Reporting-Pflicht
Wie ESG zum Wettbewerbsvorteil für die Industrie wird

Ein Gastbeitrag von Dr. Markus Müller, Silvan Hinderer und Harald Yamlicha* 6 min Lesedauer

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ESG-Regelungen und das zugehörige Reporting sind für viele produzierende Unternehmen ein zusätzliches unliebsames To-do. Doch richtig angewendet, kann ESG von einer lästigen Pflicht zu einem Wettbewerbsvorteil für die Industrie werden. Wie Unternehmen dies gezielt umsetzen können.

Aufgrund der umfangreichen Maßnahmen müssen die Unternehmen kurzfristig mit steigenden Kosten im Zusammenhang mit ESG rechnen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Aufgrund der umfangreichen Maßnahmen müssen die Unternehmen kurzfristig mit steigenden Kosten im Zusammenhang mit ESG rechnen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Noch mehr Richtlinien und ein weiteres Reporting? ESG (Environmental, Social, Governance) ist in vielen Industrieunternehmen aktuell kein beliebtes Thema. Denn oft bleibt dafür schlicht keine Zeit zwischen Digitalisierungsbemühungen, Ressourcen- und Personalmangel. Wichtig zu wissen ist, dass sich mit der erweiterten Berichtspflicht ab 2025 der Kreis der betroffenen Unternehmen erweitert: Neben den kapitalmarktorientierten Firmen ab 500 Mitarbeitenden sind ab dem kommenden Jahr auch alle Unternehmen ab einer Größe von 250 Mitarbeitenden verpflichtet, ein ESG-Reporting zu erstellen, wenn sie mindestens zwei von drei Kriterien erfüllen: Dazu zählen neben der Kapitalmarktorientierung auch ein Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro sowie eine Bilanzsumme größer 20 Millionen Euro. Eine Betroffenheitsanalyse ist daher immer häufiger sinnvoll. Sie zeigt auf, welche Regularien wie etwa die EU-Taxonomie oder die Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz: CSRD) inklusive der European Sustainability Reporting Standards (kurz: ESRS) zu beachten sind. Die ESRS splitten sich auf in Umwelt-, soziale sowie Governance- und allgemeine Standards.

David gegen Goliath?

Der Stand der Umsetzung von ESG-Standards und -Reporting richtet sich in der deutschen Industrie stark nach der Unternehmensgröße. Neulingen fehlt es oft noch am nötigen Know-how, das größere börsennotierte Unternehmen schon aufbauen konnten. Denn diese mussten bislang meist ohnehin schon einen Nachhaltigkeitsbericht anfertigen und haben daher auch beim ESG-Reporting einen Vorsprung. Kleine und mittelständische Unternehmen hingegen müssen sich dieses Wissen erst noch aneignen und ESG-Richtlinien definieren sowie Geschäftsprozesse anpassen. Ein weiteres Problem: Oft fehlt es ihnen dafür auch an dediziertem Personal oder den Mitteln, Mitarbeitende entsprechend zu qualifizieren. Nicht zuletzt warten Verantwortliche oft erst einmal ab, wie Vorschriften von anderen Unternehmen in der Branche umgesetzt werden.