Bundesverband Deutscher Gießereien Auftragsbestand deutscher Gießereien schmilzt zügig dahin
In Deutschlands Gießereien laufen die Öfen zunehmend auf Sparflamme. 2008 sei noch einmal ein „auskömmliches Jahr“ gewesen, stellte der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e.V. im Rahmen einer Pressekonferenz in Düsseldorf fest.
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Bei Temperguss, Eisenguss und Stahlguss erreichten die deutschen Gießereien 2008 das Umsatzniveau des Vorjahres. Die Guss-Produktion legte dabei sogar um 5,3% zu. Dagegen ging sie bei NE-Metallguss um 8,0% zurück. Bei Gussteilen aus Nichteisen-Metallen sank der Umsatz im vergangenen Jahr um 9,4%. Insgesamt war die Branchenentwicklung in der Gießere-Industrie 2008 „noch auskömmlich“, resümierte Hans-Dieter Honsel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG), Düsseldorf, auf der Bilanz-Pressekonferenz.
Gussnachfrage im Automobil- und Maschinenbau stark gesunken
Damit konnten sich die deutschen Gießereien nach mehreren Rekordjahren in Folge nur teilweise auf Rekordhöhe mehr halten. Der Hauptgrund dafür lag im drastischen Nachfragerückgang nach Gussteilen im Fahrzeug- und Maschinenbau. Seit dem letzten Quartal 2009 sanken im Fahrzeugbau die Gussteile-Bestellungen um über 60% im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitrum. Im Maschinenbau ging die Nachfrage nach Gussteilen in diesem Zeitraum um fast 40% zurück. Diese Entwicklung hat sich im ersten Quartal 2009 fortgesetzt.
Bedingt durch steigende Stornierungen und den schwachen Odereingang ist der Auftragsbestand der deutschen Gießereien bereits stark „geschmolzen“. Als Ausweg auf die sinkende Guss-Produktion, besonders bei NE-Metallguss, wurden bereits auf breiter Front Zeitkonten und Urlaubstage genutzt. Kurzarbeit ist bei den deutschen Gießereien die Regel. Die Leiharbeiterquote wurde flächendeckend auf Null gefahren. Das Halten der Stammbelegschaft habe nun in den Gießereien oberste Priorität, erklärte Honsel. Sie werde jedoch nicht überall in vollem Umfang realisierbar sein.
Rekordwerte beim Guss mittelfristig nicht mehr erreichbar
„Die Spitzenwerte der vergangenen beiden Jahre bei Umsatz und Produktion wird die Gießereiindustrie mittelfristig nicht mehr erreichen können“, musste der Verbandspräsident eingestehen. Zu stark sei die Abhängigkeit von den beiden wichtigsten Branchen: dem Fahrzeug- und Maschinenbau. In beide Absatzmärkte gehen rund 75% der Guss-Produkte deutscher Gießereien.
Alle Prognosen aus dem Fahrzeug- und Maschinenbau signalisierten eine massiv geschrumpfte Guss-Produktion für das laufende Jahr, berichtete Honsel. Sie zeigten zum Beispiel, dass im Nutzfahrzeugbereich noch deutlich stärkere Rückschläge zu verkraften seien. Die Intensität, mit der die Gießereien von der wegbrechenden Guss-Nachfrage betroffen sind, variiert in Abhängigkeit von der Produktpalette und Kundensegmentierung sehr stark.
Gussteil-Produktion wird 2009 drastisch zurückgehen
Im ersten Quartal 2009 war die Gussteil-Produktion in allen Absatzmärkten rückläufig. Der am stärksten betroffene Bereich, der Fahrzeugbau verbuchte ein Minus von rund 50% im Vergleich zum ersten Quartal 2008. Dieser Negativtrend gilt werkstoff- und verfahrensunabhängig für den gesamten Fahrzeug-Guss. Die schrumpfenden Produktionsvolumina im Gießerei-Bereich sollten allerdings vor dem Hintergrund eines sehr starken Vergleichsquartals vergangenen Jahres betrachtet werden.
In diesem Jahr sei „eine drastisch unter dem Jahr 2008 liegende Gussteil-Produktion“ zu erwarten, räumte Honsel ein. Sie würde noch drastischer unter dem Niveau des Vorjahres liegen, wenn einzelne kleinere Absatzmärkte laut dem Verbandspräsident nicht stützend wirkten, wie der Anlagenbereich für Energieerzeugung, die Lebensmittel- und Medizintechnik. Auch der Schienenfahrzeugbau läuft im Segment Personenverkehr noch unverändert gut. Dagegen geht dem Landmaschinenbau – so Honsel – „auf hohem Niveau etwas die Luft aus“.
Gießer wollen Kopf nicht in den Sand stecken
Im Großanlagenbau sichern die bisher akquirierten Aufträge eine Auslastung bis Ende 2009. Außerdem sind vereinzelte Impulse im Bereich der Prototypenbaus zu verzeichnen. Daher hält Honsel nichts davon, „alles nur schwarz“ zu sehen: „Krisenfester werden Unternehmen, wenn sie durch ein hohes Forschungs- und Entwicklungstempo Lösungsansätze für ihre Kunden in marktfähige Produkte umwandeln können.“
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