Zurück zu „Mama“ Boeing-Konzern holt Zulieferer Spirit wieder zu sich

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Vom Zulieferer Spirit kommt der Rumpf von Boeings Bestseller 737. Spirit war einst Teil des Konzerns und soll es bald wieder sein, wie die dpa erfahren hat.

Spirit Aerosystems, unter anderem Hersteller von Flugzeugrümpfen, wurde einst aus dem Boeing-Konzern ausgegliedert. Das habe zu den bekannten Problemen geführt, unter denen Boeing derzeit leide. Jetzt holt man Spirit zurück, sieht sich aber auch mit Klagen konfrontiert.(Bild:  Spirit)
Spirit Aerosystems, unter anderem Hersteller von Flugzeugrümpfen, wurde einst aus dem Boeing-Konzern ausgegliedert. Das habe zu den bekannten Problemen geführt, unter denen Boeing derzeit leide. Jetzt holt man Spirit zurück, sieht sich aber auch mit Klagen konfrontiert.
(Bild: Spirit)

Der bekanntlich kriselnde Flugzeugbauer Boeing holt laut einem Medienbericht den wichtigen Zulieferer Spirit Aerosystems wieder zurück unter das Konzerndach. Schon länger werde kritisiert, die Abspaltung der einstigen Boeing-Sparte habe es schwer gemacht, die Qualitätsstandards einzuhalten. Das könnte eine Antwort auf die derzeitigen und vergangenen Probleme sein. Boeing zahle den Kaufpreis in Form von Aktien. Spirit werde bei dem Deal mit rund 4,7 Milliarden Dollar bewertet, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Boeing übernimmt wohl auch 3,5 Milliarden an Spirit-Schulden, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Der Deal sei gestern festgezurrt worden.

Abspaltung führe zu Kontrollverlust und Problemen

Bei Spirit wird, wie eingangs schon erwähnt, unter anderem der Rumpf von Maschinen des Typs Boeing 737 gebaut. Das 2005 von Boeing abgespaltene Unternehmen produzierte nach späteren Zukäufen auch Teile von Tragflächen für Airbus. Dafür musste zuvor noch eine Lösung gefunden werden, bevor Boeing sich Spirit wieder einverleiben konnte. Bloomberg zufolge wird auch Airbus den Kauf einiger Spirit-Werke bekanntgeben. Die Abspaltung der Sparte von Boeing folgte seinerzeit dem Trend, Konzerne zu verschlanken und durch Verlagerung von Aktivitäten an Zulieferer Geld zu sparen. Mit der Zeit setzte sich jedoch allgemein die Sicht der Dinge durch, dass die Trennung von Spirit zu Qualitätsproblemen und einem Kontrollverlust durch Boeing führte. In den vergangenen Jahren gab es deshalb wiederholt Ärger. In einem Fall wurde etwa festgestellt, dass bei Spirit Löcher im Rumpf mehrerer Maschinen falsch gebohrt wurden.

Kauf von Spirit schon seit März in der Verhandlungsphase

Spirit spielte auch eine Rolle bei dem dramatischen Zwischenfall im Januar, bei dem ein Rumpfteil einer so gut wie neuen Boeing 737-9 Max von Alaska Airlines im Steigflug herausbrach. Der Rumpf kam von Spirit. Bei Boeing wurde das Fragment für Nacharbeiten herausgenommen. Boeing konnte keine Unterlagen dazu finden, aber die Unfallermittlungsbehörde NTSB geht davon aus, dass die Maschine ohne zwei Befestigungsbolzen am Rumpfteil an die Fluggesellschaft ausgeliefert wurde. Nach dem sogenannten Alaska-Zwischenfall geriet Boeing unter verstärkten Druck, die Qualitätskontrollen zu verbessern. Eine der Maßnahmen dabei war, mehr Prüfer zu Spirit zu schicken, damit Fehler direkt dort und nicht erst nach der Lieferung ins Boeing-Werk behoben werden konnten. Im März gab Boeing dann auch bekannt, dass über den Kauf von Spirit verhandelt wird.

Flugzeugbauer Boeing droht Anklage wegen Betrug

Das Beinaheunglück mit der Alaska-Maschine wird laut Medienberichten noch schwerwiegende Konsequenzen für Boeing haben. Unter anderem berichteten die New York Times und Bloomberg, dass das US-Justizministerium dem Flugzeugbauer offiziell Betrug vorwerfen will. Es gehe dabei um die Vereinbarung, mit der Boeing seinerzeit einer Strafverfolgung nach dem Absturz von zwei 737-Max-Maschinen in den Jahren 2018 und 2019 entging, wobei 346 Menschen starben. Dabei griff eine Unterstützungssoftware stärker in die Steuerung der Flugzeuge in, als es sein durfte. Der Konzern musste damals unter anderem eine Strafe von 243,6 Millionen Dollar zahlen und ein Compliance- und Ethikprogramm umsetzen. Das Justizministerium kam bereits im Mai zu dem Schluss, dass Boeing gegen Auflagen des Deals verstoßen hat. Boeing habe einige Tage Zeit, zwischen einem Schuldeingeständnis und einem Prozess zu entscheiden. Räumt Boeing die Schuld ein, muss der Konzern noch einmal 243,6 Millionen Dollar zahlen und einen Aufseher akzeptieren, so Bloomberg.

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