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Der Standort Tschechien punktet mit Qualität

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Besonders aufschlussreich ist darüber hinaus der Realitäts-Check der Untersuchung. Er vergleicht die ursprünglichen Beweggründe für die Standortwahl mit den tatsächlichen Eindrücken, welche die Befragten im Laufe der Jahre von Land und Leuten sammeln konnten: Bei der Wahl der Tschechischen Republik waren vor allem niedrige Lohnkosten und die Qualifizierung der Mitarbeiter ausschlaggebend, während niedrige Beschaffungskosten oder Unternehmenssteuern eine eher geringe Rolle spielten.

Lohnkostenvorteil in Tschechien nicht mehr so wichtig

Die atmosphärische Stimmung im Tagesgeschäft, sei es bezüglich der Mitarbeiter oder hinsichtlich der Erfahrungen mit Behörden, ergänzt das mit anderen Erfahrungswerten. So hat der Lohnkostenvorteil an Bedeutung verloren, denn eine spürbare Kostensteigerung, insbesondere bei den Löhnen und Gehältern, gehört inzwischen zum Alltag. Gleichzeitig sind viele Mittelständler sehr positiv von der Hilfsbereitschaft, Arbeitsmoral und Einsatzbereitschaft ihrer Mitarbeiter beeindruckt. Hinsichtlich der Infrastruktur und der Zusammenarbeit mit Behörden nimmt Tschechien sogar noch vor den anderen untersuchten Ländern wie Polen oder der Slowakei eine Spitzenposition ein – verlässliche Auskünfte, schnelle Bearbeitungszeiten und wenige bürokratische Hürden bei Anträgen und Genehmigungen sind eher Regel als Ausnahme.

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Wer sich für den Aufbau einer eigenen Produktion in Tschechien entscheidet, sollte zuerst genügend Zeit in die Suche nach einem geeigneten Ansiedlungsort investieren. Mehrmalige, persönliche Vor-Ort-Besuche lohnen sich, da der Eindruck von den örtlichen Gegebenheiten ein wichtiges Gegengewicht zu Fakten schafft, die zum Beispiel Wirtschaftsförderungsgesellschaften zur Verfügung stellen. Generell empfiehlt es sich, dabei nach einem Kriterienkatalog vorzugehen und sich ein klares Bild unter anderem von Infrastruktur, Grundstückskosten, Mitarbeiterverfügbarkeit und Erreichbarkeit zu machen. Zudem ist es sehr hilfreich, einen Mitarbeiter der tschechischen Wirtschaftsförderung bereits in dieser Projektphase mit einzubinden. Denn deren Ortskenntnis kann Alternativen zu Ballungszentren ins Spiel bringen, die bei etwas dezentraler Lage mit Vorteilen wie einer besseren Verfügbarkeit von Arbeitskräften und geringeren Lohn- und Grundstückskosten punkten.

Unternehmen sollten in Schulungen für tschechische Mitarbeiter investieren

Zudem sollte man berücksichtigen, dass gerade im praktischen Bereich weiterführende Schulungen von Mitarbeitern notwendig sein können. Denn im Unterschied zu Deutschland existiert in Tschechien keine duale Ausbildung, die Praxis und Theorie verbindet. Dazu können Investitionen in die Qualifikation von Führungskräften auf das Unternehmen zukommen: die in der Studie befragten Entscheider beurteilen die Qualifikation von Managern in Osteuropa insgesamt negativ, nur ein gutes Drittel schätzt diese als „gut“ ein. Immerhin jeder zweite Mittelständler vergibt diese Note aber für die Fähigkeiten von Technikern und Mitarbeitern in Administration und Verwaltung. Bezüglich der Situation in Tschechien fällt zudem auf, dass die Zufriedenheit mit dem Angebot an kaufmännischen beziehungsweise juristischen Fachkräften nur durchschnittlich ist.

Für die weiterführende Qualifizierung von Facharbeitern in der Fertigung sind Trainingsprogramme mit starkem Praxisbezug empfehlenswert. Neben Austauschprogrammen mit den deutschen Standorten sind hier vor allem sogenannte Lernfabriken hilfreich: In ihnen trainieren die Mitarbeiter konkrete Aufgaben aus der Praxis und simulieren neue Arbeitsmethoden, etwa zur Integration von Anwendungen aus dem Internet der Dinge.

* Robert Benacka ist Geschäftsführer der ROI Management Consulting a.s. in 25242 Jesenice u Prahy (Tschechien). Weitere Informationen (Deutschland): Tel. (0 89) 12 15 90-0, kontakt@roi.de

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