Wenn schon die Herstellung „normaler“ Blechwerkstücke nicht immer einfach ist, so gilt das bei Edelstahl in erhöhtem Maß. Man braucht innovative „Tools“, um exakt und produktiv zu arbeiten. Auch CAx muss diesem Grundsatz folgen.
Beispielkonstruktion aus Edelstahlblechen.
(Bild: Edelstahl-Mechanik)
Bereits der Anfang der Edelstahl-Mechanik GmbH in Göppingen war durch eine handfeste Innovation geprägt: Josef Eisele, damals noch Betriebsleiter in einem anderen Unternehmen in der Nähe, das auch Edelstahlbleche verarbeitet hat, entwickelte – gemeinsam mit Messer Griesheim – eine CNC-gesteuerte „Unterwasserplasmaschneidmaschine“. Die Absicht war, Edelstahl, der wärmeempfindlich ist, unter Wasser performanter und exakter zu schneiden. Die Maschine war zu dieser Zeit ein absolutes Novum. Dennoch hat sein damaliger Firmenchef nicht in die Anschaffung eingewilligt, er hatte zu viele Bedenken.
Edelstahlteile für Medizintechnik, Luftfahrt und Bau
„Das Projekt ad acta zu legen, habe ich nicht mitgemacht, habe die Maschine selbst gekauft und mich mit zwei Mitarbeitern selbstständig gemacht. Das war 1985“, berichtet Eisele. Damit begann die Firmengeschichte. Bereits 1987 wurden die ersten Co2-Laserschneidmaschinen gekauft. „Ab 1988, auf der Basis eines neuen wesentlich größeren Firmengebäudes, haben wir dann den gesamten süddeutschen Raum mit lasergeschnittenen Edelstahlblechen versorgt“, berichtet Eisele. Dann ging es steil bergauf – nicht nur vom Produktionsvolumen her, sondern auch durch weitere Innovationen und Geschäftsfelder. Unter anderem wurde 1991 die Edelstahl-Laser-Technik GmbH in Haselbachtal gegründet.
Es wurden 3D-Laser eingeführt, Einzug hielten das Laserschweißen, Laseranlagen für das Hochdruckschweißen, das Hydroforming und zum Schluss noch eine Maschine für den 3D-Druck.
Vom 3D-Modell aus Daten ins CAM-System liefern
Durch dieses umfangreiche Können an den Edelstahlwerkstücken haben Eisele und seine Mitarbeiter ihre Qualitäten selbst in der Hand. „Selbst was können und eben nicht alles outsourcen“, ist das Credo der Göppinger. Dieses Können nutzen sie mittlerweile auch, um ihre Kunden im Vorfeld zu beraten, damit die Teile so gestaltet werden, dass sie möglichst einfach und performant zu produzieren sind. Das Gesamtunternehmen ist indessen auf 240 Mitarbeiter gewachsen. Referenzkunden sind neben vielen Industriebetrieben aus der Medizin- und Lebensmitteltechnik auch vielfach im Baubereich zu finden.
Beispielsweise ist auch der Apple Park in Cubertino (USA) zu nennen, dessen gesamte Fassade in Göppingen hergestellt wurde, oder das Lakhta-Center in St. Petersburg (Russland) mit 462 Metern das höchste Gebäude Europas. Dort wurde die Spitze mit Teilen der Edelstahl-Mechanik GmbH gestaltet.
Bereits 1992 führten die Edelstahl-Speziallisten den ersten Solidworks-Arbeitsplatz bei sich ein. Damals wurde die Hochleistungslasertechnik ins Haus geholt, doch der Maschinenhersteller, konnte keine praktikable Software dafür liefern, um bestimmte Punkte in ein Rohr einzubringen. „Damals war Solidworks bereits so weit, vom 3D-Modell aus Daten in das CAM-System für die Rohrprogrammierung zu liefern und somit qualitativ hochwertige Rohre schneiden zu können“, berichtet Eisele. „Vor drei Jahren haben wir dann eine ziemlich wilde Skulptur konstruiert, um unsere Möglichkeiten auf einer Messe zu demonstrieren. Die Teile haben aber in der Montage nicht gepasst. Dies hat uns gezeigt, dass wir ein besseres Konstruktionssystem im Haus brauchen, welches solche komplexen Dinge sicher ermöglicht.“
So kam man zu Solidworks und Solidworks PDM, betreut von der DPS Software GmbH. „Wir kannten DPS schon von einer der vergangenen Ausgaben der Blechexpo und darauf folgend gab es bereits schon ein Treffen bei uns hier im Haus“, erzählt der Firmenchef weiter. DPS war direkt bereit eine Teststellung zu geben und letztlich auch die räumliche Nähe, gaben den Ausschlag für die Übernahme des Systems von DPS. „Seitdem sind wir sehr gute Partner“, freut sich Eisele. Diese Partnerschaft umfasst auch die Schulung etwa von neuen Mitarbeitern, damit sie schnell im Blech und beim Schweißen fit werden.
Exzellenz in Blech – heute ohne passende CAx-Tools kaum denkbar
Mittlerweile haben die Schwaben sieben Solidworks- und fünf Solidworks PDM-Lizenzen in Betrieb. „Über das Netzwerk können auch mehr als sieben Mitarbeiter in die Systemnutzung einbezogen werden“, so Konstruktionsleiter Stefan Baier. Das System ist inzwischen recht populär im Unternehmen, die schnelle Arbeitsweise wird gelobt (zum Beispiel bei der Einbringung von Lochmustern), diese und ähnliche Vereinfachungen und Automatismen werden gerne eingesetzt. Der Import von Kundendaten (Artikeldaten), der hier sehr wichtig ist, funktioniert gut.
Der Prozess am CAD-Arbeitsplatz beginnt mit dem Input der Artikeldaten, entweder als Solidworks-Daten oder in Form von neutralen Daten (STEP). Wie sich gezeigt hat, kann Solidworks sehr gut mit STEP-Daten umgehen: „Wenn die Kundendaten so sind, wie wir sie für eine einfache und effiziente Produktion brauchen, werden die Daten im PDM-System abgelegt und direkt weiter an die jeweilige Fachabteilung gereicht, ohne weitere Umwandlung“, wie Baier darlegt. Sollten jedoch Änderungen notwendig sein, werden die Fremddaten in Solidworks-Daten umgewandelt und als parametrisches Modell weiterbearbeitet. Auch dann erfolgt natürlich die Datenablage im PDM-System. Das gleiche gilt für die Fertigungszeichnungen. Das PDM-System verwaltet zudem die Änderungsindizes, sodass auch später ältere Konstruktionsstände leicht wieder aufgefunden werden können.
Stand: 08.12.2025
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