Das wird nix mehr? Experten glauben nicht an Weiterexistenz von Ford in Köln

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Ford, sagen Experten, blickt in Europa eher auf eine düstere Zukunft. Im Pkw-Sektor sei der Autohersteller einfach zu klein, so Ferdinand Dudenhöffer von CAR.

Die Situation bei Ford in Köln ist bekanntlich alles andere als gut. Es drohen jetzt auch Streiks. Experten befürchten aber, dass das Werk wenig Chancen auf eine Zukunft hat, auch wenn es mehrere Möglichkeiten zur Rettung gibt ...(Bild:  Ford)
Die Situation bei Ford in Köln ist bekanntlich alles andere als gut. Es drohen jetzt auch Streiks. Experten befürchten aber, dass das Werk wenig Chancen auf eine Zukunft hat, auch wenn es mehrere Möglichkeiten zur Rettung gibt ...
(Bild: Ford)

Die Lage bei den Kölner Ford-Werken ist bekanntlich angespannt. Und in dieser Woche könnte es erstmals seit der Gründung 1930 zu Streiks kommen, die sich gegen die harten Sparpläne des Ford-Managements richten. Doch wie man es auch dreht und wendet, Branchenfachmann Dudenhöffer blickt pessimistisch in die Zukunft, was Ford in Köln betrifft. Denn die verkauften Stückzahlen seien zu gering und die Personalkosten im Vergleich dazu zu hoch. Ford verliert laut Analysen in Deutschland und Europa schon seit langem Marktanteile. Inzwischen ist Ford in Europa so klein, dass ein Weiterbetrieb in der jetzigen Konstellation wenig Sinn macht, merkt der Fachmann an. Innerhalb von sieben Jahren ist auch die Belegschaft von einst 20.000 (Stand 2018) auf 11.500 geschrumpft.

Ford könnt sich auf mindestens zweierlei Art sanieren

Im vergangenen Jahr waren laut Behördenzahlen 3,5 Prozent der neu zugelassenen Autos in Deutschland von Ford. Zwei Jahre zuvor waren es noch fünf Prozent. Bei Nutzfahrzeugen ist der Anteil aber deutlich höher, doch diese Ford-Typen werden nicht in Deutschland hergestellt. Nach Meinung von Dudenhöffer gibt es zwei Möglichkeiten, das Ford-Dilemma zu beseitigen. Der US-Mutterkonzern könnte etwa sein europäisches Autogeschäft verkaufen, dann wäre man das Problem los und in Köln könnte die Autoproduktion erhalten bleiben. Die Entwicklungsabteilung und die Verwaltungsbereiche sollten dabei in die Zentrale des Käufers abwandern. Der zweite Lösung wäre, mit einem anderen Autobauer ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, um Kosten zu sparen und höhere Stückzahlen zu erreichen, damit die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Dudenhöffer lenkt den Blick dabei auf Renault als Partner.

Zögerlicher E-Mobil-Schwenk rächt sich bei Ford

Der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, sieht sogar noch einen dritten Weg, auf dem Ford aus der aktuell angespannten Lage herauskommen kann: „Der US-Mutterkonzern muss Milliarden in die Entwicklung und Produktion neuer Elektroautos und in eine Aufwertung des Markenimages stecken.“ Denn die bisher zugesicherten Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro für die Kölner Ford-Werke für einen Zeitraum von vier Jahren seien viel zu wenig. Die Ford-Zentrale in den USA müsste demnach eine Entschlossenheit an den Tag legen, die sie in den vergangenen Jahren habe vermissen lassen. Und derzeit fertigt Ford in Köln zwei Elektroautomodelle, deren Verkauf unter aber den Erwartungen liegt. Zentrale Bauteile dafür werden übrigens von Volkswagen eingekauft. Das geht auf Kosten der Wertschöpfung. Ford habe einfach zu spät – und dann auch nur mit halber Kraft – auf das Thema E-Mobilität gesetzt, was sich nun räche. Die Elektroautos von Ford mit VW-Technik sind im Vergleich zum Marktbegleiter außerdem einfach zu teuer, heißt es (günstigstenfalls 39.900 Euro).

Die Ford-Situation erinnert an die Story von Opel

Die Perspektive für Ford in Europa sei auch deshalb schlecht, weil der Wettbewerb noch zunehmen werde. Chinesische Anbieter von Elektroautos drängen schließlich auf den Markt. Alles in allem habe Ford mit seinem Pkw-Geschäft eine Riesenaufgabe zu lösen. Ford hat also jahrelang an den Bedürfnissen der europäischen Autofahrer vorbei produziert. Das erinnert an die Geschichte von General Motors und Opel, bei der die Amerikaner Opel schließlich verkauft haben. Doch weil die Automarke Ford nicht so einfach von der gleichnamigen Nutzfahrzeugsparte zu trennen sei, wäre dieser Weg nicht so einfach gangbar.

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