwaldabholzung entstehen. Kann es sein, dass wir mit Kunststoffverboten und dem daraus folgenden Papierprodukte-Trend was übersehen? Das fragt zumindest die Academic Society aus Hamburg.
(Bild: Friends of the Earth Indonesia)

Alle reden vom papierlosen Büro. Und in Zeiten von E-Books, Smartphones und anderen elektronischen Speicher- und Kommunikationsgeräten sollte Papier eigentlich eine rare Erscheinung sein, denken sich die Mitglieder der Academic Society for Health Advice in Hamburg. Aber: Weltweit steigt der Papierverbrauch! Das sei vor allem der verstärkten Herstellung von Verpackungen geschuldet. Und nach Schätzungen der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) werden rund 40 Prozent der für industrielle Zwecke geschlagenen Bäume zu Papierprodukten verarbeitet.

Große Landflächen sind in kürzester Zeit dahin

Das liege vor allem an der steigenden Menge an Pappbechern und -tellern für Speisen „to go“. Aber auch andere Verpackungen im Lebensmittelbereich sowie Päckchen und Pakete im Online-Handel tragen zum Problem bei, heißt es weiter. Den Abholzungen der Wälder folge ein Anstieg der CO2-Emissionen, so die FAO. Und die Entwaldung schreite außerdem ungezügelt voran. Allein 2018 fiel eine Fläche, so groß wie Großbritannien und Irland zusammen, quasi der Axt zum Opfer.

Jede Art der Papierentsorgung schadet der Umwelt

Jedoch nicht nur die Herstellung von Papier schadet der Umwelt, auch dessen Entsorgung beschleunigt die Erderwärmung, ist man sich sicher. Denn bei der Verbrennung von Papier wird das einst von den Bäumen gebundene CO2 wieder freigesetzt. Lässt man das Altpapier stattdessen verrotten, so entsteht durch biologische Abbauprozesse Methan, das 25-mal mehr zum Treibhauseffekt beiträgt als Kohlendioxid, gibt die Academic Society for Health Advice zu bedenken.

Der Blick aufs vermeintlich harmlosere Endprodukt trügt

Kunststoff sei zwar momentan nicht gerade salonfähig, müsse aber Teil der Gesamtlösung sein, um die Umwelt vernünftig zu entlasten. Und ja, auch die Herstellung von Kunststoff verbraucht Energie, Wasser und Rohstoffe. Sie trägt auch zum Ausstoß von Treibhausgasen bei – das ist leider unumgängliche Physik und Chemie. Aber: im Vergleich zu den klimaschädlichen Emissionen, die bei der Rohstoffgewinnung, Herstellung und Entsorgung von Verpackungen entstehen, drücken Kunststoffprodukte, wie etwa die vielfach kritisierte Plastiktüte, nachweislich einen deutlich flacheren CO2-Fußabdruck in die Landschaft, als Papiertüten. Man muss eben die gesamte Prozesskette bis zum Endprodukt und dessen Entsorgung respektive Wiederverwertung betrachten.

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