Partei und Medien in China bejubeln den Aufbau von „Nationalteams“. Dabei geht es diesmal nicht um Schwimmer oder muskelbepackte Gewichtheber, sondern um Ingenieure und CNC-Bohrmaschinen.
China überträgt Strategien aus dem Spitzensport jetzt auch auf den Maschinenbau.
Der Maschinenbau wird in China jetzt mit den Methoden des Spitzensports gefördert. Das im Elitesport erfolgreiche System „Ju Guo Tizhi“, auf Deutsch übersetzt etwa „das System der ganzen Nation“ wird von der Regierung und von CEOs der Branche auf die Maschinenbau-Industrie übertragen.
Als jüngster Erfolg beim Aufbau eines Spitzenkaders im Maschinenbau wird die China General Technology (Group) Holding Company gefeiert, kurz Genertec. Mit gezielten Fusionen großer Staatsbetriebe ist eine Art Superbetrieb geschaffen worden. „Durch die Integration mehrerer Maschinenbau-Firmen und anderer Betriebe hat Genertec ein Nationalteam für Chinas Maschinenbau-Industrie etabliert,“ schrieb die chinesische Industriezeitung Zhongguo Gongye Bao Anfang Juni.
Chinas Elitesport wird seit vielen Jahren ähnlich wie früher in der Sowjetunion von einer nationalen Sportverwaltung zentral gefördert. Landesweit werden Talente ausgespäht, die dann in staatlichen Akademien zu künftigen Medaillengewinnern herangezüchtet werden und vom Staat mit Coaching, Ausrüstung und Finanzmitteln gefördert werden.
Das Sportförderungs-Programm gilt als großer Erfolg, seit China regelmäßig den Goldmedaillenspiegel bei den Olympischen Spielen dominiert. 100 Medaillen waren es etwa im Jahr 2008, die damals auch noch vor heimischem Publikum gefeiert werden konnten: 48 mal Gold, 22 mal Silber und 30 mal Bronze. Alles zu Ehren der Nation!
Ähnlich wie im Spitzensport wird nun das Prinzip des Nationalinteresses, dass sogar im Sozialismus die Förderung von Eliten erlaubt, auf die Fertigungsindustrie übertragen. „China fördert das System der ganzen Nation (juguo tizhi) für die Entwicklung des hochwertigen Maschinenbaus,“ schreibt die Industriezeitung.
Die Sichtung der Talente und Formierung der Spitzenkader liegt diesmal der Natur der Sache entsprechend nicht in der Hand von Sportbürokraten, sondern wird von Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) geleitet. Man geht dabei aber genauso systematisch vor wie sonst bei der Förderung vielversprechender Turmspringer oder Turner für den Schwebebalken.
So sind beispielsweise High-End-CNC-Maschinenwerkzeuge zum „04-Spezialprojekt“ ernannt worden. Die Industriezeitung erläutert das so: „Das 04-Spezialprojekt ist eine Exploration des neuen Systems der ganzen Nation. Geführt von MIIT wird durch kollaborative Innovation bei der Organisationsstruktur, durch Mechanismen des Wettbewerbs, Anreize mit diversen Methoden, Durchbrüche bei Kerntechnologien und den Launch strategischer Produkte die Aufwertung von Schlüsseltechnologien und die Verbesserung von Großprojekten betrieben.”
Wenn das ein wenig kompliziert klingt, so sollte das nicht verwundern. Schließlich haben die Chinesen das Papier erfunden, und das ist bekanntlich geduldig. In der Praxis scheint das neue System vor allem auf eine landesweite Konsolidierung großer Staatsbetriebe hinauszulaufen. Genau wie in vielen anderen Industrien auch sollen dadurch im Maschinenbau „nationale Champions“ geschaffen werden, die künftig das Siegerpodest des globalen Wettbewerbs besteigen können.
Bei Genertec lief das in etwa so: Im Verlaufe der vergangenen Jahre sind Schritt und für Schritt und systematisch eine Reihe von Staatsbetrieben unter einem Dach fusioniert oder umstrukturiert worden, darunter die Dalian Machine Tool, Shenyang Maschine Tool, Qiqihar Machine Tool und Tianjin No. 1 Machine Tool. Durch die Konsolidierung ehemaliger Wettbewerber ist nun in der gesamten Volksrepublik nur noch ein einziger zentraler Staatsbetrieb von nennenswerter Größe übriggeblieben, der ganz auf hochwertige CNC-Werkzeuge fokussiert ist.
Chinas Zentralplaner hoffen so, die in der Branche hohen Kosten für Forschung & Entwicklung und die nötigen Investitionen in moderne Produktionsanlagen besser bündeln und staatlich lenken zu können. In einer als „strategisch wichtig“ identifizierten Industrie wie dem Maschinenbau sollen nun wie im Spitzensport nur noch die absolut herausragenden Talente mit staatlichen Finanzspritzen aufgepäppelt werden – die aber richtig.
Es erinnert schon ein wenig an die Verabreichung von Anabolika durch besonders ehrgeizige Trainer, wenn Genertec und Sasac, also die „State-owned Assets Supervision and Administration Commission“, nun im Mai gemeinsam die Investition von rund 1,3 Milliarden Euro in den Neubau eines „erstklassigen Fertigungsbetriebes für Maschinenwerkzeuge“ in der Hafenstadt Tianjin angekündigt haben.
Stand: 08.12.2025
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Ob sie es gerne hören oder nicht – dies ist die Konkurrenz, der sich Deutschlands Maschinenbauer künftig immer häufiger stellen müssen. Während der deutsche Mittelstand erfreulich viele „Hidden Champions“ hervorbringt, die von ihren Heimatdörfern aus durch fleißige Anstrengungen selbst an die Spitze des Weltmarktes gelangt sind wie Amateuer-Olympioniken der ersten Stunde, läuft das in China nun entschieden anders. Dort wird den neuen „Maschinenbau-Nationalteams“ kräftig von oben unter die Arme gegriffen, bis sie selbst Rekorde aufstellen können – genau wie Chinas Spitzensportler an den Ringen oder beim Reißen der Langhantel.
* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.