Excelbasierte Zeitberechnungen für Arbeitsgänge sind fehleranfällig. Werden sie anschließend manuell in SAP übertragen, leidet die Transparenz. Flender setzt deshalb auf eine Softwarelösung, mit der die Vorgabezeitermittlung automatisiert in SAP durchgeführt werden kann.
Mit HSplan konnte Flender die Qualität der Zeitvorgaben optimieren und das Delta zwischen Soll- und Ist-Zeiten senken.
(Bild: Flender)
Der Maschinenbauer Flender blickt auf eine 120-jähriger Tradition in der mechanischen und elektrischen Antriebstechnik für der Rohstoffgewinnung zurück. Das Unternehmen beschäftigt derzeit über 8.700 Mitarbeitenden in 33 Ländern. 2001 ist kam mit Winergy eine Sparte hinzu, die die speziellen Anforderungen der Windindustrie abdeckt. Hierfür liefert der Hersteller Getriebe, Kupplungen, Generatoren und Komponenten, die neben Windkraftanlagen auch in zahlreichen Bereichen der Industrie zum Einsatz kommen, wie etwa in Zement- und Papierfabriken, in der Rohstoffverarbeitung oder in der chemischen Industrie.
Am Standort in Penig werden Industriegetriebe entwickelt, gefertigt und montiert. Sie kommen beispielsweise in Förderbändern für den Kohleabbau in der Region zum Einsatz. Für die Arbeitsplanung im Werk Penig kommt SAP zum Einsatz. „Früher wurden Zeitberechnungen einer Matrix auf Papier entnommen und manuell in den Arbeitsplan eingetragen“, blickt Marco Wya, Leiter Toolmanagement bei Flender in Penig, zurück. Dann erfolgte der Umstieg auf Excel: Bis vor Kurzem wurden in einer eigens erstellten Tabelle berechnete Zeitwerte manuell in den SAP-Vorgang übernommen. „Das Problem dabei war, dass die Rechnungen einmalig ausgeführt wurden und die Werte nach der Übertragung in SAP weg waren“, berichtet Marco Wya. Sollte ein Zeitwert optimiert werden, musste alles erneut in die Tabelle eingetragen werden und der Änderungsaufwand war hoch. „Diesen Prozess wollten wir verbessern und haben uns auf die Suche nach einer Softwarelösung gemacht, die unsere Anforderungen abbilden konnte.“
Alleinstellungsmerkmal Technologiebasis
Ziel bei der Softwaresuche war es, dass Berechnungen für die Arbeitsplanung für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit wieder aufrufbar sein sollten. Außerdem sollte die gesuchte Funktion über eine Massendatenänderung verfügen, sodass Änderungen, etwa bei neuen Werkzeugen oder höheren Schnittwerten, automatisiert für alle Berechnungen übernommen werden konnten. Für die Suche nach einem passenden Lösungsanbieter verglichen die IT-Experten verschiedene am Markt verfügbare Tools. Die Entscheidung fiel schließlich auf HSplan/IS SAP, eine Lösung für die SAP-integrierte Ermittlung von Vorgabezeiten für eine transparente und exakte Arbeitsplanung direkt in SAP. Die Erfurter IT-Spezialisten für Maschinenbaulösungen von HSI seien stark im Bereich der Planzeitvorgabe, so Marco Wya. „Der große Vorteil im Vergleich zu anderen Lösungen ist die Technologiebasis mit vordefinierten Zeitwerten für verschiedene Fertigungsverfahren, wie zum Beispiel Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen, Sägen, Verzahnen, Nutenziehen oder Montieren.“ Diese lassen sich ohne eigenen Programmieraufwand bereits nutzen und flexibel an die jeweiligen Anforderungen im Unternehmen anpassen. „Wo ich bei den meisten anderen Lösungen am Markt umfangreiche personelle Ressourcen und IT-Know-how einbringen muss, um sie an die Fertigungsschritte in meinem Unternehmen anzupassen, ist die Technologiebasis das entscheidende Alleinstellungsmerkmal von HSI“, erklärt Marco Wya.
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Qualität der Zeitvorgaben optimieren
Seit knapp drei Jahren kommt das Tool in Penig zur Planzeitermittlung für die mechanische Fertigung im SAP-Normalarbeitsplan sowie im Fertigungsauftrag zum Einsatz. Dabei war die Implementierung schnell erledigt. „Wir haben wenig IT-Support benötigt, weil unser Fachbereich die Regeln anhand der selbsterklärenden Benutzerführung ausgestalten und anpassen konnte. Das hilft uns heute, schnell und flexibel zu planen“, sagt Marco Wya. So konnte das Unternehmen den Planungsaufwand je Vorgang reduzieren, die Qualität der Zeitvorgaben optimieren und das Delta zwischen Soll- und Ist-Zeiten senken. „Das liegt daran, dass wir die Zeitdaten heute genauer pflegen können. Wir haben die Lösung so eingerichtet, wie wir Fertigung leben: Die HSI-Lösung ermittelt die Ratio-Effekte und speichert diese für eine Report-Auswertung in der SAP-Datenbank. Dadurch werden über alle Bearbeitungsprozesse die Einsparungen sichtbar gemacht“, erläutert er. So können Optimierungen von Kollegen über die Massendatenänderung eingespielt und das Ergebnis der Neuberechnung ausgewiesen werden. Das komme derzeit vor allem bei NC-Arbeitsplätzen zum Einsatz, in Zukunft soll es aber für alle Berechnungsbausteine zur Anwendung kommen. Bei der Planzeitqualifizierung auf Basis von NC-Daten erzeugen die Arbeitsplaner bei Flender die Hauptzeiten im CAM-Programm. Neben- und Rüstzeiten werden über die HSI-Lösung automatisiert, ergänzt.
Automatisiert berechnete Planzeiten in SAP übernehmen
HSplan/IS SAP dockt an die Arbeitsplanung von SAP an und ergänzt sie um die Funktion der Plan- und Vorgabezeitermittlung. Die Arbeitsplaner definieren dabei in SAP ihre Vorgangsfolge. Die HSI-Anwendung ergänzt je Vorgang die Unterebene der Arbeitsstufen, welche vom Arbeitsplaner aus der Vorgangsübersicht über die Symbolleiste aufgerufen wird. Dort bietet die Lösung arbeitsplatzbezogene Berechnungsabläufe an. Sobald ein Berechnungsablauf ausgewählt und die Parameter in einer separaten Eingabemaske eingegeben sind, erfolgt die Abarbeitung der Regellogik auf dem HSI-Server. In den Arbeitsstufen werden die berechneten Haupt-, Neben- und Rüstzeiten sowie die generierten Texte gespeichert. Nach Verlassen des Stufeneditors gelangen die Planer zurück in den Vorgang. Die berechneten Planzeiten werden automatisiert in die SAP-Zeitfelder für Rüst-, Maschinen- und Personalzeit in allen relevanten Arbeitsplänen übernommen. Gleichzeitig wird zur Erhöhung der Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Vorgang ein Zeitkennzeichen gesetzt, was den Ursprung der Planzeiten sofort für den Anwender ersichtlich macht. Eine manuelle Eingabe in die Vorgangsfelder entfällt.
Die vordefinierten Verfahrensbausteine in HSplan/IS SAP ziehen aus dem Materialstamm in SAP die Daten, die zur Berechnung benötigt werden. So verwendet etwa die automatisierte Sägezeitberechnung bei Flender die verfügbaren Stammdaten in SAP automatisiert zur Berechnung der Sägezeit. „Dabei gilt: Je mehr Daten, desto mehr können wir automatisieren. Und das ist unser Ziel“, blickt Marco Wya in die Zukunft der Fertigung bei Flender. Dabei handele es sich beim Sägen um einen im Vergleich zu einem BAZ weniger komplexen Prozess. Das werde bei mehr Konturen, die mehr Inputdaten benötigen, komplizierter. Im engen Austausch mit HSI sei man inzwischen auf einem guten Weg, auch die Produktentwicklung mit Planzeiten zu unterstützen: Angedacht ist, anhand der Geometriedaten des Produkts und anhand der Bauteiledefinition mit der neuen Funktion HSgen die Fertigungszeit zu ermitteln. Dabei wird ein Großteil der Planzeiten automatisiert ohne manuelle Eingabe im Hintergrund erhoben. Ziel ist dabei die effektivere Gestaltung der Fertigung anhand schlankerer Prozesse in der Arbeitsvorbereitung.
Stand: 08.12.2025
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Möglich macht die unternehmensspezifische Anpassung der Module ein enger Austausch mit den Softwarespezialisten: „Wir setzen in der Softwareentwicklung auf jährliche Arbeitsgruppentreffen mit unseren Anwendern zur Optimierung der Arbeitsplanung nach definierten Aufgabenstellungen“, erläutert Andreas Heß, Geschäftsführer von HSi. Ziel sei es, Planzeiten zu rationalisieren, Funktionen weiterzuentwickeln und Ideen aus der Praxis in die Softwareentwicklung aufzunehmen. Auch die Arbeitsplaner von Flender empfinden diesen Austausch als wertvoll: „Derzeit tüfteln wir an der Ausweitung der Arbeitsplanungsfunktionen auf unsere Montage. Dort arbeiten wir stücklistenbasiert mit Standardarbeitsplänen, die unsere Arbeitsplaner manuell in Fertigungspläne umwandeln. Das soll künftig HSmont als automatisierte und datenbankbasierte Montageplanung übernehmen“, stellt Marco Wya in Aussicht. Nächstes Ziel sei es, auch Montagezeiten automatisiert zu ermitteln und so stets für die Fertigungsanforderungen zukünftiger Produktentwicklungen gerüstet zu sein.
* Silvia Funke ist freie Fachjournalistin aus Leipzig.