Klimaschutz Digitalisierung: Stromsparer oder Stromfresser?

Ein Gastkommentar von Tobias Thelemann* 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Digitalisierung verschiedener Wirtschaftszweige wie dem verarbeitenden Gewerbe stehen steigende Energiemengen und -kosten gegenüber. Muss die Digitalisierung unter diesem Aspekt betrachtet, neu unter die Lupe genommen werden und welche Schlüsse können wir daraus ziehen?

Um die Energieverbräuche langfristig zu senken, müssen Unternehmen stets auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung zu bleiben.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Um die Energieverbräuche langfristig zu senken, müssen Unternehmen stets auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung zu bleiben.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Digitalisieren von Geschäftsprozessen

Das Digitalisieren von Geschäftsprozessen birgt viele Vorteile. Wiederkehrende Abläufe lassen sich mithilfe passender Anwendungen so automatisieren, dass Experten nur noch das Überprüfen und Korrigieren übernehmen müssen. Die dadurch frei gewordene Arbeitszeit können Betriebe anderweitig verwenden, etwa zum Weiterentwickeln des Geschäfts. Neben dem Einsparen menschlicher Arbeitszeit, können Prozesse danke digitaler Technologien effizienter und transparenter gestaltet werden, was wiederum Zeit und Geld spart. Auch das Überbrücken räumlicher und zeitlicher Grenzen gewinnt für das geschäftliche Zusammenarbeiten zunehmend an Bedeutung. Via Remote-Work-Tools gelingt abgestimmtes Arbeiten immer besser – egal, ob vom Büro, von unterwegs, aus dem Homeoffice oder über verschiedene Betriebsstandorte hinweg.

Steuerung von Maschinen, Daten- und Energieströmen

Zur Produktionsunterstützung setzen verarbeitende Unternehmen immer häufiger ausgereifte Maschinen ein. Damit verbrauchen sie mehr Strom und stoßen einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen aus: In 2020 verantworteten produzierende Unternehmen 38 Prozent des Energieverbrauchs und 26 Prozent der CO2-Emissionen auf der Erde. Auch der Einsatz kollaborativer Roboter, von End-to-Ende-Monitoring-Lösungen, von Remote-Work- und Predictive-Maintenance-Tools erzeugen stetig wachsende Daten- und Energieströme. Gespeichert, sortiert und geleitet werden die Daten häufig in großen Rechenzentren, die für ihren Betrieb wiederum sehr viel Strom benötigen. Die eigene ökologische Bilanz zu verbessern ist daher eine wichtige langfristige Aufgabe für das verarbeitende Gewerbe.

Green Engineering für den Klimaschutz

Um Prozesse nachhaltiger zu gestalten, bedienen sich Produktionsbetriebe häufig des ingenieurtechnischen Verfahrens, dem Green Engineering. Im Fokus stehen dabei das ganzheitliche Analysieren, Entwickeln und Bewerten energie- und stoffwirtschaftlicher Prozesse zum Schutz natürlicher Ressourcen. Digitalisierungstechnologien wie Sensoren und Datenanalysen ermöglichen es, Ressourcenverbräuche zu untersuchen, zu steuern und zu minimieren. Neben sinkenden Energieverbräuchen und Emissionen von Treibhausgasen kann das verarbeitende Gewerbe durch den vernetzten Einsatz umweltfreundlicher Technik auch seine Produktivität erhöhen. Doch je mehr Prozesse digitalisiert werden, desto mehr digitale Geräte setzen Unternehmen ein und umso mehr negative Umweltwirkungen treten auf.

Technologien versus absolute Einsparungen

Die Studie zeigt, dass für die große Mehrzahl der befragten Unternehmen ein Tradeoff existiert: zwischen dem Einsatz digitaler Technologien und den absoluten Energieeinsparungen. Mit steigendem Einsatz digitaler Technologien steigt die verbrauchte Energie binnen eines Jahres um 1,03 Prozent. Betrachtet man darunter lediglich den Stromverbrauch, steigt dieser binnen eines Jahres um 1,34 Prozent. Die zur Stromerzeugung verbrauchte Energie aus fossilen Brennstoffen ändert sich dagegen kaum. Daraus folgt, dass der Gesamtanstieg des Energieverbrauchs hauptsächlich durch den höheren Stromverbrauch der digitalen Technologien verursacht wird. Deshalb ist es sinnvoll, diese ständig auf dem neuesten Stand zu halten und kontinuierlich nach energieeffizienten Alternativen zu suchen.

Durchdacht digitalisieren und Verbräuche senken

Produzierende Betriebe müssen durchdacht digitalisieren und ihre Stromverbräuche nachhaltig senken. Dafür integrieren immer mehr verarbeitende Betriebe etwa Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Produktions- und Fertigungshallen. Zudem verbessern sie das Erfassen ihrer Energiedaten und optimieren ihre Maschinenauslastungen mit KI-Lösungen. Auch das Kennzeichnen energieeffizienter Soft- und Hardware durch das Siegel Blauer Engel trägt zum nachhaltigen Digitalisieren bei.

Um die Energieverbräuche langfristig und bleibend zu senken, gilt es, stets auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung zu bleiben und neue Lösungen sinnvoll vernetzt im Produktionsbetrieb zu verankern.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Industry of Things erschienen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

* Tobias Thelemann ist Produktmanager Mechanische Bauelemente und Automatisierungstechnik bei Reichelt Elektronik.

(ID:49578628)