Inspektion von Pipelines

Drohne mit Röntgenblick

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Blick in die Praxis

In der Praxis könnte das folgendermaßen funktionieren: Entlang der Pipelines, jeweils an den Bodenventilstationen, die 30 bis 50 km voneinander entfernt liegen, werden Drohnen stationiert. Meldet das Prozessleitsystem über fest installierte Sensoren eine Abweichung, fliegt die nächstgelegene Drohne den betreffenden Streckenabschnitt autonom ab. Die aufgenommenen Daten werden an das Leitsystem zurückgemeldet, welches das Ereignis analysiert und Gegenmaßnahmen vorschlägt. „Wir ergänzen dafür das bestehende SCADA-System mit automatisierter Analyse von Bild- und Prozessdaten. Anomalien und Defekte werden in der realen 3D-Umgebung dargestellt. Diese zusätzliche Information und die visuelle Aufbereitung der Daten in SCADA erleichtern es, Fehler rascher zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten“, erklärt der Softwareexperte Daniel Schall von Corporate Technology.

Noch rund ein Jahr wird es dauern, bis die Forscher ihre Arbeit abgeschlossen haben. Weitere Testflüge in Deutschland und Österreich sind geplant, bei denen unterschiedliche Sensorik und verschiedene Flugkörper, beispielsweise Leichtflugzeuge, erprobt werden.

Vielfältige Einsatzgebiete

Die Technik soll dann nicht nur für das Monitoring von Öl- und Gasleitungen, sondern auch für weitere industrielle Anwendungen einsetzbar sein, zum Beispiel bei Gebäuden. Große Büro- oder Industriebauten haben einen hohen Bedarf an Heizenergie. Sie sollte auch im Gebäude bleiben und nicht durch schlecht gedämmte Bereiche der Fassade oder des Dachs verloren gehen. Mithilfe der Drohnen können die Forscher nah an Gebäude fliegen und so Dächer und Fassaden genau inspizieren. Die Kameras der kleinen Fluggeräte machen via Infrarot Bilder der Wärmeabstrahlung der Gebäude und kombinieren diese mit Fotos im sichtbaren Bereich des Spektrums. Aus diesen Daten wird ein dreidimensionales Modell errechnet: Hot Spots, also Bereiche, in denen Wärme verloren geht, können so aus der Luft lokalisiert werden. Der Vorteil für die Betreiber eines Büro- oder Industriekomplexes liegt auf der Hand: Die Wärmelecks können abgedichtet werden, die Umwelt wird entlastet und Kosten werden eingespart.

Eine weiteres mögliches Einsatzgebiet für die Drohnen sind Oberleitungen. Diese gibt es nicht nur für Züge, sondern auch für Lastwagen, die umweltschonend elektrisch betrieben werden – wie beim eHighway von Siemens. Hierbei haben Drohnen die Leitungen von oben optimal im Blick. Die Copter fliegen die Trassen ab und machen in regelmäßigen Abständen Fotos, die später am Computer ausgewertet werden. Ob Fremdkörper auf den Drähten, durchhängende Leitungen oder defekte Masten: Dank einprogrammierter Parameter erkennt die Software genau, ob und wann sich ein Schaden anbahnt. So können Ausfälle bereits im Vorfeld verhindert werden.

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