Interview „Der Konfigurator zeigt in Sekundenschnelle das passende Getriebe“

Das Gespräch führte Sebastian Human 4 min Lesedauer

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Gemeinsam mit IT-Dienstleister Adesso digitalisierte Flender sämtliche Workflows für seine neue Getriebelösung. Andreas Liesche, Geschäftsführer bei Adesso Manufacturing Industry Solutions, gibt im Interview Einblicke in das Projekt.

Per Online-Konfigurator in wenigen Sekunden das passende Getriebe finden? Adesso hat Flender bei einem entsprechenden Projekt unter die Arme gegriffen, wie Andreas Liesche darlegt.(Bild:  Pixabay/Adesso SE)
Per Online-Konfigurator in wenigen Sekunden das passende Getriebe finden? Adesso hat Flender bei einem entsprechenden Projekt unter die Arme gegriffen, wie Andreas Liesche darlegt.
(Bild: Pixabay/Adesso SE)

Herr Liesche, Adesso ist der Digitalisierungspartner hinter Flenders neuentwickeltem Getriebe, dem Flender One. In dieser Rolle haben Sie die Bocholter bei der Automatisierung der gesamten Wertschöpfungskette für das neue Getriebe unterstützt. Wie konnten Sie hier helfen?

Andreas Liesche: Die Fertigungsindustrie zählt zu den Fokusbranchen von Adesso. Wir sind seit Ende 2019 Digitalisierungspartner von Flender und als Startprojekt der digitalen Roadmap unterstützen wir das strategisch führende Programm ‚Variantenmanagement und Automatisierung‘. Mit Flender One wurde die erste Ausbaustufe der neuen Getriebegeneration vorgestellt. Die IT-technische Implementierung basiert auf Adesso-Technologie und marktführender Standardsoftware.

Unsere Zusammenarbeit war von Anfang an durch Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe geprägt. Flender und Adesso verfügen beide über 25-jährige Expertise in der komplexen Produktkonfiguration. Unser Beitrag umfasste strategische und fachliche Beratung, Softwareentwicklung und Integration sowie die Gestaltung der IT-Architektur und des IT-Betriebs. Mit unserer breiten herstellerneutralen Technologiekompetenz konnten wir die vorhandenen Softwarelösungen optimieren, neue Komponenten entwickeln und integrieren.

Fangen wir mal vorne an. Flender will seinen Kunden schneller zur passenden Getriebelösung verhelfen, die Produktsuche also vereinfachen. Wie funktioniert das?

Hier kommt der gemeinsam entwickelte Lösungskonfigurator zum Einsatz: Der Kunde gibt lediglich die gewünschte Anwendung, Leistung und Drehzahl vor. Daraus generiert das System eine Auswahl passender Konfigurationen.

Im Prinzip sind das Standardprodukte, Varianten aus dem Baukasten oder Sonderlösungen. Der Kunde kann vergleichen und direkt auswählen oder die detaillierte Konfiguration eines maßgeschneiderten Getriebes starten. Ein komplexes Regelwerk sorgt für eine optimale und valide Ausprägung.

Kunden von Flender müssen sich nicht mit allen Optionen und technischen Details auseinandersetzen. Der Konfigurator zeigt in Sekundenschnelle das passende Getriebe und das benötigte Zubehör. Experten können natürlich auch sehr viel tiefer einsteigen.

Der Getriebehersteller selbst spricht von einem „Durchbruch in Richtung Individualisierung und Nachhaltigkeit“. Können Sie erklären, wie das mit der Individualisierung gemeint ist? Welcher Freiheitsgrad ist möglich? Und wo kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel?

Die neue Konfigurationslösung beherrscht geschlossene und offene Lösungsräume, bietet somit unbegrenzte Freiheitsgrade und deckt alle Komplexitätsklassen ab: Standard- und Baukastenprodukte bis hin zur Maßkonfektion. Flender One kann die individuellen Anforderungen der Kunden passgenau abbilden.

Die gesteigerte Nachhaltigkeit des Getriebes resultiert zum einen aus technologischen Eigenschaften wie einem überarbeiteten Gehäusedesign und einem optimierten Radsatz. Aber auch die punktgenaue Dimensionierung der Getriebevarianten trägt wesentlich dazu bei: Unnötige Überdimensionierung und die Verschwendung von Ressourcen werden verhindert.

Vermutlich nicht ganz Ihr Bereich, aber fragen muss ich trotzdem: Geht es im Getriebe selbst auch digital zu? Oder konzentriert sich alles Digitale auf das Variantenmanagement?

Die Kernfunktion des Getriebes ist natürlich nach wie vor mechanisch. Die optionale IIoT-Sensorik macht es jedoch zu dem, was man gemeinhin ein smartes Produkt nennt. Sensoren liefern Anlagen- und Maschinenbetreibern ein digitales Abbild des Getriebes im realen Einsatz und ermöglichen eine detaillierte Zustandsüberwachung. Betrieb und Service können optimiert werden, sodass der Verschleiß bei gleichbleibender Performance sinkt. Flender kann auf Basis der IIoT-Integration neue, nutzungsorientierte Geschäftsmodelle evaluieren, wie zum Beispiel ‚Drehzahlwandlung- und Drehmoment-as-a-Service‘.

Sie selbst beschreiben die im Rahmen der Zusammenarbeit entwickelte Software-Lösung Fire, also den Kern der Enterprise-Architektur, als „einzigartig in der deutschen Fertigungslandschaft“. Welche Alleinstellungsmerkmale sorgen für diese selbstbewusste Einschätzung?

Die Adesso Softwarelösung Fire ist ein offenes Framework für die Modellierung von Regelwissen, die interaktive Variantenkonfiguration und die Automatisierung. So orchestrieren wir die Prozesse vollständig Ende-zu-Ende – das heißt vom Kunden zum Kunden.

Wir integrieren verschiedene Konfiguratoren und Regelwerke unter einer Oberfläche und ermöglichen eine durchgängige Automation über alle IT-Systemgrenzen hinweg. Es handelt sich um Best-of-Breed-Software auf Basis agiler Methoden, freier Datenformate und offener Schnittstellen. Mit Fire unterstützen wir das Paradigma: Modellieren, Konfigurieren, Orchestrieren und Automatisieren ist besser als klassische starre Monolithen. Wir helfen unseren Kunden mit offenen integrativen Lösungen und führen sie nicht in den Vendor-Lock-in.

Auf Ihrer Website schreiben Sie, weitere Produkte seien bereits geplant. Können Sie hier einen Ausblick geben?

Wir als Adesso Manufacturing Industry Solutions sind auf Branchensoftware und Beratung für die Fertigungsindustrie spezialisiert. Im Rahmen der übergreifenden Themen Variantenmanagement, Konfiguration und Automatisierung setzen wir Schwerpunkte in der Digitalisierung relevanter Unternehmensbereiche: Commerce, Engineering, Produktion, Aftersales. In Kooperation mit marktführenden Partner-Unternehmen wie SAP oder Microsoft entwickeln wir passgenaue Branchenlösungen. Wir forschen und evaluieren offene Integrations-Plattformen, speziell für Variantenfertiger, die Supply-Chain, Smarte Produkte und Digitale Zwillinge. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Industry of Things erschienen.

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