Drehteile Deutschlands Drehteile-Hersteller unter starkem Margendruck

Redakteur: Bernhard Kuttkat

Deutlich erhöhte Materialpreise, starker Preisdruck der Abnehmer und sinkende Margen – die deutsche Drehteile-Industrie steht nach wie vor unter Druck. Die sowieso schon angespannte Ertragslage der kleinen und mittelständischen Unternehmen verschärft sich.

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Die schlechte Nachricht zuerst: Aus den ersten aktuell vorliegenden Zahlen der deutschen Drehteile-Industrie für das 3. Quartal 2007 kann bereits abgeleitet werden, dass im 2. Halbjahr insgesamt eher mit einer Beruhigung der Nachfrage gerechnet werden muss, meldet Werner Liebmann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Drehteile-Industrie in Düsseldorf. Nun die gute Nachricht: Im Auftragseingang wurde mit einem Plus von 13,8% der höchste Zuwachs seit dem Jahr 2000 erreicht.

Dennoch ist die Situation nach wie vor angespannt. „Zwar entwickelte sich der Umsatz in der Branche im Jahr 2006 – wie bereits in den Vorjahren – wieder sehr positiv und lag mit einem Zuwachs von 8,2% deutlich über dem Vorjahreswert von 5,4%, aber die Materialpreiserhöhungen und die Situation auf den Energiemärkten und im Transportbereich führen zu weiter sinkenden Margen, die von kleinen und mittleren Unternehmen der Branche kaum mehr kompensiert werden können“, weiß der Verbandsmanager.

So werde der Umsatzzuwachs von 12,6% im 1. Halbjahr 2007 zu einem großen Teil durch die deutlich höheren Materialeinkaufspreise bestimmt, die deutlich um 1,5 Prozentpunkte gestiegen seien und mit 27,6% des Umsatzes ein Allzeithoch erreichten.

Neue Forderungen an die Drehteile-Hersteller kommen „durch die Hintertür“

Der starke Preisdruck der Abnehmer – allen voran die OEM und Tier-1-Lieferanten aus der Automobilindustrie – herrscht nach wie vor, betont Liebmann. „Hinzu kommen verstärkt Forderungen ‚durch die Hintertür’ wie Prüfaufwand, Dokumentation, Lagerkosten und Zahlungsziele, um nur einige zu nennen.“ Auch werde in letzter Zeit ein deutlich verschärfter Tonfall in der Beziehung zwischen Kunde und Lieferant spürbar. „Von einer Entspannung kann also keine Rede sein, eher ist das Gegenteil der Fall“, stellt Liebmann fest.

„Die Marktsituation für in Deutschland produzierende Unternehmen ist unter dem Strich deutlich besser als vielfach dargestellt wird. Das gilt aber nur für Unternehmen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Dazu gehören ein moderner, leistungsfähiger Maschinenpark, eine Spezialisierung oder Nischenpolitik sowie die Lösung des Facharbeiterproblems“, so die Überzeugung von Hermann Rumpel, geschäftsführender Gesellschafter der Rumpel Präzisionstechnik GmbH in Wilfingen. Das Unternehmen produziert einbaufertige Teile, Baugruppen und Geräte aus allen zerspanbaren Werkstoffen für Kunden aus der Automobilindustrie, der Luftfahrt, dem Maschinenbau, der Verfahrenstechnik sowie der Medizintechnik und der optischen Industrie.

Rumpels Aussage klingt zunächst einfach. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Kapitaldecke von vielen Unternehmen sehr oft nicht besonders dick ist, muss die tatsächliche Entwicklung vieler Unternehmen hinter der gewünschten zurückbleiben. „Außerdem ist die Drehteile-Industrie eine sehr eigene Branche mit schwierig nachvollziehbaren Regularien und wenig vergleichbar mit anderen mittelständischen Branchen“, bemerkt Rumpel.

Enormer Preisdruck auf Drehteile-Industrie trotz florierender Konjunktur

Trotz sehr guter Konjunktur herrsche in der Branche ein enormer Preisdruck. „Jammern ändert allerdings nichts“, weiß der Firmen-Chef, „sondern wir müssen aus den Gegebenheiten das Beste machen.“ Dabei möchte er die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen: „Sie muss die Rahmenbedingungen für den Mittelstand deutlich und nachhaltig verbessern.“

Mit Sorge betrachtet er die immer stärker werdenden Forderungen vieler Kunden, die unter dem Motto „Gewinnmaximierung bei den OEM“ zu Lasten des Mittelstandes gehen: „Wir haben Vorgaben, den Preis jedes Jahr zu senken, müssen Konsignationslager einrichten, müssen den größten Teil der enormen Preissteigerungen beim Rohmaterial tragen und sollen künftig auch noch für Konstruktionsmängel mithaften.“ Wenn die großen Abnehmer von Drehteilen auch zukünftig noch leistungsstarke Partner in Deutschland haben wollen, ist ein Umdenken erforderlich. „Die Geiz-ist geil-Mentalität“, so Rumpel, „sollte in unserer Branche nicht stärker Fuß fassen.“

Deutsche Drehteile-Hersteller punkten mit Qualität auf der ganzen Linie

Befragt, ob deutsche Drehteilehersteller ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Konzentration auf komplexe Drehteile und/oder durch Erweiterung des Dienstleistungsangebots nach dem Motto „alles aus einer Hand rund um das Drehteil“ steigern können, hat er gleich eine Antwort parat: „Das wird von den erfolgreichen Unternehmen schon lange praktiziert. Allerdings tun sich damit viele traditionell denkende Unternehmen noch schwer. Lassen Sie mich diese Frage allgemein beantworten. Wir müssen uns auf all die Eigenschaften konzentrieren, die uns auszeichnen, also auf absolute Zuverlässigkeit, Termintreue, Qualität, Problemlösungskompetenz, aber auch auf die präzise Abwicklung von Reklamationen – also vor allem auf Eigenschaften, die Mitbewerber aus den so genannten Billiglohnländern nicht in dem Maße haben wie wir.“

Eine vergleichbare Auffassung vertritt Verbandsmanager Liebmann: „Im internationalen Wettbewerb können die deutschen Drehteilehersteller nur durch erstklassige Qualität, innovative Ideen, flexible Fertigungsprozesse und höchste Zuverlässigkeit bestehen, das ist zurzeit der klare Wettbewerbsvorteil.“

Pius Weber, Geschäftsführer des Drehteilespezialisten Paul Weber GmbH & Co. KG in Herrenzimmern, gibt die strategische Ausrichtung vor: „Wir wollen nicht nur reiner Warenversorger sein, sondern vor allem kreativer Ideen- und Ratgeber.“ Ganz wichtig ist ihm auch eine hohe Servicebereitschaft.

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