Das Geschäftsjahr 2023/24 war für die EBM-Papst-Gruppe herausfordernd. Der Umsatz ist zurückgegangen und man hat das Kerngeschäft neu ausgerichtet. Doch das Produktportfolio, das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit sowie die zahlreichen Investitionen zeigen: Man setzt auf langfristiges Wachstum.
Die Geschäftsführung der EBM-Papst-Gruppe bilanzierte das Geschäftsjahr 2023/24: CFO Hans Peter Fuchs, CHRO Dr. Sonja Fleischer, CEO Klaus Geißdörfer und CTO Prof. Dr.-Ing. Tomas Smetana (v.l.).
(Bild: Philipp Reinhard | PHILIPPREINHARD.COM)
Die EBM-Papst-Gruppe, hat das Geschäftsjahr 2023/24 am 31. März 2024 mit einem Gesamtumsatz von 2,408 Milliarden Euro abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem 2,541 Milliarden Euro erzielt wurden, entspricht dies einem Rückgang von 5,2 Prozent.
Dieser Rückgang wird vom Familienunternehmen auf mehrere Faktoren zurückgeführt:
eine schwache Konjunktur in Europa,
Unsicherheiten im deutschen Heiztechnikmarkt und
ein herausforderndes makroökonomisches Umfeld, das von geopolitischen Konflikten geprägt ist.
Zudem hatte das strategische Phase-Out der Geschäftsfelder Hausgeräte und Automobiltechnik, einschließlich der Ablehnung von Neugeschäft in diesen Bereichen, einen erheblichen Einfluss.
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Mit der Strategie „Gemeinsam Zukunft machen“ konzentriert sich der Technologieführer auf seine internationalen Kernsegmente Luft- und Heiztechnik sowie auf die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Klaus Geißdörfer, CEO der EBM-Papst-Gruppe, betont: „Die strategische Neuausrichtung unseres Unternehmens ist in vollem Gange und zeigt bereits Erfolge. Durch die Fokussierung auf unsere Wachstumssegmente Air- und Heating Technology, unterstützt von unserer Local-for-local-Strategie und einer konsequenten Innovationsausrichtung, schaffen wir die Grundlagen für eine langfristig erfolgreiche Zukunft unseres Unternehmens.“
Bereich Luft- und Klimatechnik wächst deutlich
Im Bereich der Luft- und Klimatechnik konnte EBM-Papst im Kalenderjahr um 9,5 Prozent zulegen. Trotz eines konjunkturell schwachen ersten Quartals in Europa erzielte dieser Bereich am Ende des Geschäftsjahres ein Umsatzplus und erreichte 1,733 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist hier mit hocheffizienten Ventilatoren für Rechenzentren, Reinräume und Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien zukunftsfähig aufgestellt.
Derzeit leidet das Unternehmen insbesondere in Deutschland (-4,1 Prozent auf 487 Millionen Euro) unter den Nachwehen des umstrittenen Gebäudeenergiegesetzes und der damit einhergehenden Verunsicherung der Märkte. Das Heiztechniksegment verlor 18,7 Prozent seines Umsatzes gegenüber Vorjahr und erzielte 322,9 Millionen Euro. „Wir hoffen weiterhin auf einen klaren und praxistauglichen Fahrplan für die Wärmewende in Deutschland und Europa“, sagt Geißdörfer. „Zudem lähmt uns die enorme Kontroll- und Regelungsflut.“ Mittelfristig erwartet EBM-Papst auch hier wieder einen Schub, insbesondere beim vielversprechenden Geschäft mit geräuschoptimierten, hocheffizienten Ventilatoren für Wärmepumpen.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Geißdörfer kein Wachstum, doch für die nächsten Jahre sieht er das Unternehmen durch die Fokussierung auf einem erfolgreichen Kurs.
International auf Wachstumskurs
Eine erfreuliche Entwicklung erlebte das Geschäft des Weltmarktführers für Ventilatoren in den USA. Auch in Asien zeigte sich das Geschäft positiv und wuchs auf 448,7 Millionen Euro.
„Unsere Strategie ‚Gemeinsam Zukunft machen‘, bei der wir uns auf nachhaltiges profitables Wachstum ausrichten, geht auf“, betont Geißdörfer. „Wir bauen unsere Standorte in den Regionen in Europa, Asien-Pazifik und Amerika kontinuierlich aus und fokussieren sie auf den lokalen Markt. Wir denken global und handeln lokal.“
Auch in den Wachstumsmärkten Asiens investiert EBM-Papst kräftig: Rund 25 Millionen Euro werden in den Ausbau des Werks in Xi'an, China, investiert. Hier sollen insgesamt 27.000 Quadratmeter Produktionsfläche entstehen. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen sein neues China Headquarter ONE Shanghai eröffnet, und ein weiterer Standort im Süden Chinas ist bereits in Planung.
In Indien wurde ein hochmodernes IT-Hub etabliert, in dem in den nächsten Jahren über 200 zusätzliche IT-Spezialisten arbeiten werden. Auch die Erweiterung der lokalen Produktionskapazitäten sind in Planung, um die Asienregion außerhalb Chinas zukünftig von Indien aus zu beliefern. Singapur wurde kürzlich als neue Asien-Pazifik-Zentrale ausgebaut. In den USA plant EBM-Papst einen weiteren Ausbau seiner Produktion in Telford, Tennessee und bereitet weitere Produktionsmöglichkeiten vor.
Auch in Oradea, Rumänien, plant das Unternehmen ein neues Lufttechnik-Werk. Das Grundstück über 56.000 Quadratmeter wurde bereits erworben. Ende des Jahres beginnen die Bauarbeiten.
Hans Peter Fuchs, Finanzgeschäftsführer und CFO der EBM-Papst Gruppe unterstreicht: „Mit diesen enormen Investitionen in unsere globale Präsenz und Innovationskraft legen wir die Basis für den Wachstumskurs der kommenden Jahre. Als führender Entwickler energieeffizienter Luft- und Heiztechnik-Lösungen bauen wir unsere Position als Weltmarktführer aus und rücken zudem in allen Regionen näher an unsere Kunden heran.“
Stand: 08.12.2025
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Verkauf der Antriebstechnik-Sparte IDT an Siemens
Im Rahmen des Investitionsprogramms bedeutete der seit zwei Jahren laufende und in der Unternehmensstrategie verankerte Fokussierungsprozess auch eine notwendige Stärkung der Antriebstechnik-Sparte IDT. Durch den geplanten Verkauf dieser Geschäftseinheit an Siemens erhält dieser Bereich den erforderlichen internationalen Marktzugang.
Die Auswirkungen dieses Verkaufs, dessen Erlös für zukünftiges Wachstum eingesetzt werden soll, werden im kommenden Jahr sichtbar, sodass die Einmaleffekte noch nicht in den aktuellen Zahlen reflektiert sind.
EBM-Papst wird sich somit mittelfristig ausschließlich auf Lufttechnik und Heiztechnik konzentrieren. Geißdörfer: „Innerhalb von fünf Jahren wollen wir den Umsatz im Kerngeschäft der Luft- und Heiztechnik auf über 3,5 Milliarden Euro fast verdoppeln. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen können.“
Mit Hochgeschwindigkeit Richtung künstliche Intelligenz
Dabei spielen Innovationen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. „Wir eröffnen völlig neue Geschäftsfelder“, sagt Technikgeschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Tomas Smetana und CTO der EBM-Papst-Gruppe. „Unsere Ventilatoren machen das Gesamtsystem noch effizienter, vor allem aber intelligenter. Durch vorausschauende Ventilatorüberwachung und Anlagensteuerung lassen sich zusätzliche Energie einsparen und Wartungsinterwale optimal definieren.“
EBM-Papst setzt dabei neben dem Neuanlagengeschäft auch auf die Modernisierung und den Austausch bestehender Systeme, was ein enormes Einsparpotenzial ermögliche. Weiteres Einsparpotenzial hebt der Ventilatorenspezialist dabei durch den datengestützten, bedarfsgerechten Betrieb der Anlagen, was sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt.
Die Betriebsdaten unzähliger Ventilatoren und Sensoren im Feld bilden zudem die Basis für KI-Anwendungen mit neuen datengetriebenen Services für Kunden. „Wir sorgen weiterhin für Kühlung und für frische Luft. Aber die entscheidenden Wertetreiber der Zukunft liegen in den intelligenten Daten, die unsere Systeme in der Kundenapplikation generieren und das effiziente Betreiben der Anlagen ermöglichen“, so Smetana. „Bei der Erschließung dieser neuen Geschäftsfelder zählt nun maximale Dynamik.“ Auch in der frühen Entwicklungsphase werden bereits KI-Algorithmen eingesetzt, um eine möglichst energieeffiziente und geräuscharme Laufradgeometrie zu finden.“
Generationenwechsel: Nachfolger als CFO
Harald Klaiber (l.) wird Hans Peter Fuchs als CFO folgen.
(Bild: alexey testov)
Im Bereich der Nachhaltigkeit verfolgt EBM-Papst weiterhin das ambitionierte Ziel, bis zum Geschäftsjahr 2025/26 im Scope 1 und 2 klimaneutral zu sein. „So konnte kürzlich erfolgreich ein Purchasing Power Agreement abgeschlossen werden, dass es ermöglicht, ab dem kommenden Jahr Grünstrom zu beziehen, so EBM-Papst Finanzgeschäftsführer Fuchs.
Hans Peter Fuchs (62) hatte auf der Jahrespressekonferenz seinen letzten Auftritt in seiner Funktion. Er geht in wenigen Wochen nach 16 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger als CFO ist Harald Klaiber (46), bisher kaufmännischer Geschäftsführer beim Esslinger Werkzeugmaschinenhersteller Index. „Damit ist der Generationenwechsel im Vorstand vollzogen“, so CEO Geißdörfer.