EMO 2013

Apps sollen künftig die Fertigung steuern

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Erforschend und zweifelsohne auch agil gehen in Sachen Internetnutzung und mobile Vernetzung die Stuttgarter Institute IPA, IFF und ISW vor. Für Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter der Fraunhofer-Institute für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF), des Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) und des neugegründeten Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) an der Universität Stuttgart, geht es in der Produktion im Grunde darum, „dass man alle Elemente mit Intelligenz und Kommunikationsmöglichkeiten versieht, also um eine intelligente Vernetzung von dezentralen Informationsträgern und Informationserzeugern“.

Intelligente Aufträge werden bei Störungen selbst nach Alternativen suchen

Die so genannte Smart Factory stehe eigentlich im Mittelpunkt der vierten industriellen Revolution: „Dort werden alle Technologien eingesetzt, die aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, aber auch aus dem Maschinenbau kommen.“ Man werde die Freiheit des Internets, in der jeder alles veröffentlichen und kostenlos nutzen kann, auf die Systeme in der Produktion übertragen müssen.

Die flexible Auftragsabwicklung werde letztendlich von den Aufträgen selbst übernommen: „Wenn irgendwo eine Störung an einer Maschine auftritt und der Auftrag dort nicht abgearbeitet werden kann, dann weiß der intelligente Auftrag, sprich das intelligente Produkt, das gerade hergestellt wird, wen er noch ansprechen kann und sucht eine alternative Route in der Produktion, ohne dass ich mich darum kümmern muss. Und erst wenn er es nicht schafft, pünktlich zu sein, meldet er sich, und der Mensch muss sich einschalten. Das hört sich etwas utopisch an, aber das geht!“ Messen wie die EMO Hannover 2013 sind laut Bauernhansl ein hervorragendes Schaufenster zur Darstellung dieser heute noch utopisch anmutenden Möglichkeiten.

Fehlende Standardisierung bremst die vierte industrielle Revolution noch aus

„Vorsichtig optimistisch“ äußert sich dagegen sein Kollege Prof. Alexander Verl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und des Instituts für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart: „Die vierte industrielle Revolution wurde zwar ausgerufen, sie hat aber noch nicht stattgefunden: Die proklamierten cyber-physischen Systeme (CPS) sind meist zu teuer, nicht zuverlässig genug und häufig überdimensioniert.“

Eine weitere Hürde für das Internet der Dinge im Rahmen des Industrie 4.0-Hype sei die fehlende Standardisierung. Einheitliche Schnittstellen zwischen CPS sind nicht vorhanden oder können noch nicht optimal untereinander kommunizieren. Dazu kommen die steigenden Kosten der Hardware: Sensorik-Aktorik-Systeme mit hoher Komplexität sind noch zu teuer, um CPS wirtschaftlich zu machen. Erst nach der Einführung von Kommunikationsstandards und einer klaren Darstellung der mechanischen und elektronischen Bauteile in Kombination mit einem sinnvollen Softwarepaket „wird man über zuverlässige und marktreife CPS reden können“.

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