Langbett-Drehmaschine Aus Alt wird Neu
Überholte und modernisierte Langbett-Drehmaschine ist wirtschaftliche Alternative zur neuen Maschine.
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Der scharfe nationale und internationale Wettbewerb zwingt Unternehmen ständig die mechanische Fertigung auf ihre Effizienz zu überprüfen. Folglich stehen dann auch die Investitionen selbst unter diesem Kosten-Nutzen-Vorbehalt. So war für den Pressenhersteller Müller Weingarten AG die General-Überholung und Modernisierung einer älteren Langbett-Drehmaschine durch die Mayer & Ott GmbH eine kostengünstige Alternative zu einer Neumaschine.Die Drehmaschine ist eine Wohlenberg-Maschine Baujahr 1975. Die Maschine hat einen Drehdurchmesser bis 1785 mm und eine Spitzenweite von 10000 mm. Das zulässige Werkstückgewicht zwischen den Spitzen beträgt 31 500 kg und bei Einsatz eines Rollenstützlagers 65 000 kg. Die Drehzahl der Planscheibe und die Vorschübe sind stufenlos regelbar. Die Erfassung der Vorschubwege erfolgt über Istwert-Anzeigen. Für die Herstellung von mehrstufigen Gewinden in Sonderausführung ist die Maschine mit einer Mehrfachgewinde-Teileinrichtung und einem Wechselradgetriebe ausgerüstet.Detaillierte Inspektion des Zustands der MaschineAls erste Maßnahme für die Modernisierung erfolgte eine detaillierte Inspektion des aktuellen Zustandes der Maschine und die Absprache mit dem Kunden über alle Maßnahmen der Überholung, Modernisierung und des Terminablaufs. Auf dieser Grundlage erhielt der Kunde das technisch und kaufmännisch detaillierte Angebot, auf Grundlage dessen wiederum der Auftrag erteilt wurde. Zunächst wurde die Großdrehmaschine im Werk des Kunden in die Baugruppen Bett (2-teilig, Länge 15 840 mm, Breite 1400 mm, Höhe 900 mm), Spindelstock mit Planscheibe, Support, Reitstock, Lünetten, hydraulische, pneumatische und elektrische Ausrüstung demontiert und in das Werk von Mayer & Ott transportiert. Dort wurden die einzelnen Baugruppen demontiert, alle Bauteile gründlich gereinigt und eine detaillierte Begutachtung des Zustandes der einzelnen Bauteile gemacht. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das Baugruppen-Retrofit festgelegt:- Bett: Die Führungsbahnen (Flach- und V-Führungen sowie Untergriffe) allseitig schleifen, danach die Stirnflächen des 2-teiligen Bettes zu den Führungen einschaben, verstiften und verschrauben. Die Zahnstangen sowie die Zugspindel mit Lagerung erneuern.- Spindelstock: Die Hauptspindel und das Getriebe komplett neu lagern, die Getriebeschmierung überholen. Die Planscheibe geometrisch justieren und zusätzlich mit einer Schutzhaube ausrüsten. Klauenkästen mit Spannbacken erneuern.- Reitstock: Die Führungen mit neuem Gleitbelag beschichten und anschließend auf die geschliffenen Bettführungen einschaben, die Pinole neu einpassen, die Lagerung der mitlaufenden Körnerspitze erneuern.- Support: Komplettschleifen der Plan- und Längszugführungen des Bettschlittens, Erneuern der Keilleisten für die Justage der Führungen, Einschaben des Obersupports auf die Planzugführungen, Abformen der Längszugführungen von den geschliffenen Bettführungen, Erneuern der Planzugspindel, der Getriebe für Längs- und Planzug sowie der Energieführungsketten.- Lünetten: Die Führungen neu beschichten und auf die geschliffenen Bettführungen einschaben. Die Lagerungen der Stützrollen erneuern.- Die komplette elektrische Ausrüstung erneuern. Nach dem Baugruppen-Retrofit wurde die Maschine komplett montiert, ausgerichtet und betriebsfertig installiert. Das schaffte die Voraussetzung, mit dem Kunden im Rahmen der Vorabnahme die Funktionen und die Genauigkeiten zu überprüfen. Ergebnis der Vorabnahme war die sofortige Lieferfreigabe.Nach der Endmontage im Kundenwerk erfolgte die Endabnahme: Alle Funktions-Tests verliefen ohne Mängel. Die Genauigkeiten wurden nach DIN 8607 geprüft: Die erreichten Werte lagen bei etwa 50% der zulässigen Toleranzen. Die Dauer der kompletten Generalüberholung von der Ausgliederung aus der Produktion bis zur Wieder-Inbetriebnahme belief sich auf vier Monate. Der gesamte Investitionsbedarf lag unter einem Drittel desjenigen einer Neu-Investition.Vor- und Fertigbearbeitung von GewindespindelnDie Maschine arbeitet seit der Wieder-Inbetriebnahme rund zwölf Monate im 2-Schicht-Betrieb für die Vor- und Fertigbearbeitung vor allem von Gewindespindeln mit mehrgängigem Sägegewinde mit einer Gewindetiefe bis 120 mm und einer Steigung bis 450 mm für den Einsatz in Schlag-Spindelpressen zur Massivumformung mit einer Presskraft bis 320 000 kN. Gemessen über diesen Zeitraum sind keine gravierenden Maschinenausfälle aufgetreten. Damit war fertigungstechnisch die Voraussetzung geschaffen, diese komplexen und für die Spindel-Pressen terminbestimmenden Teile mit der erforderlichen Genauigkeit und Produktionssicherheit kostengünstig herzustellen.
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Link: Mayer + Ott