Rekordbestände an Robotern weltweit und in Deutschland: Weltweit sind zehn Prozent mehr Roboter im Einsatz als im Vorjahr, in Europa immerhin neun Prozent mehr, in Deutschland stieg die Anzahl der mechanischen Helfer um sieben Prozent. Das sind Ergebnisse aus dem Report „World Robotics 2024“ der International Federation of Robotics.
Weltweit sind zehn Prozent mehr Roboter im Einsatz als im Vorjahr, das zeigt der Report „World Robotics 2024“ der International Federation of Robotics.
(Bild: ABB)
Der neue World-Robotics-Report verzeichnet einen operativen Rekordbestand von 4.281.585 Industrie-Robotern in den Fabriken weltweit. Das ist ein Plus von 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der 2023 neu installierten Einheiten übertraf das dritte Jahr in Folge die Marke von einer halben Million Stück. Nach Regionen aufgeschlüsselt wurden in Asien 70 % aller neuen Roboter installiert. Auf Europa entfällt ein Marktanteil von 17 % und auf Amerika von 10 %. Die deutsche Wirtschaft hat 28.355 neue Industrie-Roboter installiert – ein neues Allzeithoch: 2023 stieg der Absatz um 7 % im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Bestand erreichte den neuen europäischen Spitzenwert von 269.427 Einheiten.
„Die neue Statistik zeigt in der Fertigung ein Allzeithoch bei der weltweiten Automation mit Industrierobotern“, sagt Marina Bill, Präsidentin der International Federation of Robotics. „Die Zahl von 541.302 neu installierten Einheiten aus dem Jahr 2023 ist das zweitbeste jemals gemessene Jahresergebnis. Sie liegt nur 2 % unter dem Rekord von 552.946 installierten Einheiten im Jahr 2022."
China ist der mit Abstand größte Markt weltweit. Insgesamt wurden 276.288 Industrieroboter im Jahr 2023 installiert. Das entspricht einem Marktanteil von 51 % der weltweiten Nachfrage und stellt das zweithöchste jemals erzielte Ergebnis dar (2022: 290.144 Einheiten). Auf dem Inlandsmarkt stieg der Absatz chinesischer Hersteller seit 2022 deutlich und erreichte im Jahr 2023 einen Rekordwert von 47 %. In den letzten zehn Jahren pendelte er um die 28 %. Der operative Bestand lag 2023 knapp unterhalb der Marke von 1,8 Millionen Einheiten. Damit verfügt China im weltweiten Vergleich als erstes und einziges Land über eine derart große Anzahl von Industrierobotern. In der zweiten Jahreshälfte 2024 dürfte sich die Nachfrage nach Robotern beschleunigen. Das wird zu einem stabileren Markt bis zum Ende dieses Jahres beitragen. Längerfristig besteht im chinesischen verarbeitenden Gewerbe noch ein großes Wachstumspotenzial, das sich bis 2027 auf durchschnittlich 5 bis 10 % pro Jahr belaufen könnte.
Japan bleibt nach China der zweitgrößte Markt für Industrie-Roboter weltweit. Die Roboterinstallationen erreichten 46.106 Einheiten im Jahr 2023. Das ist ein Rückgang um 9 %. Das Ergebnis folgt auf zwei starke Jahre mit einem Höchststand von 50.435 Einheiten 2022 - dem zweitbesten Ergebnis nach 2018 (55.240 Einheiten). Die Nachfrage dürfte im Jahr 2024 voraussichtlich stagnieren, wird sich aber 2025 und in den Folgejahren auf mittlere und obere einstellige Raten erholen.
Der Markt in der Republik Korea tendiert seitwärts: Die Installationen erreichten 31.444 Einheiten im Jahr 2023 - ein Rückgang von 1 % gegenüber dem Vorjahr. Gemessen an den jährlichen Installationen war das Land der weltweit viertgrößte Robotermarkt nach den USA, Japan und China.
Indien ist eines der am schnellsten wachsenden Schwellenländer Asiens. Die Zahl der installierten Roboter stieg im Jahr 2023 um 59 % auf 8.510 Einheiten. Das ist ein neuer Höchststand. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie stieg auf 3.551 Einheiten - ein Zuwachs von 139 %. Sowohl die Automobilhersteller als auch die Zulieferer trugen zu dieser Entwicklung bei.
Amerika
In Amerika stieg die Nachfrage das dritte Jahr in Folge über die Marke von 50.000 Einheiten: Im Jahr 2023 wurden 55.389 Einheiten installiert. Das liegt nur 1 % unter dem Rekordniveau von 2022. Auf die Vereinigten Staaten, den größten Markt in der Region, entfielen 68 % der 2023 installierten Roboter. Die Zahl sank um 5 % auf 37.587 Einheiten. Das ist das drittbeste Ergebnis seit den Rekordständen 2022 und 2018. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie verringerte sich um 15 % auf 12.421 Einheiten. Das entspricht dem durchschnittlichen Ergebnis der letzten zehn Jahre. In der Metallindustrie und im Maschinenbau stiegen die Installationen um 8% auf 4.171 Einheiten. In der US-Elektro-/Elektronikindustrie blieb die Nachfrage mit 3.900 Einheiten stabil (+ 1 %). In Kanada stiegen die Roboterinstallationen um 37 % auf 4.311 Einheiten. Die Nachfrage hängt weitgehend von den Investitionszyklen der Automobilindustrie ab. Der Marktanteil der Autoindustrie lag 2023 bei 58 %.
Der Roboter-Absatz in Mexiko wird ebenfalls primär von der Automobilindustrie getragen: Der Marktanteil beträgt 70 %. Im Jahr 2023 gingen die Installationen in dieser Branche um 5 % auf 4.087 Einheiten zurück. Das folgt dem bekannten zyklischen Nachfragemuster in diesem Kundensegment. Die Gesamtinstallationen erreichten 5.832 Einheiten, was einem Rückgang von 3 % entspricht.
Stand: 08.12.2025
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Europa
In Europa stieg die Zahl der neu installierten Roboter auf einen neuen Höchststand von 92.393 Einheiten im Jahr 2023. Das ist ein Plus von 9 %. 80 % der Industrie-Roboter wurden an Standorten in der Europäischen Union abgesetzt (73.534 Einheiten, + 2 %). Zahlreiche Projekte kamen 2023 zum Abschluss, und der Auftragsbestand aus den vollen Orderbüchern wurde abgearbeitet. Zudem profitierte die Roboternachfrage von einem Nearshoring-Trend.
Aufgeschlüsselt nach Branchen wurde das Wachstum 2023 stark von der Automobilindustrie angetrieben, die in traditionell starken Herstellerländern wie Spanien (5.053 Einheiten, + 31 %), aber auch in kleineren Märkten wie der Slowakei (2.174 Einheiten, + 48 %) oder Ungarn (1.657 Einheiten, + 31 %) investierte. In Deutschland stiegen die Installationen 2023 um 7 % auf 28.355 Einheiten. Das Land ist der größte Markt in Europa und zählt als einzige europäische Volkswirtschaft zu den fünf größten Märkten weltweit. Auf dem zweitgrößten europäischen Markt, Italien, waren die Installationen um 9 % rückläufig und erreichten 10.412 Einheiten. Der drittgrößte europäische Markt, Frankreich, verzeichnete ein Minus von 13 % und kam auf 6.386 installierte Einheiten. In Großbritannien wurden insgesamt 3.830 Industrie-Roboter installiert – ein deutliches Plus von 51 % im Jahr 2023. Wichtigster Treiber waren Investitionen der Automobilindustrie, hauptsächlich in der Montage.
Deutschland
Deutschland ist der größte Markt für Industrie-Roboter in Europa“, sagt Marina Bill „Rund jede dritte Robotereinheit wurde 2023 von der deutschen Wirtschaft installiert. Der operative Bestand stieg zwischen 2018 und 2023 jedes Jahr durchschnittlich um 5 %.“
Der Absatz in der Automobilindustrie stieg um 29 % auf 9.190 Einheiten im Jahr 2023. Dabei installierten Automobilhersteller 5.001 Einheiten (+ 29 %) und Automobilzulieferer 4.008 Einheiten (+ 31 %). In diesen Ergebnissen spiegeln sich Nachholeffekte wider: Wegen fehlender elektronischer Bauteile war die Produktion bei mehreren Herstellern vorübergehend ausgesetzt worden. Im Jahr 2023 konnten die Aufträge abgeschlossen werden. Der Marktanteil des Segments lag im Branchenvergleich bei 32 % aller installierten Roboter.
Die metallverarbeitende Industrie installierte 2023 eine neue Rekordzahl von 4.916 Einheiten. Das ist ein Plus von 16 % im Vergleich zum Vorjahr. Es folgen die chemische- und Kunststoffindustrie mit 1.832 installierten Einheiten (- 12 %) und die Elektro-/Elektronikindustrie mit 1.746 Einheiten (+ 13 %). Die Produktion von Industrie-Robotern in Deutschland erreichte 34.788 Einheiten und liegt damit nur 2 % unter dem Rekordwert aus dem Jahr 2022. Die Hersteller kommen damit auf einen Marktanteil von 6 % der weltweiten Nachfrage. Der Markt setzt sich im Wesentlichen aus Herstellern klassischer Hochleistungs-Roboter für die Industrie und neueren Anbietern zusammen, die besonders kostengünstige Robotik anbieten – so genannte Low-Cost-Roboter.
Ausblick
Die OECD erwartet eine Stabilisierung des weltweiten Wachstums. Geopolitische Spannungen werden jedoch nach wie vor als ein großer Risiko- und Unsicherheitsfaktor wahrgenommen. Die jüngsten Krisen schärften das politische Bewusstsein für inländische Produktionskapazitäten in strategischen Branchen. Die Automatisierung ermöglicht es den Herstellern, Produktionskapazitäten in die entwickelten Volkswirtschaften zu verlagern, ohne die Kosteneffizienz zu beeinträchtigen. Der weltweite Wirtschaftsabschwung wird 2024 seinen Tiefpunkt erreicht haben. Es wird erwartet, dass sich die weltweiten Roboterinstallationen bei 541.000 Einheiten einpendeln werden. 2025 dürfte sich das Wachstum beschleunigen und in den Jahren 2026 und 2027 fortsetzen. Keine Anzeichen gibt es dafür, dass der langfristige Wachstumstrend in naher Zukunft enden wird.
Für die deutsche Robotik-Industrie erwartet der Branchenverband VDMA Robotik + Automation ein herausforderndes Jahr 2024. Der hohe Auftragsbestand aus den vergangenen Jahren ist weitgehend abgearbeitet, während der Auftragseingang seit Anfang 2023 seitwärts tendiert. Dabei wird die Schwäche im Heimatmarkt teilweise durch Auftragseingänge aus dem Ausland ausgeglichen. Solange die politische und wirtschaftliche Unsicherheit mit verhaltenen Auftragsvergaben anhält, wird das Jahr 2025 schwach bleiben. In den Jahren 2026 oder 2027 dürfte wieder mit stärkerem Wachstum zu rechnen sein, wenn zurückgestellte Investitionen getätigt werden.