Fachkräfte Diesen Fehler machen sogar Konzerne beim Employer Branding über Youtube

Ein Gastbeitrag von Tristan Niewöhner 5 min Lesedauer

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Erst steckt man viel Geld in die Videoproduktion und am Ende gibt es nur 100 Klicks? Wir verraten, wie Mittelständler das vermeiden können und damit den großen Konzernen einen Schritt voraus sind.

Es reicht nicht, viel Geld in die Produktion von Youtube-Videos zu stecken. Die Videos müssen anschließend auch beworben werden.(Bild:  artempohrebniak - stock.adobe.com)
Es reicht nicht, viel Geld in die Produktion von Youtube-Videos zu stecken. Die Videos müssen anschließend auch beworben werden.
(Bild: artempohrebniak - stock.adobe.com)

Die Zahlen sprechen für sich: Jeden Monat gibt es alleine in Deutschland 70 Millionen Suchanfragen zum Thema „Jobs“ auf Google. 73,2 Prozent der Personen, die heutzutage einen neuen Job suchen, starten ihre Suche bei Google. Bei den Schülerinnen und Schülern, die kurz davor sind, die Schulzeit abzuschließen und nach einer Ausbildung suchen, sind es sogar über 84 Prozent.

Youtube erzielte 2022 eine Tagesreichweite von 36,7 Prozent. Das heißt, jeden Tag kann ein Drittel der deutschen Bevölkerung über Youtube erreicht werden. Erwachsene beschäftigen sich durchschnittlich 40 Minuten auf der Plattform – jeden Tag. Mehr als 40 Prozent aller Schülerinnen und Schüler schauen sich auf Youtube Videos über potenzielle Arbeitgeber und Ausbildungen an.

Diese Zahlen zeigen: Auf Google und Youtube tummeln sich die potenziellen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Es sind die beiden Webseiten mit der größten Reichweite weltweit. Und es verwundert, dass alle Unternehmen von Social Media Recruiting sprechen, dabei aber das zweitgrößte Social Network der Welt – Youtube – vergessen. Google und Youtube sind also die perfekten Plattformen für ein effektives Employer Branding.

Warum ist Employer Branding heute so wichtig?

Heutzutage Personal zu finden ist kein leichtes Unterfangen. 53 Prozent aller Unternehmen können offene Stellen längerfristig nicht besetzen, weil sie einfach keine passenden Arbeitskräfte finden. Das liegt zum einen natürlich an dem demographischen Wandel und dem daraus bedingten Fachkräftemangel, aber auch an dem veränderten Suchverhalten der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber.

Die klassischen Kanäle wie Tageszeitungen oder Jobbörsen funktionieren nicht mehr. Und sucht man neues Personal, dann muss man es umwerben, wie einst die Kunden. Der Zugang zu ausgeschriebenen Stellen muss so einfach wie möglich angelegt und der relevanten Zielgruppe angepasst werden. Als Unternehmen kann man es sich heute nicht mehr leisten, dass man gesucht werden muss. Stattdessen muss man sich sichtbar machen, sodass man für die Zielgruppe auffindbar wird!

Mit diesem Wissen liegt es nahe, sich als Unternehmen, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht, dort zu präsentieren, wo die potenziellen Bewerberinnen und Bewerber suchen: auf Google und Youtube.

Selbst die DAX-Konzerne verschenken beim Employer Branding viel Potenzial

Das Bielefelder Startup-Unternehmen persomatch wollte wissen, ob wenigstens die DAX-Unternehmen das Potenzial von Youtube kennen und hat untersucht, ob und wie effektiv das soziale Medium für die Unternehmenspräsentation und die Vorstellung offener Jobs genutzt wird. Das Ergebnis zeigt: Hier wird noch sehr viel Potenzial verschenkt.

Zwar scheinen die DAX-Unternehmen die Wichtigkeit von Youtube erkannt zu haben, denn es gibt unternehmenseigene Kanäle, und diese werden auch ziemlich aktuell gehalten. Aber: Das hochgeladene Videomaterial wird kaum von Internet-Nutzern angeschaut. Der Grund dafür ist offensichtlich: Die Videos werden einfach nicht gefunden.

Hier wird sehr viel Geld für professionelle Videos in die Hand genommen und gleichzeitig verbrannt.

Fast 60 Prozent der DAX-Unternehmen erzielen mit ihren deutschen Employer Branding Videos weniger als 10 Views pro Tag. Die Zahlen der deutschen Videos, die sich auf unternehmenseigene Jobs beziehen, sehen ähnlich aus: Bei 66 Prozent der Unternehmen gibt es weniger als zehn Leute pro Tag, die sich das Video mindestens 30 Sekunden lang anschauen. 15 Prozent der Unternehmen schaffen es immerhin, täglich von einer dreistelligen Anzahl von Usern gefunden zu werden. Dabei sprechen wir hier von Views, die sich zwischen 124 und 900 (als absolute Ausnahme) bewegen.

Kurz gesagt: Hier wird sehr viel Geld für professionelle Videos in die Hand genommen und gleichzeitig verbrannt, weil diese Videos von niemandem gefunden werden. So helfen diese Videos auch nicht beim Aufbau einer starken Unternehmensmarke oder bei der Besetzung offener Stellen.

So geht erfolgreiches Employer Branding mit Youtube und Google

Das Internet ist voll mit Informationen. Um hier gefunden zu werden, reicht es nicht aus, ein hochwertiges Video zu produzieren, es auf Youtube hochzuladen und dann davon auszugehen, dass es gefunden wird – von der relevanten Zielgruppe natürlich. Man muss den Videos mit Google Ads eine entsprechende Reichweite verleihen.

Da Youtube zum Google-Konzern gehört, greifen die Marketing-Maßnahmen hier gut ineinander, und die Werbung ist auf Youtube auch noch relativ günstig. Zahlreiche Targeting-Optionen machen es möglich, die relevante Zielgruppe ohne Streuverluste zu erreichen. Darunter zum Beispiel:

  • Alter,
  • Geschlecht,
  • geografische Daten,
  • auf Jobsuche,
  • interessiert an der Branche.

Ein Beispiel: Ein Internet-Nutzer oder eine Internet-Nutzerin ist aktiv auf der Suche nach einem Job oder ist offen für neue Jobangebote. Diese Person befindet sich auf Google und stellt beispielsweise folgende Suchanfragen: „Job Maschineneinrichter“, „Stelle Maschineneinrichter München“, „Karriereseite Unternehmen XY München“, etc. Diese Suchanfragen merkt sich Google und bildet für diese Person ein Profil.

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Auf der anderen Seite gibt es ein Unternehmen aus München, das regelmäßig verschiedene Stellen zu besetzen hat. Darunter zum Beispiel auch eine Stelle als Maschineneinrichter. Dieses Unternehmen hat ein hochwertiges Employer Branding Video produziert, in dem es das Unternehmen vorstellt und auf die unternehmenseigene Karriereseite hinweist.

Dieses Video wird per Google Ads beworben. Das Unternehmen hat die Zielgruppe passgenau festgelegt. Nun befindet sich oben genannter Internet-Nutzer auf Youtube und schaut sich irgendein Video an. Und da diese Person mit ihrem Profil in die Gruppe der festgelegten Zielgruppe passt, wird vorher die Werbung zu dem Employer Branding Video des Unternehmens eingespielt.

Das Thema interessiert den Nutzer, das Video wird angeklickt oder es wird im Anschluss bei Google nach dem Unternehmen gesucht, dem Verweis auf die Karriereseite wird gefolgt, die ausgeschriebene Stelle wird gefunden und im besten Fall folgt eine Bewerbung. Wenn man die verschiedenen Targeting-Optionen intelligent kombiniert, dann lassen sich so nicht nur aktiv Jobsuchende ansprechen, sondern auch passiv Wechselwillige.

Selbstversuch

Im Rahmen des eigenen Employer Branding stellt sich persomatch über ein Video potenziellen Mitarbeitenden vor. Dieses Video wurde in zwei Versionen auf Youtube hochgeladen. Eine Version wird über Google Ads mit Video-Anzeigen beworben. Das heißt, Personen aus der relevanten Zielgruppe bekommen das Video von persomatch gezeigt, bevor das eigentlich von ihnen gewählte Video startet.

Das nicht beworbene Video erreicht in einem festgelegten Zeitraum 136 Views, wohingegen das beworbene Video im gleichen Zeitraum 13.997 Views erzielt. Mit dem beworbenen Employer Branding Video erzielt persomatch pro Tag durchschnittlich mehr als 1.000 Views und damit ein Vielfaches von dem aller DAX-Unternehmen. Und das zu sehr günstigen Konditionen.

Tristan Niewöhner, Geschäftsführer von persomatch: „Wenn man bedenkt, dass persomatch gerade mal 38 Abonnenten hat und man dann sieht, dass für das beworbene Video ein Verhältnis von Views zu Abonnenten von 368 Prozent vorliegt, dann stellt sich die Frage nach einer Sinnhaftigkeit von Video-Anzeigen nicht. Zumal wir über diesen Weg tatsächlich zahlreiche Bewerbungen erhalten.“

* Tristan Niewöhner ist Gründer und Geschäftsführer der persomatch GmbH

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