Autoindustrie Mehr als jedes zweite Unternehmen will Stellen streichen

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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In der deutschen Automobilindustrie stehen laut einer Umfrage zahlreiche Arbeitsplätze auf der Kippe, wie die dpa erfahren hat. Über die Hälfte der Unternehmen hat das vor.

Automobilhersteller und damit auch die Zulieferer stehen unter Kostendruck und kämpfen mit Konkurrenz aus Asien. Einer Umfrage zufolge plant nun über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland und Westeuropa den Abbau von vielen Stellen, wie die dpa meldet.(Bild:  Rhshewsnik)
Automobilhersteller und damit auch die Zulieferer stehen unter Kostendruck und kämpfen mit Konkurrenz aus Asien. Einer Umfrage zufolge plant nun über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland und Westeuropa den Abbau von vielen Stellen, wie die dpa meldet.
(Bild: Rhshewsnik)

Über die Hälfte der befragten Unternehmen der Branche plant in Deutschland einen Stellenabbau, wie aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Horváth unter Führungskräften der Branche hervorgeht. Gründe für diese Entscheidung seien vor allem der hohe Kostendruck und neue Konkurrenz, die vor allem aus China komme. Rund 59 Prozent der Befragten gaben an, in Deutschland in den kommenden fünf Jahren weniger Mitarbeiter unter Vertrag haben zu wollen. Gut 14 Prozent reden sogar von einer starken Reduzierung der Belegschaft. Personal aufbauen wollen demnach lediglich 15 Prozent der Unternehmen aus dem deutschen Automobilsektor. Kaum besser sehe es im übrigen Westeuropa aus – rund 53 Prozent der Befragten planen einen Stellenabbau. Zwar investiere man auch in Deutschland und Westeuropa weiter kräftig, doch neue Jobs entstünden woanders. An der Befragung nahmen 91 Führungskräfte teil, von denen 55 aus Deutschland stammen.

Die Welt baut Jobs auf – bloß nicht in Westeuropa

Produziert wird zunehmend in den Regionen, wo die Autos am Ende verkauft werden, stellt Frank Göller, Partner und Automotive-Experte bei Horváth, gegenüber der dpa fest. Das sei zwar nichts Neues, doch das Phänomen habe sich verstärkt. Daran hätten auch die schlechten Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Lieferengpässen vor allem bei Halbleitern nichts geändert. Dieser Prozess beschleunigt sich nach seiner Meinung auch noch, was zur verstärkten Verlagerung von Arbeitsplätzen führt. Letztendlich werde fast überall auf der Welt Personal aufgebaut – nur nicht in Deutschland und Westeuropa. Rund 75 Prozent der befragten Unternehmen wollen aber in Indien Kapazitäten aufbauen, 60 Prozent in China und ebenso viele in Osteuropa. Auch im übrigen Asien stünden die Zeichen auf Wachstum, ebenso wie in Nord- und Südamerika. Neue Werke entstehen in Deutschland eher selten, merkt Göller noch an. Wenn neue Werke entstehen, dann in der Regel außerhalb Deutschlands. Und dort finde dann auch der Beschäftigungsaufbau statt.

Die Lage ist nicht verzweifelt, aber durchaus ernst

Dennoch fließe weiter ein Großteil der Investitionen nach Deutschland. Göller: „Schaut man sich jetzt nur die Unternehmen mit Zentralen in Deutschland an, zeigt sich zumindest, dass ein Viertel der Gesamtinvestitionen der allesamt global agierenden Unternehmen nach wie vor hierher fließt.“ Das sei deutlich mehr als in jeder anderen Weltregion. Doch das Geld werde vor allem in neue Produkte, Technologien und für die Umrüstung bestehender Standorte auf Elektroantriebe verbraucht. In der Produktion wird laut Göller in hohem Maß in die Automatisierung der Fertigungsanlagen und Digitalisierung investiert. Entsprechend schlecht falle deshalb die Beschäftigungsbilanz aus. „Wir sehen jetzt nicht, dass Deutschland zum reinen Entwicklungsstandort reduziert wird“, beruhigt Göller aber. Und viele Unternehmen, auch die großen Konzerne, bekennen sich nach wie vor zum Standort Deutschland und auch zu den Werken hierzulande, wie Göller festgestellt hat. Allerdings seien viele der Fabriken in Deutschland und Europa schon heute bei weitem nicht voll ausgelastet. Entsprechend groß sei der Kostendruck, auf den viele Hersteller dann eben mit Sparprogrammen und Stellenabbau reagierten.

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