Stahlmarkt Bayerische Genossenschaften mischen im Stahlhandel kräftig mit
Kaufbeuren (jk) – Der Stahlmarkt boomt. Das immense Wirtschaftswachstum in China und Indien kurbelt die Nachfrage nach Stahl kontinuierlich an. Im ersten Halbjahr 2007 wurden weltweit 650 Mio. t Stahl erzeugt, ein Plus von 8%. „Es ist ein Wahnsinn, was auf dem Markt derzeit los ist“, sagt Bernd Willnecker, Geschäftsführer der Stahllager Kaufbeuren eG.
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Das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder: In den letzten beiden Jahren ist Stahl um 20%, Nichteisen-Metalle wie Kupfer sogar um 50 bis 60% gestiegen.
Das Stahllager Kaufbeuren ist eine von zwei bayerischen Genossenschaften, die auf dem boomenden Markt kräftig mitmischen. Bei der anderen Genossenschaft in Bayern handelt es sich um die Metalleinkauf eG, Nürnberg: ein Fachgroßhandel, das 360 Mitglieder des metallverarbeitenden Handwerks bedient und dabei mit 19 Mitarbeiter im vergangen Jahr 3,85 Mio. Euro umgesetzt hat: 10% mehr als im Jahr zuvor.
Stahlhändler sehen Boom nicht nur positiv
Allerdings sieht Metalleinkauf-Geschäftsführer Wilhelm Schroft diesen Boom nicht nur positiv: „Wenn Stahlprodukte immer teurer werden, wollen sich Endverbraucher das irgendwann nicht mehr leisten.“ Ohnehin bleibt nach seiner Erkenntnis von den höheren Preisen beim Großhandel nicht viel hängen: „Es tobt ein harter Wettbewerb, die Margen sind eng.
Das Stahllager Kaufbeuren beliefert vor allem Werkzeug- und Formenbauer. Es hat 46 Mitglieder. Sie ordern Werkzeug- und Edelstahl, Aluminium und Nichteisen-Metallen wie Kupfer – in Form von Stangen mit 3 bis 6 m Länge und 4 bis 400 mm Durchmesser, die nach Bedarf zugeschnitten werden.
In jüngster Vergangenheit haben die drei Mitarbeiter der Genossenschaft den Umsatz um durchschnittlich etwa 100000 Euro im Jahr gesteigert. Im vergangenen Jahr betrug er 600000 Euro, in diesem Jahr erwartet Geschäftsführer Willnecker 700000 Euro.
Umsatzsteigerung auch durch besseres Angebot
Er führt diesen Boom auch auf eine strategische Umorientierung des Stahllagers Kaufbeuren zurück: „Wir haben uns auf Schnelligkeit und individuelle Lösungen spezialisiert.“ So grenzt man sich strikt von Massenanbietern ab. Man habe in der Nische das Auskommen gefunden.
Das macht Willnecker an einem Beispiel deutlich: „Bei einem Kunden ging eine Maschine kaputt, in kurzer Zeit mussten einige kleine Metallteile ersetzt werden.“ Der Kunde hat die Teile beim Stahllager bestellt. Dort legten die Mitarbeiter eine Nachtschicht ein und schnitten die Metallstangen zu. Willnecker: „Der Werkmeister des Kunden war dabei, packte die Scheiben noch warm ein, fuhr zurück in seinen Betrieb, fräste und härtete sie.“ Am nächsten Tag war die Maschine repariert. Beim Kunden konnte die Produktion weitergehen.
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