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Seit dem Jahr 2000 forschte die ASA Spezialenzyme, Wolfenbüttel, bei dem Thema mit und etablierte ein zum Medizinprodukt alternatives fermentiertes Siderophor, mit dem Ergebnis, dass heute das Unternehmen biologische Entrosterprodukte anbieten kann, die noch bezahlbar sind. Die Entrostungsprodukte werden je nach Anwendung auf hautfreundliche pH-Werte eingestellt und sind biologisch abbaubar. Bei Würth in Künzelsau heißt das Produkt schlicht Rost-Ex-Gel.
Biologischer Entroster ist eine effiziente und umweltschonende Alternative
Der auf Basis eines Medizinprodukts entwickelte biologische Entroster ist eine effiziente und umweltschonende Alternative zu den herkömmlichen Entrostungsverfahren auf Mineralsäurebasis. Werkstücke können innerhalb von 3 min nach dem thermischen Entgraten bei einem pH-Wert von 5,5 vollständig gereinigt werden. Untersuchungen eines renommierten Prüfinstituts im Jahr 2000 hatten ergeben, dass das Produkt im Vergleich zu vier getesteten konventionellen Reinigern die Oberflächen schneller, sauberer und ohne Materialangriff reinigte.
Ein Anwendungsbeispiel findet sich bei Borg Warner Drive Systems, Manufacturing Engineering Europe. Der Automobilzulieferer verwendet in der Fertigung in Ketsch bei Mannheim eine Ultraschalltauchwanne mit einem biologischen Entroster:
Für die Behandlung mit dem Produkt der Firma ASA Spezialenzyme GmbH wurden zum Teil sehr stark verrostete Komponenten von Torsionsschwingungsdämpfern, Automobilfreiläufern oder Bremsscheiben ausgewählt. Der Entrostungsprozess wurde in einem Ultraschallbad, gefüllt mit warmem Leitungswasser und ASA-Bio-Derosta durchgeführt. Abhängig vom Verrostungsgrad konnte in einer Behandlungszeit von 3 bis 13 min der vorhandene Rost komplett entfernt werden. Durch das nachfolgende Spülen, Aufbringen von Rostschutzmittel und Trocknen mit Heißluft konnte die für die Serienproduktion geforderte Qualität der Komponenten erreicht werden (Bild 10 und 11).
Mittel zur biologischen Entrostung haben ihre Nische gefunden
Auch Harald Holder, ein Restaurator von Oldtimer-Teilen aus Stuttgart, experimentierte zuhause mit Zylindern von nicht mehr lieferbaren Porschemotoren, die neu und nie verbaut, jedoch durch miserable Lagerung vergammelt waren. Nach gründlichem Entfetten mit Spezialbenzin wurden die Zylinder zwischen circa 12 und 18 h in ein Bad mit ASA-Bio-Derosta L-3 gelegt und mäßig bewegt. Danach wurden die Roststellen abgebürstet, gepinselt und abgetrocknet. Bild 22 zeigt den Zustand vorher und nachher.
Die (molekular-)bionische Entwicklung eines biologischen Entrosters, den man nach allen Kriterien als nachhaltig bezeichnen darf, hat somit seine Marktnische gefunden. Große Beizbadvolumen, wie man sie bei der Feuerverzinkung kennt, werden dadurch nicht substituiert werden können. Doch bei speziellen, kleinskaligen Problemen, insbesondere dort, wo Handarbeit gemacht wird, dürfte das bionisch-biologische entwickelte Produkt eine Alternative zur konventionellen Entrostungschemie sein.
Literatur
- [1] Schlegel, Hans G. (1987): Allgemeine Mikrobiologie. Stuttgart: Thieme
* Prof. Peter M. Kunz ist Leiter des Instituts für Biologische Verfahrenstechnik an der Hochschule Mannheim
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