Unternehmenssoftware Einstieg mit fünf Kennzahlen
Daten aus Standard-IT-Systemen unterstützen aussagekräftiges Produktionscontrolling. Produktionscontrolling ist ein Prozess, der intensiven Dialog zwischen Controlling, Fertigung und Management...
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Produktionscontrolling ist ein Prozess, der intensiven Dialog zwischen Controlling, Fertigung und Management erfordert. Zielvorgaben werden üblicherweise anhand von Kennzahlen dargestellt, deren regelmäßige Betrachtung den Stand der Zielerreichung sowie die Abweichungen davon im Zeitverlauf aufzeigt. Doch nicht jede Kennzahl ist automatisch für jedes Unternehmen aussagefähig. Ein Controlling-Konzept hat erst dann eine Chance auf Erfolg, wenn die darin enthaltenen Informationen direkt auf die Bedürfnisse des Unternehmens, also praktisch dessen strategische Ausrichtung zugeschnitten sind. Voraussetzung für den Aufbau eines angemessenen Produktionscontrollings ist daher das Identifizieren der eigenen speziellen Controlling-Anforderungen; hierzu ist es die Aufgabe des Controllings, die strategische Zielsetzung des Managements auf operative Ebenen herunterzubrechen und daraus erreichbare Einzelziele für die Fertigung (Fertigungseinheiten und Abteilungen) abzuleiten. Allgemein gehaltene Kennzahlensysteme lassen sich zwar bequem in das eigene Berichtswesen übernehmen, jedoch gehen sie meist am tatsächlichen Bedarf vorbei. Sie verkommen allzu leicht zum „Zahlenfriedhof“, mit dem in der betrieblichen Praxis nicht gearbeitet wird. Für Einzelfertiger, deren Kunden auf kurze Lieferzeiten angewiesen sind, spielt zum Beispiel eine möglichst kurze Durchlaufzeit bei hoher Liefertermintreue eine große Rolle, im Gegensatz zu Unternehmen, die einen großen Teil ihres Absatzes über Abrufe vom Lager bedienen können. Dort kann die Optimierung der Maschinenbelegung wichtigste Zielsetzung sein. Daraus ergeben sich entsprechend unterschiedliche Produktionskennzahlensysteme. Die Termintreue ist eine Leistungskennzahl; sie gibt die Leistungsfähigkeit der Fertigung aus einer bestimmten Perspektive wieder; ebenso wie zum Beispiel die Anzahl der geleisteten Stunden innerhalb einer Periode. Derartige Kennzahlen sind im Produktionscontrolling maßgeblich wichtig. Isoliert betrachtet geben sie jedoch nur ein eingeschränktes Bild: Denn auch die Kostensituation der Produktion darf nicht vernachlässigt werden. Das folgende System aus fünf Kennzahlen, das in einer Werkstattfertigung Anwendung finden kann, liefert ein Beispiel für angewandtes Produktionscontrolling auf Basis von Standardsoftware. Es basiert auf der Kombination von Leistungs- und Kostenbetrachtung und liefert damit ein stimmiges Bild - ein einfacher Einstieg in das Produktionscontrolling: - Die Wirtschaftlichkeit der Fertigungseinheit: Sie errechnet sich aus den angefallenen Kosten (Lohnkosten, Betriebskosten) aus der Kostenstellenrechnung (BAB) und aus der produktiven Leistung der Fertigung in Geldeinheiten. Die auf Fertigungsaufträge gebuchten Stunden im ERP-System werden dazu anhand der Maschinenstundensätze zu einem „Verdienst“ hochgerechnet, der zur Deckung der Kosten dient. Dahinter steht das Ziel möglichst hoher Produktivquoten der Mitarbeiter und Maschinen, also deren optimaler Einsatz im Fertigungsprozess.- Die Rückmeldequote gibt Aufschluss über das Verhältnis der Anwesenheitszeit zu der für Aufträge gemeldeten Zeit (Produktivzeit). Je höher sie ist, um so genauer ist die Zuordnung der tatsächlichen Fertigungskosten zu Kundenaufträgen und Produkten, und um so geringer sind unproduktive Zeiten. Die Kennzahl „Rückmeldequote“ stammt aus einer Kombination von Zeit- und Betriebsdatenerfassung.- Die Anzahl der geleisteten Fertigungsstunden gibt neben der Auslastung auch die absolute Produktionsleistung wieder. Sie hängt von der Kapazität der Mitarbeiter und dem anstehenden Auftragsvolumen ab und wird vom ERP-System geliefert.- Die Personalkapazität ist ein Einsatzfaktor, den die Fertigung mit Überstunden, Schichtmodellen und dem Einsatz von Leihpersonal variabel gestalten kann, um die angeforderte Produktionsleistung zu erbringen. Sie stammt aus der Personalabrechnung.- Die Termintreue gibt die Leistungsfähigkeit der Produktion wieder, Fertigstellungstermine wie geplant einzuhalten. Sie wird anhand von festen Messpunkten im ERP-System ermittelt. Zwischen den Kennzahlen gibt es verschiedene Abhängigkeiten; so sind zum Beispiel die Kosten einer Erhöhung der Kapazitäten nur durch entsprechend hohe Produktivität auszugleichen. Ohne eine gute Rückmeldequote ist dies jedoch nicht zu erreichen. Werden zu wenige Fertigungsstunden geleistet, so bleibt das erwirtschaftete Ergebnis hinter den Kosten zurück, denn unproduktive Zeiten wirken sich direkt nachteilig auf die Leistungsbilanz der Fertigungseinheit aus, was Überkapazitäten aufdeckt. Termintreue wird auch bei hoher Auslastung gefordert, was eine Erweiterung der Personalkapazität erforderlich machen kann; deren Kosten sind durch die hohe Auslastung auch von der Fertigungseinheit „finanzierbar“. Kernpunkt des Kennzahlensystems ist Kennzahl 1 - die Verknüpfung von Kosten- und Leistungskennzahlen. Sie ermöglicht es, den Verantwortlichen in der Produktion das Prinzip einer „Wirtschaftlichen Leistung“ der Fertigungseinheiten zu vermitteln. Die Ermittlung dieser Kennzahlen zwingt zur Aufschlüsselung von Gemeinkostenblöcken. Sie zeigt das Verhältnis der Produktivstunden zu den Gemeinkostenstunden pro Abteilung auf. Eine klare Definition von Produktivaufträgen (beispielsweise für Kundenaufträge, zur Lagerergänzung, zur Prototypfertigung),Gemeinkostenaufträgen (Vorarbeitertätigkeiten oder auch Betriebsratstägigkeiten, Reinigungsarbeiten) sowie interner Leistungsverrechnung (zum Beispiel für Instandhaltung) ist jedoch Basis für diese Aussagefähigkeit.