Modersohn Ersatz-Werkstoffe für teuere Edelstähle vor der Marktetablierung

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Spenge (jk) – Heute dominieren auf dem europäischen Markt für rostfreien Edelstahl besonders die austenitischen nichtrostenden Stähle wie 1.4301, 1.4541, 1.4404 oder 1.4571. Geht es nach dem Stahlverarbeiter und Spezialisten für Befestigungstechnik Modersohn, wird sich das aller Voraussicht nach in naher Zukunft ändern.

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„Die hohen Rohstoffpreise – insbesondere der Legierungselemente Nickel und Molybdän – bringen den Markt für die genannten Werkstoffsorten stark unter Druck“, erläutert der Geschäftsführer der Wilhelm Modersohn GmbH & Co. KG. Bei einem Nickelanteil von etwa 10% (bei allen genannten Stählen) und einem Molybdänanteil größer als 2% (beim Stahl 1.4404 und 1.4571) bestimmen diese beiden Legierungselemente im Wesentlichen die rasante Zunahme des Legierungszuschlags.

Preisentwicklung unsicher

„Wenn man als Edelstahlverarbeiter die Börsenkurse an der Londoner Metal Exchange für die Metalle anschaut, könnte man schnell zu der Folgerung gelangen, dass mal wieder die Spekulanten und Fonds die Kurse künstlich in die Höhe treiben“, begründet Wilhelm Modersohn die rapide Preissteigerung bei den beiden Legierungelementen. Bei Nickel hat 1999 der Preis mit 3770 US-Dollar pro Tonne einen Tiefststand erreicht. In diesem Jahr ist er auf den Höchststand von 52375 Euro pro Tonne „hochgeschossen“.

Folglich drängt sich die Frage auf: Wie wird sich der Preis bei Nickel und Molybdän zukünftig entwickeln? Diese Frage könne keiner genau beantworten, sagt Wilhelm Modersohn. Jedoch sollte man sich nach seiner Ansicht über die Marktsituation im Klaren sein:

Molybdän wird nicht direkt an der Börse gehandelt. Lediglich Firmen der Molybdängewinnung sind börsennotiert. Die Londoner Metal Exchange kontrolliert nur etwa 10% des auf dem Weltmarkt gehandelten Nickelbedarfs. Fast die Hälfte des aus Minen gewonnenen Nickelvorkommens weltweit wird über drei große Konzerne vermarktet. Die Rohstoffverknappung für Nickel hat bereits um die Jahrtausendwende begonnen. Der starke Preisanstieg setze aber erst drei Jahre später ein.

Der Schrottanteil bei der Herstellung von hochlegierten nichtrostenden Stählen steigt ständig an und in einigen Herstellungsprozessen liefert das Schrottrecycling bereits den Hauptanteil der Legierungszusätze. Die Stahlhersteller legen den Legierungszuschlag, der bei einigen nichtrostenden Stahlsorten den Grundpreis deutlich übersteigt, selber nach einem „speziellen Berechnungssystem“ fest.

Obwohl in einigen europäischen Ländern bereits ein starker Absatzrückgang bei den austenitischen Standardwerkstoffen zu verzeichnen ist, steigt der Preis für die aus diesen Werkstoffen erzeugten Blechen und Profilen immer weiter. Einige Stahlwerke haben bereits damit begonnen Fertigungskapazitäten wieder zu senken. Diese Markthinweise machen deutlich, dass übertriebene Spekulationen an der Londer Metal Exchange nicht die Ursache für den hohen Preisanstieg sind.

Rostfreie Duplex-Stähle werden immer attraktiver

Wilhelm Mondersohn vermutet daher, dass es neben der hohen Nachfrage aus Fernost (China und Indien) noch andere Gründe für die radikalen Preiserhöhungen geben muss. Daraus folgert er, dass trotz Korrekturen die Preise auf „sehr hohem Niveau“ verbleiben werden. Erst ein globaler Marktrückgang würde die Preise deutlich purzeln lassen. So eine Krise sei aber derzeit nicht absehbar. Rostfreie Duplex-Stähle werden daher für den Geschäftsführer der Wilhelm Modersohn GmbH & Co. KG immer attraktiver.

Der Grund dafür liegt in den Anteilen von Nickel und Molybdän. Das gilt insbesondere für die so genannte rostfreien Lean-Duplex-Stähle der Korrosionswiderstandsklasse 3. In dieser Werkstoffklasse sind üblicherweise nur austenische A4- und A5-Stähle aufgeführt. Die Korrosionswiderstandsklassen 1 und 2 (A1-,A2-,A3-Stähle) umfassen dagegen auch die Chrom- und Chrom-Mangan Stähle. Auch diese Stahlsorten werden laut Wilhelm Modersohn neue Anwendungsbereiche erobern.

Institute und Verbände arbeiten an Studien über die Anwendbarkeit

Derzeit arbeiten laut dem Geschäftsführer alle namenhaften Institute und Verbände an Studien über die Anwendbarkeit der in den asiatischen Ländern besonders beliebten Werkstoffe. Allerdings werde in Europa aufgrund von zahlreichen Vorschriften (Normen, Zulassungen) und bürokratischen Hemmnissen eine breitgestreute Einführung „sicherlich noch länger“ andauern.

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