Es geht so nicht Arcelormittal kehrt dem grünen Stahl den Rücken

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Arcelormittal Europe beendet die Dekarbonisierung in Bremen und Eisenhüttenstadt, heißt es. Grüner Stahl sei einfach nicht wirtschaftlich herstellbar in der heutigen Zeit. Auf Fördergelder wird verzichtet.

Schwarzer Tag für grünen Stahl! Denn Arcelormittal wird aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen in Bremen und Eisenhüttenstadt die Dekarbonisierung nicht weiterführen, wie jetzt bekannt wurde ...(Bild:  Arcelormittal)
Schwarzer Tag für grünen Stahl! Denn Arcelormittal wird aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen in Bremen und Eisenhüttenstadt die Dekarbonisierung nicht weiterführen, wie jetzt bekannt wurde ...
(Bild: Arcelormittal)

Arcelormittal Europe verfolgt nach eigenen Angaben die Pläne zur Dekarbonisierung der Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt nicht weiter. Denn aufgrund der Marktsituation und der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion wäre die Weiterführung der Investitionen verantwortungslos. Der Konzern nehme damit außerdem staatliche Fördergelder nicht in Anspruch. Arcelormittal verweist dabei auf eine Verpflichtung, die Entscheidung mitzuteilen, weil der Vertrag mit der Bundesregierung über die Förderung von 1,3 Milliarden Euro bisher den Beginn der Bauarbeiten für das Projekt bis Juni 2025 vorsieht. Konkret geht es um den Bau von Direktreduktionsanlagen (mit Wasserstoffeinsatz statt Koks) und Elektrolichtbogen-Öfen, die mit grünem Strom betrieben werden. Der Bremer Senat sprach angesichts der Ankündigung, wie es heißt, tief enttäuscht, von einer Absage der Dekarbonisierung der Hütten. Der Senat sei tief enttäuscht und verärgert, nachdem Politik und Unternehmen so lange an einer Perspektive für das Bremer Stahlwerk gearbeitet hätten. Der Senat habe unter großen Anstrengungen gut 250 Millionen Euro für den Umbau des Stahlwerkes bereitgestellt. Arcelormittal will sich in Bremen und Eisenhüttenstadt aber weiterhin auf die Planung zum Bau von Elektrolichtbogen-Öfen konzentrieren, um darauf vorbereitet zu sein, wenn diese Art der Produktion von Stahl schließlich wirtschaftlich sinnvoll ist, heißt es weiter.

Hohe Strompreise und zu wenig Wasserstoff hemmen den Stahlumbau

Diese Art von Öfen, wie der Name schon suggeriert, verhütten mit Strom. Das Unternehmen hatte wiederholt erklärt, dass die Grundvoraussetzungen für den Umbau der Stahlerzeugung wettbewerbsfähige Strompreise und ausreichend Wasserstoff heißen. Aber Wasserstoff ist aus Sicht der Energiebranche aber derzeit noch nicht ausreichend vorhanden – und außerdem viel zu teuer. Unternehmen beklagen weiterhin auch die in Deutschland seit langem über dem internationalen Vergleich liegenden hohen Strompreise. Arcelormittal erklärt außerdem, dass grüner Wasserstoff noch keine tragfähige Energiequelle. Und die Direduktion auf Erdgasbasis als Übergang sei nicht wettbewerbsfähig. Nicht umsonst werden die ersten neuen Elektrolichtbogen-Öfen in Ländern gebaut, die eine wettbewerbsfähige und planbare Stromversorgung bieten. Und Arcelormittal habe schon im Mai erklärt, den nächsten Elektrolichtbogenofen in Dünkirchen in Frankreich zu bauen.

Harrsche Kritik der IG Metall und Forderung nach Krisengipfel

Die IG Metall kritisiert den Stahlkonzern scharf für seine neuen Pläne. Diese Entscheidung sei strategisch kurzsichtig, unternehmerisch falsch und mit Blick auf die Beschäftigten – wie auch auf die gesamtgesellschaftlichen Folgen – in höchstem Maße unverantwortlich, so der zu erwartende Tenor der Gewerkschaft. Der klimaneutrale Umbau der Stahlindustrie sei ein Jahrhundertprojekt, bei dem es um die Zukunft von tausenden von Arbeitsplätzen in Bremen und Eisenhüttenstadt gehe. Die Beschäftigten hätten sich schließlich darauf eingelassen, die Politik stelle Förderungen in Milliardenhöhe bereit und der Strompreis bewege sich in die richtige Richtung. Doch die einzigen, die nun die Nerven verlierten und wackelten, seien die Manager von Arcelormittal. Die Bundesregierung müsse deshalb umgehend einen Krisengipfel für die Stahlindustrie einberufen.

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