Automatische Lagersysteme optimieren Lieferung von Langgut

Redakteur: MM

In einem Stahl- und Metallhandelsunternehmen sorgen das interne Materialflusssystem und die externe Logistik für eine schnelle Lieferfähigkeit. Wesentlichen Anteil daran haben automatische...

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In einem Stahl- und Metallhandelsunternehmen sorgen das interne Materialflusssystem und die externe Logistik für eine schnelle Lieferfähigkeit. Wesentlichen Anteil daran haben automatische Langgut-Lagersysteme. Die Systeme an zwei unterschiedlichen Standorten basieren jeweils auf dem Konzept des Wabenlagers und bestehen aus zwei Regalblöcken und einem in der Mitte fahrenden Regalbediengerät.Die Stahl- und Metallhandelsgruppe Carl Spaeter ist national ebenso wie über die Landesgrenzen hinaus als leistungsfähiger und zuverlässiger Partner für das Lager- und Streckengeschäft im Metallhandel bekannt. Allein in Deutschland gibt es 19 Standorte, die regional und überregional flächendeckend kleine und große Kunden versorgen. Mit den Produktlinien Walzstahl, Stahlrohre, Edelstahl, Aluminium, aber auch mit Kunststoffen, Rohrleitungen, Baubedarf, Haustechnik und Rohstoffen begegnet man termingerecht den steigenden spezifischen Bedürfnissen der Kundschaft.Dies kommt aber nicht von ungefähr: Die Geschäfte werden zum einen über ein ausgeklügeltes internes Materialflusssystem und die externe Logistik abgewickelt, zum anderen werden diese Logistikdienste noch durch umfassende Anarbeitungsleistungen ergänzt.Eine wesentliche Voraussetzung für die schnelle Lieferfähigkeit ist aber in jedem Fall die Bereithaltung ausreichender Mengen an so genannten ,,Schnelldrehern", die die Kunden laufend und in größeren Mengen bestellen, ebenso wie von ,,Langsamdrehern", die von den Kunden bedarfsorientiert in unregelmäßigen Zeitabständen oder in Kleinmengen geordert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kunden in vielen Fällen keine ganzen Stäbe oder Rohre mehr abnehmen wollen, sondern nur noch eine bestimmte Anzahl an Abschnitten eines Werkstoffs oder Halbzeugs beschaffen - und dies zu günstigsten Preisen, versteht sich.Für den Metallhandel bedeutet das, alle Qualitäten und Abmessungen nach Auftrag zunächst schnell und wirtschaftlich auszulagern, eventuell anzuarbeiten sowie nach getaner Kommissionierung wieder zurücklagern zu müssen. Sieht man das nun vor dem Hintergrund der umfangreichen Produktprogramme der einzelnen Spaeter-Betriebe, wird klar, dass dort jeweils vergleichsweise große und vor allen Dingen hochautomatisierte Material- oder Langgutlager vorhanden sein müssen.Das ist der Fall. Dafür sind die beiden Standorte Hannover und Duisburg exemplarisch. Partner für die automatischen Langgut-Lagersysteme ist in beiden Fällen das südwestdeutsche Unternehmen Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG aus Achern, das auf dem Gebiet der Metallsägetechnik und der Langgutlagerung tätig ist. In allen Industrieländern der Erde hat es bis heute rund 700 automatische Langgutlager und kombinierte Lager-Sägezentren installiert. Dank eines modularen Lagersystemkonzepts konnte man jeweils individuelle Lösungen realisieren, die jedoch grundsätzlich auf standardisierten Komponenten basieren. Damit ist von der Planung an über den Anlagenbau bis hin zur späteren Wartung eine hohe Wirtschaftlichkeit gegeben.Zwei Regalblöcke liegen einander gegenüberDeutlich wird dies an den beiden Spaeter-Standorten Hannover und Duisburg. In Hannover kam ein automatisches Langgut-Lagersystem vom Typ Unigrip zur Ausführung, dagegen entschieden sich die Planer am Standort Duisburg für ein automatisches Langgut-Lagersystem vom Typ Unicompact. Grundsätzlich basieren beide Systeme auf dem Konzept des Wabenlagers und bestehen aus zwei gegenüberliegenden Regalblöcken und einem in der Mitte fahrenden Regalbediengerät (RBG). Der wesentliche Unterschied liegt in den verschiedenen Bauhöhen der Systeme und Traglasten der Regalbediengeräte.So werden die Unigrip-Systeme bis zu einer Höhe von 12 m gebaut und das Regalbediengerät nimmt Traglasten von 1 x 3 beziehungsweise von 2 x 1,5 t auf. Die Unicompact-Lagersysteme dagegen bauen bis 26 m hoch und die dort eingesetzten Regalbediengeräte sind für Traglasten bis zu 2 x 5 t ausgelegt. Weil neben schnellen Zugriffen auch hohe Effizienz gewünscht wird, können die Regalbediengeräte beider Bauarten wahlweise mit Einzel- oder Doppelauszugseinrichtungen für das Kassettenhandling ausgerüstet werden. Für eine hohe Dynamik erhalten beide Varianten leistungsfähige Antriebssysteme.Das Langgutlager in Hannover kann sowohl ,,normale" Standardkassetten als auch so genannte Großkassetten handhaben und transportieren. Dieses Langgutlager ist für Einlagerlängen bis maximal 6800 mm ausgelegt und weist insgesamt 1200 Lagerplätze auf. Davon sind 720 Standardkassetten in den Maßen 600 mm x 300 mm x 6800 mm und 480 Großkassetten mit den Maßen 600 mm x 450 x mm x 6800 mm (Breite x Höhe x Länge). Die Kapazität je Lagerplatz beträgt 1650 kg, gerechnet für 150 kg Leergewicht der Lagerkassette plus 1500 kg Warengewicht.Dass es in diesem Langgutlager wirklich zur Sache geht, verdeutlicht die Forderung der für den Lagerbetrieb verantwortlichen Mitarbeiter des Handelsunternehmens, die lautet, 43 Doppelspiele je Stunde an der Umlaufbahn (Ein-und Auslagerstation der Kassetten) im kontinuierlichen Betrieb zu erreichen. Weil die Kassetten bei Bedarf mit Einlegeblechen und mit Kassetten-Längs- und Querteilern versehen werden können, lässt sich die Anzahl der zu lagernden Positionen - ausgehend von den 1200 Lagerplätzen - um ein Vielfaches steigern.Das Langgut-Lagersystem in Hannover hat eine Höhe von fast 11 m bei einer Länge von 34,5 m und einer Breite von 23 m. Auf diesem kompakten Raum ist das Lagern von einigen Tausend verschiedenen Positionen möglich, so dass der Standort Hannover mit einem breiten Lieferprogramm auf die Kundenwünsche eingehen kann.Frequenzgeregelte Antriebe sorgen für DynamikFür die gewünschte Dynamik beim Ein- und Auslagern und somit dem Kommissionieren ist das Regalbediengerät mit frequenzgeregelten Drehstromantrieben ausgerüstet, die stufenlos regelbare Längs-Verfahrgeschwindigkeiten von 2,0 bis 80 m/min erlauben. Im Hubwerk sind es 2,0 bis 24 m/min. Die Kassetten-Auszieheinrichtung arbeitet mit Geschwindigkeiten von 2 bis 60 m/min. Das Vor- und Rücklagern der Kassetten geschieht über eine Umlaufstation, die an der Regalblock-Stirnseite angeordnet ist und zum Kommissionieren fünf Vorlagerplätze, einen Entnahmeplatz, einen Beladeplatz und vier Rücklagerplätze aufweist. In die Ein- und Auslagerplätze ist jeweils eine Mehrteilungs-Wiegeeinrichtung eingebaut, die gewogenen Gewichte werden auf einem Großziffern-Display angezeigt.Vereinfacht ausgedrückt, ist bei den Kollegen in Duisburg das alles um ein paar Nummern größer ausgefallen. Dabei mussten auch noch bauliche Belange berücksichtigt werden. So bietet das dortige Langgutlager auf 23 m x 22,5 m x 18 m (Länge x Breite x Höhe) insgesamt 1404 Lagerkassetten Platz, die sich in 975 Standardkassetten und 429 Großkassetten aufteilen. Die Einlagerlänge von 6800 mm und die Maße der Standard- und Großkassetten sind identisch mit denen des Lagers in Hannover, allerdings bieten diese Kassetten Traglasten bis maximal 2000 kg.Folglich ist auch die Traglast je Lagerplatz erhöht. Sie beträgt in diesem Fall 150 kg für die Langgutkassette plus 2000 kg für das Warengewicht, also insgesamt 2150 kg. Des Weiteren forderten die Duisburger Kollegen 45 Doppelspiele je Stunde an der Umlaufstation (Ein- und Auslagern).Die Leistungsdaten bezüglich der Längs-Verfahrgeschwindigkeit des Regalbediengeräts und der Kassetten-Auszieheinrichtung sind mit denen des Lagersystems in Hannover identisch, dagegen werden im Hubwerk mit maximal 50 m/min fast doppelt so hohe Geschwindigkeiten erreicht. Dies ist bei der dortigen Bauhöhe von großem Vorteil, weil dadurch die Handlingzeiten deutlich reduziert werden und damit auch die 45 Doppelspiele je Stunde ermöglicht werden. Das Ein- und Auslagern geschieht ähnlich wie in Hannover über eine stirnseitig am Regalblock angeordnete Umlaufstation.Auch dort sind zur Kontrolle elektromechanische Mehrteilungs-Wiegeeinrichtungen mit einer Großziffern-Gewichtsanzeige installiert. Zusätzlich ist aber noch ein pendelfreies Kommissioniergerät vorhanden, das Metallstäbe bis zu einer Länge von 6800 mm und einem Gewicht von 600 kg aufnehmen und transportieren kann. Damit wird das Kommissionieren nochmals optimiert, was schließlich auch zur Realisierung der zugesagten 45 Doppelspiele je Stunde beiträgt. Kapazitäten und Leistung sind vorhanden und sollten auch möglichst im Mehrschichtbetrieb abgefordert werden, um mehr Wettbewerbskraft zu erreichen.

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