Schiess

Chinesen macht deutschen Werkzeugmaschinenbauer wieder flott

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Ein Ausstellungsraum wurde geschaffen, in dem sich die internationale Kundschaft über die Produkte informieren kann. Bis heute investierte SMTCL direkt und indirekt rund 30 Mio. Euro in den Standort Aschersleben.

Schiess-Umsatz hat sich seit 2004 vervierfacht

Hatte die Belegschaft von Schiess zunächst die Befürchtung, dass der neue Besitzer lediglich an der Technologie interessiert sei und weitere Arbeitsplätze abbauen könnte, hatte sich das innerhalb kurzer Zeit erledigt. Schiess-Chefcontroller Andreas Schinkel klärt auf: „SMTCL ist nicht gekommen um uns die Technologie wegzunehmen, sondern um von uns zu lernen und von unseren Produkten mit zu profitieren.“

Seit der Übernahme durch Shenyang wurde das Personal kräftig aufgestockt. Derzeit sucht man händeringend weitere CNC-Spezialisten. (Archiv: Vogel Business Media)

In Aschersleben sieht man sich mittlerweile im Gesamtkonzern integriert. „Wir entwickeln bestimmte Produkte für unsere Muttergesellschaft, und deren Produkte vertreiben wir in Deutschland. Auf der anderen Seite haben wir aber auch ganz klar ein eigenes Produkt, das wir hier am Standort entwickeln, verkaufen und produzieren.“

Mit Erfolg: Der Umsatz hat sich seit 2004 vervielfacht. Lagen die Gesamtleistungen bei der Übernahme bei rund 12 Mio. Euro, so waren es im vergangenen Jahr 44 Mio. Euro. Für dieses Jahr rechnet man bei Schiess mit Gesamtleistungen von rund 50 Mio. Euro. Und auch für die Zukunft sieht es gut aus. Die Auftragsbücher des Werkzeugmaschinenherstellers sind bis weit ins Jahr 2009 gefüllt, mit einem Auftragsvolumen von über 80 Mio. Euro.

Und es wird weiter investiert, darunter in eine neue Werkhalle. Mit einer Höhe von 20 m und einem Schwerlast-Kran ist sie speziell auf die Großmaschinen ausgerichtet. Die Investitionssumme liegt bei rund 18 Mio. Euro.

„Das macht deutlich“, erklärt Schinkel, „dass wir in der internationalen Strategie unseres chinesischen Partners einen festen Platz haben.“ Dazu gehört auch, dass in Aschersleben ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eingerichtet wurde, in dem allein 18 Ingenieure nur für den chinesischen Mutterkonzern tätig sind.

Belegschaft wurde kräftig aufgestockt

Die Personalentwicklung bestätigt dies. Hatte der Betrieb bei der Übernahme nur noch 64 Mitarbeiter, so sind es aktuell 369. Für Schiess-Personalleiterin Gabriele Rotter Kiel war das eine echte Herausforderung, da der Arbeitsmarkt in der Umgebung gar nicht so viel hergab.

„Erst einmal haben wir unsere Mitarbeiter aus der alten Firma so qualifiziert, dass sie den Anforderungen gemäß einsetzbar waren“, sagt Rotter Kiel. „Darüber hinaus haben wir mit Hilfe der Agentur für Arbeit Mitarbeiter gesucht und qualifiziert und wir haben auch vertrauensvoll mit Zeitarbeitern und Zeitarbeitsfirmen zusammengearbeitet.“ Und das in einem Umkreis bis 80 km.

Selbst solche Entfernungen helfen nicht immer. Zurzeit sucht das Unternehmen dringend 12 CNC-Fachleute. Doch damit nicht genug. Die Personalplanung für dieses Jahr sieht einen weiteren Ausbau um 40 Arbeitsplätze vor. Schiess wird damit zum größten industriellen Arbeitgeber in Aschersleben.

Große Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die eigene Ausbildung – von der sind die Verantwortlichen bei der SMTCL derart überzeugt, dass sie die duale Ausbildung jetzt auch im Mutterkonzern in China einführen wollen.

Bei Schiess wird wieder ausgebildet

In Aschersleben werden aktuell insgesamt 32 junge Leute in unterschiedlichen Berufen ausgebildet und in der Regel auch alle übernommen. Gabriele Rotter Kiel ist sich jedenfalls sicher, die Stellen bis Ende des Jahres zu besetzen. „Wenn ich mir den Personalaufbau von 64 auf 369 ansehe, hätte ich mir damals eigentlich auch nicht vorstellen können, dass das klappt. Also, die 40, die finden wir auch noch.“

Dass die Ascherslebener Ingenieure übrigens nicht nur in Groß, sondern auch in Klein können, zeigte sich im April auf der Peking-Messe, Chinas bedeutendster Ausstellung für Werkzeugmaschinen. Hier wurden zwei bei Schiess entwickelte Produkte ausgezeichnet.

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