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Dortmunder Kolloquium zum Rohr- und Profilbiegen

Bessere Rohrumformung bei kleineren Stückzahlen

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Ein Beispiel ist der Werkzeugwechsel – hier müssten bei Transfluid-Maschinen nur die Klemmstücke ausgewechselt werden, was die Folgekosten reduziere. Auch bei den Robotern an den Rohrumformmaschinen gebe es Vereinfachungen, sie könnten jetzt ihre Daten selbst laden und müssten nicht mehr programmiert werden. „Die Robotersteuerung können Sie abklemmen“, meinte Nöker dazu.

Neu ist in seinem Angebot auch das CNC-Rollieren einschließlich spanlosem Trennvorgang, vorausgesetzt, es handelt sich um ein rotationssymmetrisches Rohr. „Wir können CNC-gesteuert das Material in die Spitze der Umformung schieben, damit möglichst wenig Materialverlust da ist“, erläuterte der Transfluid-Geschäftsführer. Dabei kann der Kunde in der Sequenzsteuerung alle Schritte beeinflussen und muss nicht in die Programmierung hineingehen.

Industrie 4.0 wird beim Rohrbiegen immer konkreter

Auch Industrie 4.0 ist für Nöker bereits ein konkretes Thema. „Wir beschäftigen uns relativ intensiv damit, weil wir einige Kunden haben“, berichtete er. Beispielsweise muss nach 100.000 Biegevorgängen das Werkzeug ausgetauscht werden. Die Kunden wollen laut Nöker, dass die Maschine das selbst bestellt. Zudem könne sie auch selbstständig den Service anfordern, wenn es Probleme mit der Produktqualität wie Ziehriefen oder Kaltaufschweißungen gibt.

Die Aufgabe der Mitarbeiter wird durch Industrie 4.0 ebenfalls vereinfacht. „Die Maschine erkennt die richtige Werkzeugbestückung, stellt damit dann die richtigen Prozessparameter ein und stellt auch das Produkt selbst her“, erläuterte der Transfluid-Geschäftsführer, räumte aber ein, dass vielleicht noch chargenabhängig nachgebessert werden muss. Immerhin sei keine Fehlrüstung mehr möglich.

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Für Dr. Christian Gerlach, Geschäftsführer von Tracto-Technik, stand Industrie 4.0 ebenfalls oben auf der Agenda. Das Unternehmen versucht bereits seit geraumer Zeit, Maschinen, Messtechnik und Software in verschiedenen Kombinationen und Ausbaustufen zu einer Strategie namens Pipe Bending Systems zu verzahnen. Dabei wurde für Gerlach deutlich: „Manche sind schon im Zeitalter der Industrie 4.0, andere noch längst nicht.“

Wenn ein Unternehmen annähernd Einzelstücke produziert, ist der einzelne Biegeprozess nicht der entscheidende Faktor, wie der Tracto-Technik-Geschäftsführer weiter erläuterte. Die Frage sei vielmehr: Wie gut ist die gesamte Wertschöpfungskette? „Es geht darum, die Daten und die Logistik in die richtigen Wege zu leiten, um das einzelne Produkt zu bekommen“, sagte Gerlach. „Industrie 4.0 bedeutet: Wir haben eine neue Stufe erreicht, was die Organisation und Steuerung von Wertschöpfungsketten angeht, über den gesamten Produktlebenszyklus.“ Dazu müssen alle Daten der Wertschöpfungskette in Echtzeit zur Verfügung stehen, um eine Optimierung zu jeder Zeit in der Wertschöpfungskette vornehmen zu können – eine sehr hohe und sehr komplexe Aufgabe.

Vernetzte Rohrfertigung braucht durchgängigen Datenfluss in Echtzeit

Übersetzt bedeute das für das Grundkonzept der vernetzten Rohrfertigung: Von der Konstruktion bis zum einbaufertigen Rohr müsse ein durchgängiger Datenfluss in Echtzeit verfügbar sein. Die logische Verknüpfung von technischen und organisatorischen Daten ermöglicht eine Optimierung des Gesamtprozesses, wobei alle Daten nur ein Mal im System vorhanden sind – Redundanzen sind als Fehlerquellen zu vermeiden. Im Ergebnis erwartete Gerlach eine Verkürzung der Durchlaufzeiten, Einsparung von Arbeitszeit sowie die Vermeidung von Doppelarbeit und Fehlern. Um das umsetzen zu können, müssen die Anwender freilich erst einmal ihre Hausaufgaben machen. „Wer den Schritt zu Industrie 4.0 machen will, muss einen hohen Standard in der IT-Infrastruktur und in der Arbeitsstruktur haben“, forderte Gerlach die Rohrbearbeiter auf.

Umgesetzt werden kann die vernetzte Rohrfertigung mit einer einfachen Struktur über eine Client-Server-Installation: Alle Daten werden im Konzept von Tracto-Technik auf einem zentralen Server gespeichert, der Zugriff auf die Daten erfolgt von mehreren dezentralen Rechnern aus Konstruktion, Arbeitsvorbereitung oder Produktionsleitung, aber auch von den Biegemaschinen selbst. Zur Prozessintegration werden Daten aus CAD und Messsystemen sowie zusätzliche, in der Maschinensprache generierte Daten im Fertigungsmanagementsystem Pipefab zusammengeführt. „Die Informationen müssen alle hin- und zurückfließen, damit kann die ganze Prozesskette überschaut und direkt eingegriffen werden, wenn der Prozess irgendwo nicht wie vorgesehen läuft“, erläuterte Gerlach.

Doch damit ist für ihn das Konzept Industrie 4.0 noch nicht zu Ende gedacht: „An sich müsste man nach der Definition alles herunterbrechen auf den Produktlebenszyklus eines Rohres.“ Dies sah er als eine kommende Aufgabe in nächster Zeit, wobei noch Punkte wie Instandhaltung, Inbetriebnahmen oder Montagen hinzugefügt werden müssen.

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Über den Autor

 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt