Mehr als die Hälfte der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer rechnen damit, die Technologieführerschaft ans Ausland zu verlieren. So bereiten sie sich vor.
Die Mehrheit der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer rechnet laut einer Allensbachstudie damit, die Technologieführerschaft ans Ausland zu verlieren.
53 Prozent der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer gehen davon aus, dass die Technologieführerschaft künftig vom Ausland übernommen wird oder bereits übernommen wurde – vor allem durch Wettbewerber aus China und den USA. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung von Vorständen und Geschäftsführern deutscher Industrieunternehmen durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch.
Sieben von zehn Unternehmen wären davon nach eigener Einschätzung stark oder sehr stark betroffen (70 Prozent). Nahezu alle Maschinenbauer halten einen Markteintritt chinesischer Hersteller in Europa für wahrscheinlich (93 Prozent). Gleichzeitig berichtet knapp jeder dritte Betrieb von finanziellen Nachteilen, weil Wartung und Service zunehmend von Drittanbietern übernommen werden (29 Prozent).
Bei den Maschinenbauern, die sich von einem möglichen Verlust der Technologieführerschaft betroffen sehen, zeigt sich ein gemischtes Reaktionsmuster. 86 Prozent investieren verstärkt in den Aufbau eigener Software- und IT-Kompetenz, weitere drei Prozent planen dies kurzfristig. 73 Prozent arbeiten an der Beschleunigung ihrer Innovationszyklen. Rund zwei Drittel intensivieren die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen oder planen dies (66 Prozent).
Die gleiche Anzahl will das eigene Geschäft künftig stärker auf Nischen fokussieren, weitere 14 Prozent sind bereits heute stark auf Nischen ausgerichtet. Technologiepartnerschaften mit US- oder asiatischen Unternehmen bestehen derzeit bei 14 Prozent, weitere 21 Prozent planen den Aufbau solcher Kooperationen.
„Dass eine Mehrheit der Maschinenbauer den Verlust der Technologieführerschaft erwartet, hätte vor wenigen Jahren noch als undenkbar gegolten. Wir sehen das im Markt heute schon in einigen Fällen wie beim Werkzeug- und Spritzgussmaschinenbau“, sagt Philipp Oemler, Senior Managing Director bei FTI-Andersch, der auf Restrukturierung, Business Transformation und Transaktionen spezialisierten Beratungseinheit von FTI Consulting.
„Entscheidend ist nun, wie Unternehmen darauf reagieren. Klassische Instrumente wie Fokussierung können im Einzelfall sinnvoll sein, greifen aber zu kurz, wenn sie nicht Teil einer ganzheitlichen Transformation sind. Ein reines ‚Weiter-mit-dem-Markt-wachsen‘ wird in vielen Fällen nicht mehr ausreichen. Gefragt sind gezielte Anpassungen von Geschäftsmodellen, Portfolios und Wertschöpfung an die neuen Wettbewerbsrealitäten.“
China-Offensive in Europa und Übernahme von Dienstleistungen durch Drittanbieter
Nahezu alle befragten Maschinen- und Anlagenbauer halten es für wahrscheinlich, dass chinesische Unternehmen in den kommenden Jahren verstärkt auf den europäischen Markt drängen (93 Prozent). Mehr als die Hälfte stuft das als sehr wahrscheinlich ein (52 Prozent), weitere zehn Prozent geben an, dass dieser Markteintritt in ihrem Segment bereits stattgefunden hat. Für 19 Prozent der Unternehmen hätte dies sehr starke, für weitere 38 Prozent starke Auswirkungen auf das eigene Geschäft – insgesamt wären damit 57 Prozent deutlich betroffen.
29 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer berichten zudem von erheblichen oder begrenzten finanziellen Nachteilen, weil Wartungs- und Supportleistungen zunehmend von Drittanbietern übernommen werden – etwa durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung oder digitalen Plattformen.
„Der Wettbewerbsdruck im Maschinen- und Anlagenbau nimmt auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu: neue regionale Wettbewerber genauso wie durch Akteure aus Software und Service. Die sorgen teils für erhebliche Umsatzrückgänge im Service-Geschäft“, sagt Philipp Oemler. „Für jedes Unternehmen stellt sich damit sehr konkret die Frage, in welchen Bereichen es sich differenzieren kann und wo nicht. Diese Klarheit ist Voraussetzung, um Investitionen gezielt zu steuern und Fehlallokationen zu vermeiden.“
Mit diesen Maßnahmen reagieren Unternehmen auf die strukturellen Brüche
Als Antwort auf die zunehmenden strukturellen Brüche setzen viele Maschinen- und Anlagenbauer, die sich davon betroffen fühlen, auf eine Kombination aus technologischen, organisatorischen und strategischen Anpassungen. Vier von fünf Unternehmen bauen eigene digitale Serviceangebote auf oder planen dies kurzfristig (80 Prozent). 72 Prozent verlagern Produktionsschritte in Regionen mit niedrigeren Kosten oder bereiten dies vor. Eine klare Mehrheit investiert zudem in zusätzliche Software- und KI-Kompetenz und richtet ihr Geschäft stärker auf spezialisierte Nischenmärkte aus.
Stand: 08.12.2025
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Nur gut ein Drittel der Maschinenbauer plant neue Erlösmodelle wie Pay-per-Use oder Monitoring-as-a-Service (37 Prozent). Beteiligungen an spezialisierten (KI-)Start-ups ziehen 20 Prozent in Betracht, um sich gezielt zusätzliche Impulse zu sichern.
„Die Beobachtung aus unserer Beratungspraxis deckt sich mit den Ergebnissen der Allensbach-Untersuchung: Viele Unternehmen reagierten in den vergangenen Jahren aktiv, aber eher konservativ und fokussiert auf Teilbereiche“, sagt Philipp Oemler. „Im Maschinenbau wird sich vor dem Hintergrund der neuen Marktgegebenheiten künftig weniger über einzelne Maßnahmen entscheiden, sondern darüber, ob Technologie, Service und kommerzielle Logik zu einem stimmigen Geschäftsmodell verbunden werden. Genau dort liegt für einzelne Unternehmen der entscheidende Hebel. Entsprechend beobachten wir einen starken Anstieg im Bereich der umfassenden Transformationen.“