Der Zulieferer konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz steigern. Die Umsatzrendite ist aber deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dafür machen die Gesellschafter unter anderem die Mitarbeiter verantwortlich.
Brose-Standort in Coburg.
(Bild: Brose)
Brose hat nach mehreren Jahren der Stagnation im Geschäftsjahr 2022 den Umsatz auf 7,5 Milliarden Euro steigern können. Laut einer Mitteilung des Zulieferers ist dies jedoch auf das Gemeinschaftsunternehmen mit VW zurückzuführen. Brose Sitech wurde im Jahr 2021 gegründet. Gut die Hälfte des Umsatzes der Brose Gruppe hat das Unternehmen in Europa erwirtschaftet. Auf Amerika und Asien entfallen 27 Prozent beziehungsweise 21 Prozent.
Wie der Zulieferer mitteilt, ist die Umsatzrendite mit 1,1 Prozent „auf einem absolut unbefriedigenden Niveau“. Die Gesellschafter des Familienunternehmens legen großen Wert auf eine unabhängige Finanzierung des Geschäftsbetriebs. Dies sei nun erstmals nicht mehr möglich gewesen. Brose habe in einem „beachtlichen Ausmaß“ Bankkredite aufnehmen müssen.
Hohe Fluktuation, hohe Lohnkosten
Gründe dafür werden einige genannt: Allen voran die Motivation der Mitarbeiter lasse zu wünschen übrig, heißt es in einer Freitagabend versendeten Mitteilung. Die Verantwortlichen bei Brose machen das, wie es heißt, an einer außerordentlich hohen Fluktuation fest. Eine konkrete Zahl wird nicht genannt.
Nachdem die Botschaft über das Wochenende für viel Aufregung sorgte, ist die Geschäftsleitung um Ulrich Schrickel bemüht, die Wogen zu glätten. Die Formulierung sei ein „bedauerliches Missverständnis“, heißt es in den Lokalmedien am Firmensitz in Coburg und im nahe gelegenen Bamberg. Die Gesellschafter von Brose sehen die Geschäftsführung des Zulieferers in der Verantwortung, für ein besseres Arbeitsklima zu sorgen.
Die Gesellschafter erwarten insbesondere von der Belegschaft in Deutschland eine „deutlich überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit“. Nach eigenen Angaben arbeiten fast ein Drittel der 31.000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten. Diese hätten seit vier Jahren kein positives Ergebnis erwirtschaftet. Trotzdem habe der Zulieferer den Abschluss der Metallindustrie in vollem Umfang übernommen – auch an den nicht tarifgebundenen Standorten in Bamberg und Coburg.
Stellenabbau abgeschlossen
Ende 2020 hat Brose einen größeren Stellenabbau angekündigt. 2.000 Arbeitsplätze vielen diesem Programm an fünf deutschen Standort zum Opfer. In Wuppertal soll das Werk zum Jahresende 2024 komplett geschlossen werden. Knapp die Hälfte der Stellen soll durch Altersteilzeitverträge oder nichtbesetzte frei gewordene Stellen erreicht worden sein. Wie einzelne Mitarbeiter von Brose gegenüber »Automobil Industrie« mitteilten, seien in manchen Abteilungen Leistungsträger freiwillig in den Vorruhestand gegangen. Da die Stellen nicht neu besetzt wurden, sei die Arbeitsbelastung stark gestiegen und die Stimmung in der verbliebenen Belegschaft gesunken.
In der Mitteilung von Brose heißt es: „Viele Beschäftigte wünschen sich wieder die persönliche, unbürokratische und pragmatische Arbeitsweise eines Familienunternehmens.“
Wettbewerbsnachteil ausgleichen; Blick auf die Rendite
Ein weiterer Kostentreiber seien Logistikprobleme gewesen. Der durchschnittliche Lagerbestand sei auf 32 Arbeitstage gestiegen. Jeder Tag binde rund 20 Millionen Euro.
Die gestiegenen Löhne führen zu Kostennachteilen gegenüber den Wettbewerbern, teilt Brose mit. Gesellschafter und Beirat des Unternehmens haben die Geschäftsführung deshalb aufgefordert, die Entscheidungsabläufe und die Organisation deutlich zu verschlanken. Es müssten nicht nur die Kosten in Produktion, Logistik und Administration gesenkt werden, sondern bei Neuprojekten müsse mehr als bisher auf die Rendite geachtet werden. Unrentable Geschäfte sollen beendet werden.
Ausblick 2023: Mehr Umsatz, mehr Invest, neue Gesellschaftsform
Außerdem soll die Brose Gruppe künftig in eine europäische Gesellschaftsform („SE“) überführt werden. Das soll das Unternehmen kapitalmarktfähig machen. Welche Pläne damit verbunden sind, teilte der Zulieferer nicht mit.
Für das laufenden Jahr erwartet die Geschäftsführung einen Gruppenumsatz von 8,6 Milliarden Euro und eine Stabilisierung der weltweiten Fahrzeugnachfrage. Nach Investitionen von gut 330 Millionen Euro im Jahr 2022 genehmigten Gesellschafter und der Beirat für das laufenden Geschäftsjahr Investitionen in Höhe von gut 420 Millionen Euro. Damit sollen Kapazitäten in Produktion und Verwaltung im europäischen Ausland, in China, Nordamerika und Deutschland geschaffen werden.
Stand: 08.12.2025
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