Ideenreichtum Entwicklung der ersten mobilen Werkzeugmaschine
Drei Ingenieurwissenschaftler des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Universität Hannover arbeiten aktuell an einer naheliegenden und doch anspruchsvoll zu realisierenden Idee: der Entwicklung einer Maschine, die zum Bauteil kommt – und nicht umgekehrt. Finanziert wird das Projekt durch ein Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
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Es ist eine Idee, die simpel erscheint, aber doch vieles einfacher machen könnte. Das Potenzial scheint zu überzeugen: Anfang 2015 hat das damals noch zweiköpfige Team den Hannoverimpuls-Startup-Preis gewonnen, Anfang 2016 die Exist-Gründungsförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Drei Ingenieurwissenschaftler vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) an der Universität Hannover haben es sich zum Ziel gemacht, eine kleine, handliche Maschine zu bauen, die gleichzeitig präzise und mobil ist, die sich am Bauteil festhält und sich an oder auf ihm fortbewegt. Sie wollen eine Maschine entwickeln, die zunächst als 5-Achs-Fräsmaschine ausgelegt ist, aber auch alle Optionen zum 3D-Drucken oder Nieten mitbringt.
Eine Dreiviertelmillion Euro steht dem Team jetzt zur Verfügung, um aus ihrem selbst gedruckten Demonstrator, der es immerhin schon mit Kunststoff aufnehmen kann, einen echten Prototypen zu bauen und dann in die Selbstständigkeit zu starten.
Thomas Krawczyk, einer der drei Entwickler vom IFW, hat einen anschaulichen Vergleich parat: „Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein paar Löcher in Ihre Wand bohren und bringen Ihr Haus deshalb zur Bohrmaschine.“ Wenn seine Zuhörer befremdet die Stirn runzeln, macht er seinen Punkt: „So ist es zurzeit bei Bauteilen, auch sehr großen, beispielsweise solchen für Schiffe, Windkraftanlagen oder Flugzeuge: Sie werden zur Werkzeugmaschine gebracht. Wir finden, dass es umgekehrt sein sollte.“
Prototyp bereits für Ende 2016 geplant
Maschinenentwickler Dominik Brouwer, Wirtschaftsingenieur Thomas Krawczyk und Daniel Niederwestberg für die Entwicklung der Anwendungstechnologie wollen ihren Prototypen bereits Ende 2016 für den Einsatz in der Automobilindustrie am Start haben. Aktuell haben sie fünf potenzielle Kunden, deren Anregungen und Wünsche sie mitberücksichtigen werden. Aber gerade im Bereich Qualitätssicherung sind sie sehr daran interessiert, weitere Anregungen für kommende Aufgaben der mobilen Maschine zu bekommen.
Die mobile Maschine ist modular aufgebaut. Sie kann ihre Festhaltevorrichtungen wie Schuhe wechseln. Sowohl das äußere Gehäuse als auch das Spindelgehäuse haben solche Schuhe – die sich beispielsweise magnetisch festhalten können –, und so kann sich jeweils der eine Maschinenteil gegen den anderen verschieben und damit die ganze mobile Maschine wie eine Raupe am Bauteil entlangbewegen. Über ein externes Lasermesssystem kann sie sich dabei äußerst genau positionieren. „Zurzeit liegt unser Schwerpunkt auf dem Fräsen mit hoher Genauigkeit“, erläutert Krawczyk, „aber letztlich ist es egal, ob wir eine Spindel, einen Druckkopf oder eine Nietvorrichtung in unser mobiles Konzept integrieren.“ Ein bisschen Zukunftsmusik, aber nichtsdestotrotz durchaus ernst gemeint ist eine grafische Animation, die zeigt, wie ein halbes Dutzend mobiler Maschinen einen kompletten Flugzeugrumpf druckt.
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